Tagebuch: die Akropolis

23 03 2011

Mittwoch, 23. März 2011

Was für ein Anblick! Wenn ich aus dem Fenster meines Athener Hotels schaue, sehe ich direkt hoch zur Akropolis. Je nach Witterung erscheint sie mir nah oder weiter weg. Nachts wird sie mitsamt ihrer Tempel angestrahlt. Kein anderes Bauensemble in der Welt hat auf mich eine derart emotionale Wirkung wie die Bauten auf der Athener Akropolis. Zum ersten Male habe ich sie 1964 gesehen, vor 46 1/2 Jahren.

Gestern besuchte ich zum ersten Mal das 2009 eröffnete, schon legendäre Akropolis-Museum. Moderne Architektur im Dienst klassischer Kunst, gestaltet aus Beton, Stein, Glas und viel Tageslicht – hier ist ein ganz großer Wurf gelungen. Bevor sie in das Museum gelangen, gehen – oder besser: schreiten – die Besucher über Glasplatten, durch die sie auf die Ausgrabung der hier gelegenen antiken Stadt blicken, auf Wohnhäuser und Werkstätten. Im Innern setzt sich die glasbedeckte Ausgrabung fort. 45.000 Funde machten die Archäologen beim Bau des neuen Museums.

Da der Präsident des Museums, Professor Dimitris Pantermalis, zum verabredeten Termin dringend ins Finanzministerium gerufen wurde [„Sie können sich vorstellen, dass das wichtig ist für uns…“], erhielt ich erst einmal eine eineinhalbstündige Privatführung. Die übernahm eine junge [mir sei die Bemerkung gestattet: atemberaubend schöne und nicht weniger kluge] Archäologin aus dem neunköpfigen Team, das Besuchern zur Beantwortung ihrer Fragen zur Verfügung steht. Ich habe viel begriffen, was ich bis dahin eher vage wusste.

Und dann konnte ich mich fast eine Stunde lang mit dem Leiter des Museums unterhalten – im Gegensatz zur Führung auf Deutsch: Prof. Pantermalis hat vor vielen Jahren in Deutschland seinen Doktor gemacht. In kürzester Zeit deckte unser Gespräch einen breiten Themenkreis ab: seine Biografie, die Bauzeit, die Konzeption des Museums, das Spiel von Körper und Licht, die Finanzierung, die Kunst, preiswerte Ausstellungen zu machen, warum das Museum so viel für Kinder tut, die komplizierte Restaurierung der vom Smog zerfressenen Statuen undundund. Ich habe das Gespräch wie die Führung genossen. Sternstunden!!! Vom Inhalt mit Sicherheit demnächst an dieser Stelle mehr.

Zum Schluss schenkte der freundliche, kluge ältere Herr mir etwas, was er „ein Privileg“ nannte: Ich durfte mit ihm auf das Podest steigen, auf dem – vor den Besuchern sorgfältig mit Planen abgedeckt, aber zu ihrer Information permanent auf einen Bildschirm übertragen – eine der Karyatiden des Erechtheion-Tempels mit Laserstrahlen gereinigt wird. Ich durfte die Figur berühren. Auf der Akropolis stehen längst Kopien, die Originale sind buchstäblich in letzter Stunde vor dem Zerfall gerettet und in das jetzt aufgelöste alte Museum auf der Akropolis geschafft worden. Die tragenden Damen – Karyatiden sind Statuen, die Gebäudeteile tragen – haben kaum noch erkennbare Gesichter. Als ich sie 1964 zum ersten Male sah, war das anders, und ihr Antlitz erschien mir sehr geheimnisvoll.

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