Tagebuch: Pfaueninsel

13 06 2011

Montag, 13. Juni 2011

Pfingstmontag. Was soll ich mit dem Tag anfangen? Arbeiten? Nö. Rumeumeln? Ach, nee. Also, etwas unternehmen. Aber was? Beratschlagt, im Internet nachgeschaut, wieder beratschlagt. Auf zur Pfaueninsel, die stand schon lange [mal wieder] auf dem Programm. Meine vierjährige Freundin Püppi war gleich Feuer und Flamme. Schon die Anreise war ein Abenteuer: U-Bahn bis Zoo, Regionalbahn bis Wannsee, Bus bis zur Haltestelle Pfaueninsel, Fähre zur Insel.

Dort erst einmal ein Eis gegessen, Hose vollgekleckert [meine], Tickets für das Schloss gekauft. Das Schloss sieht aus wie eine Ruine, so ist es konzipiert. Dem Fachwerkbau wurde eine Holzverschalung vorgeblendet, die bemalt wurde, als bestünde sie aus massiven Bausteinen. Das Ruinenschloss wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts von Friedrich Wilhelm II. als Lustschloss für seine Mätresse Wilhelmine Gräfin von Lichtenau errichtet.  So steht’s in  den Büchern. Aber wie undifferenziert: Mätresse – wie das klingt, sie war die Frau an seiner Seite. Er hat sie zum ersten Male vernascht, als sie 13 war. Mit 15 wurde sie zum ersten Male Mutter. Es muss wohl die große, die ganz große Liebe gewesen sein. Oder bin ich wieder zu romantisch?

Die Gräfin, die vor ihrer „Beförderung“ Wilhelmine Encke hieß, durfte ihr Schloß selbst ausstatten. Diese Ausstattung ist original erhalten. Das ist ein kleines Wunder. Das Schloß  wurde seit 1840 nicht mehr bewohnt, und die Kriege haben ihm nichts anhaben können.

Der Besuch des Schlosses ist ein Muss! Der Eintritt kostet 3 Euro. Die Führung ist kurz und präzise. Püppi interessieren am meisten die Filzpantoffeln, die Besucher überstreifen müssen. Und der Klostuhl der Königin! Mit Lüftung, aber ohne Wasserspülung.

Herrlich ist es auch, über die Inseln zu schlendern, ein von Lenné [mal wieder!] gestaltetes Gartenkunstwerk. Auf der Insel stehen nicht nur das Schloss, sondern auch das Kavalierhaus, in dem die Bediensteten des Sommerschlosses wohnten, eine historische Voliere und nicht zuletzt die Alte Meierei, auch sie eine künstliche Ruine im Stil eines gotischen Klosters. Dann gibt es noch den Luisentempel – in Erinnerung an Luise, die Gattin von Friedrich Wilhelm III., der die Insel ab und zu als Sommersitz nutzte – und überall Brunnen, Steinsockel und Postamente. Solche Details, die Gebäude, die Landschaftsgestaltung – das alles ist nur Kulisse für das romantische „Zurück zur Natur“, das damals modern war.

Bizarre Bäume stehen auf der Insel, viele von Sturm und Blitz gespalten oder umgeworfen und so liegen gelassen. In einem hohlen Baum findet Püppi ein herrliches Versteck – wenn nicht die Ameisen so krabbeln würden. Viele Menschen sind auf der Insel unterwegs – die pausenlos verkehrende Fähre „Luise“ spült ununterbrochen 150 Personen an Land -, aber alle halten sich an die Gebote: nicht rauchen, keine Musik über Lautsprecher, die Wege nicht verlassen. Gut, eigentlich dürfen sich die Besucher nur auf der so gekennzeichneten „Liegewiese“ zu Sonnen ausstrecken, aber hin und wieder werden dazu auch normale Rasenflächen umfunktioniert. Stört’s jemanden?

Das Ende des Ausflugs

Wir legen uns nicht auf irgendeine Wiese. Dazu gibt es viel zu viel zu sehen. Einmal gibt’s eine kurze Picknich-Rastpause auf einer Bank. Dann geht es schon weiter. Wo sind die Wasserbüffel? Warum sind nur so wenige Pfauen zu sehen? Und warum schlägt keiner trotz all der gezückten Kameras ein Rad?

Püppi würde zu gerne Blumen pflücken. Sie liebt Blumen über alles. Aber das ist hier – natürlich! – streng verboten. Ihre Mama kommt auf eine gute Idee: Warum wird in solchen Parks nicht eine wilde Wiese angelegt, auf der Kinder nach Lust und Laune Blumen pflücken dürfen? Ich werde die Idee an die Verwaltung der Preußischen Schlösser und Gärten weiterreichen…

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