Tagebuch: Beschwerde beim Presserat

13 02 2011

Samstag, 12. Februar 2011

Zwei Beschwerden habe ich heute beim Deutschen Presserat eingereicht: eine über den Tagesspiegel [das tat mir weh], die zweite über die Bildzeitung [das tat mir nicht weh]. Beide Fälle haben mit der Tat eines Mannes aus Kleinmachnow bei Berlin zu tun, der ein vierjähriges Mädchen entführt hat, um Geld zu erpressen.

Ich verabscheue diese Tat. Meine Freundin hat eine vierjährige Tochter, die ich sehr liebe. Auch meine ‚eigenen‘ Kinder hängen an ihr. Mehr muss ich dazu nicht sagen.

Aber jeder Täter hat das Recht auf einen gewissen Schutz. Der Mann ist gefasst, und er hat gestanden. Alles andere sollte dem Gericht überlassen sein. Der Mann wird hoffentlich eine Verteidigerin und einen Verteidiger finden, der ihn gerecht und fair und angemessen verteidigt. Liebe [haha] Kolleginnen und Kollegen von Tagesspiegel und Bild: Geht das nicht in eure Köpfe hinein? Müsst ihr Hexenjagd betreiben, wenn  die Polizei ihre Arbeit längst getan hat, professionell und bewundernswert. Da wird doch kein Täter gesucht, sondern einer vor-verurteilt.

Der Tagesspiegel hat über die Augen des Mannes in dem verbotenerweise veröffentlichten Bild einen [Alibi-]Balken gelegt, im Bericht aber die gesamten beruflichen Umstände des Mannes ausgebreitet. Er ist sofort für jedermann zu identifizieren.

Die Bildzeitung hat das Bild natürlich ohne Balken gebracht. Beides ist eindeutig ein Verstoß gegen Abschnitt 8.1 des Pressekodex:

Richtlinie 8.1 – Nennung von Namen/Abbildungen
(1) Bei der Berichterstattung über Unglücksfälle, Straftaten, Ermittlungs- und Gerichtsverfahren (s. auch Ziffer 13 des Pressekodex) veröffentlicht die Presse in der Regel keine Informationen in Wort und Bild, die eine Identifizierung von Opfern und Tätern ermöglichen würden. Mit Rücksicht auf ihre Zukunft genießen Kinder und Jugendliche einen besonderen Schutz. Immer ist zwischen dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit und dem Persönlichkeitsrecht des Betroffenen abzuwägen. Sensationsbedürfnisse allein können ein Informationsinteresse der Öffentlichkeit nicht begründen.

Morgen werde ich den beiden Chefredakteuren des Tagesspiegel schreiben. Und ich überlege mir eine Anzeige gegen die ermittelnden Polizeibeamten, die das Bild des Täters offensichtlich ohne jede Not an die Presse gegeben haben.

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