Tagebuch: auf 2039 Meter Höhe

8 06 2011

Mittwoch, 8. Juni 2011

Cornelia Kriegner

Noch ist die letzte Reise nicht ‚abgearbeitet‘ – ich wollte noch über einen wunderschönen Botanischen Garten an der Bulgarischen Schwarzmeerküste berichten -, da war ich schon wieder unterwegs. Ziel der Reise waren diesmal Bregenz und der Bregenzer Wald. Dass ich diese Reise zu den schönsten und interessantesten der letzten drei Jahrzehnte zähle, liegt an zwei jungen Touristikerinnen.

Das sind Anja Zwischenbrugger von der Bregenzerwald Tourismus GmbH und Cornelia [„Conny“] Kriegner von der Bodensee-Vorarlberg Tourismus GmbH. Sie haben die Reise perfekt vorbereitet und haben mich sachkundig betreut. Und dabei kamen auch Gespräche über Gott und die Welt, PR und Pressearbeit, Frauenquote und Partnerschaft nicht zu kurz. Was für eine Reise! Und was für einen herrlichen Job mache ich!

Anja Zwischenbrugger

Der Kerl neben Anja Zwischenbrugger [rechts] ist einer von hundert. Die Figur stammt vom britischen Bildhauer Antony Gormley  [„Angel of the North“], der in den Vorarlberger Alpen ein gigantisches Projekt realisierte: „Horizon Field“. Das sind hundert industriell angefertigte [darauf legte der Künstler größten Wert]  lebensgroße „Eisenmänner“, Abgüsse eines nackten männlichen Körpers aus massivem Gusseisen. Es ist der Körper des Künstlers, der in starrer, an ägyptische oder griechisch-archaische Figuren erinnernde Haltung dargestellt ist. Die hundert Figuren sind über ein Gebiet von 150 Quadratkilometern verteilt – und stehen alle exakt auf 2039 Meter Höhe.

Was soll das? Diese Frage ist müssig. Es ist unmöglich, von diesen Figuren nicht gefangen genommen zu werden. Da stehen sie in der herrlichsten Umgebung, schauen weit hinaus in die Landschaft. Ich habe eine solche Figur – und zwei weitere in größerer Entfernung – an der Gipfelstation der Diedamskopfbahn kennengelernt. Und sofort gingen die Gedanken auf die Reise: Wer bin ich? Woher komme ich und wohin gehe ich? Was ist das mit der Menschheit? Ist jcder Mensch unwichtig? Oder ist jeder Mensch in seiner Individualität besonders wichtig? Der Mensch in der Natur, der Mensch als Teil der Natur. Die Natur als das wichtigste Prinzip der Schöpfung. Schöpfung: solch bombastische Begriffe werden wach.

Die Eisenmänner in „Horizon Field“ muss man buchstäblich ‚begreifen‘ – anfassen, tätscheln, streicheln, klopfen [wirklich nicht hohl]. Und während mir meine vierjährige Freundin Püppi in den Sinn kommt, die – immer den Dingen auf den Grund gehend – den Mann mit Sicherheit erklettern würde, erscheinen ein Großelternpaar mit einer Dreijährigen auf der Bildfläche. Die Kleine nimmt die Figur an der Hand, tätschelt sie, greift nach dem Penis des Nackten [„hat der ’nen großen Schniepel“] und nimmt derart von der Figur Besitz, dass Gormley vor Freude von einem Bein aufs andere hüpfen würde. Ein Augenblick des unbeschreibbaren Glücks.

Im August vorigen Jahres wurden die hundert Figuren installiert. Im April kommenden Jahres werden sie wieder abmontiert.

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