Tagebuch: Hundertwasser

3 01 2011

Montag, 3. Januar 2011

Sie werde einen Hundertwasser-Kalender zum Notieren der ganzen Familien-Termine kaufen, schrieb eine Freundin von mir in ihrem privaten blog [den ich immer mit Spannung und Begeisterung lese, weil ich so aus der Ferne mitverfolgen kann, wie ihre kleine Tochter wächst und gedeiht]. Hundertwasser – da fällt mir prompt eine Geschichte ein.

Ich habe viele Prominente in meinem beruflichen Leben interviewt, und nicht nur Touristiker. Zarah Leander beispielsweise, die große Diva, Oleg Popow, den russischen Weltklasse-Clown, oder Serge Jaroff, den kleinen, drahtigen Chef der Don Kosaken. Und eben Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser [der eigentlich Friedrich Stowasser hieß]. Das ist jetzt genau 20 Jahre her. Damals wurde das KunstHaus Wien eröffnet, eine von Hundertwasser zauberhaft umgestaltete frühere Fabrik der Firma Thonet, deren Bugholz-Möbel weltbekannt sind. Das Museum hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten fantastische Ausstellungen berühmter Künstler gezeigt [von denen ich etwa zehn gesehen habe]. Zwei Etagen des Museums sind für Hundertwassers Werke reserviert.

Hundertwasser bei der Eröffnung seines Museums 1991.

Der Meister – wie Hundertwasser sich nach mittelalterlichem Vorbild von seinen Jüngern anreden ließ – hatte vor der Eröffnungs-Pressekonferenz und Eröffnungs-Feier Zeit für mich. Eine halbe Stunde lang durfte ich ihn für den [damals noch existierenden] Sender Freies Berlin interviewen.  Da saß er vor mir, zwei verschieden farbene Socken, buntgestreiftes Hemd, grauer Bart, kluge, abschätzende Augen. Davon, dass gerade Linien ein Verbrechen seien, sprach Hundertwasser mir ins Mikrofon. Dass man der Natur zurückgeben müsse, was man ihr mit in die Landschaft geklotzten Bauten nehme. Er sprach vom „Fensterrecht“ bei neuen Bauten und von „Baumpflicht“.

Natürlich war das Interview mehr ein Monolog als ein Dialog. Aber immerhin: Ich hatte das alles auf Band, und ich habe Ausschnitte daraus mehrfach gesendet. Dabei musste ich immer daran denken, dass die Audienz an einem seidenen Faden gehangen hatte. Gerade als ich auf den Aufnahmeknopf drücken wollte, schnauzte Hundertwasser seine Assistentin an: Sie solle gefälligst die Heizung im Haus gewaltig herunterdrehen – „sonst rede ich mit diesem Mann kein Wort“. Dieser Mann – das war ich. Und so war ich erleichtert, dass die Assistentin bald Vollzug meldete und Hundertwasser sich auf das Gespräch konzentrieren konnte. In der Sache hatte er natürlich Recht: Es war wirklich warm im Museum, und später kamen tausend Gäste. Ihre Körperwärme hätte wahrscheinlich die Wandfarbe zum Laufen gebracht…

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