Tagebuch: Arne ist 80

22 08 2011

Montag, 22. August 2011

80 Jahre ist mein Freund Arne geworden. Arne Ranslet, Keramikkünstler, Bildhauer. Er hat lange auf Bornholm gewohnt und gewirkt, wo ich ihn vor 30 Jahren kennen gelernt habe. Vor 15 Jahren [?], 20 Jahren [?] ist er nach Spüanien gezogen, des besseren Klimas wegen. Auf Bornholm wohnte Arne mit seiner Fraun Tulla und den drei Kindern auf einem über 200 Jahre alten Bauernhof. Für mein erstes Bornholm-Buch, vor 23 Jahren im DuMont-Verlag in der Reihe „Richtig reisen“ erschienen, habe ich Arne und Tulla porträtiert:

Arne Ranslet, Jahrgang 31, war einer der ersten Künstler, die sich nach dem Krieg auf Bornholm niederließen und Keramikkunstwerke von Rang schufen. Den Erfolg erreichte er auf Umwegen. So arbeitete Arne Ranslet in den ersten Jahren als Techniker in der Keramikfabrik Søholm, wo er zuletzt technischer Leiter war. Unter anderem hat er in dem Werk, das damals noch mehrere hundert Mitarbeiter beschäftigte, bleifreie Glasuren entwickelt.

Das Wundersamste an den Gefäßen aus seiner Hand sind nicht die Formen, obwohl auch sie alles hinter sich lassen, was an klassische Keramik erinnert, sondern die Glasuren. Der riesige Ölofen, den er mit seinen Werken beschickt, erzielt eine Temperatur von 1400° C. Mit diesen Temperaturen und seinem Wissen um die Geheimnisse des Glasierens hat Arne Ranslet regelrechte Glasurbilder gemalt. Die Angaben zu einer Keramiklandschaft lesen sich dann so: „Weiße Steinzeugplatte mit Temmoku, Chün-Yao-Blau und weißer Feldspatglasur, Reduktionsbrand 1400°c.“ Sein Œuvre bevölkern auch Katzen, Hängebauchschweine und ein monumentaler, der biblischen Geschichte entlehnter Wal mit Jonas im Bauch. Er ist von den Ausmaßen her das größte Werk des Künstlers und steht im Innenhof des Bukkegård, eines 200 Jahre alten Bornholmer Bauernhofs bei Hasle, in dem Wohnung und Werkstätten der Ranslets liegen.

Beide Keramikkünstler haben die Grenzen, die ihnen der Werkstoff  Ton setzt, längst überschritten. Tulla Blomsberg-Ranslet studierte Malerei, hängte dieses Studium aber vorübergehend an den Nagel, weil sich die Tätigkeit als Keramikerin leichter mit Mutterpflichten vereinbaren ließ. Inzwischen ist die Künstlerin zur Malerei zurückgekehrt. Auf Ausstellungen in Hannover und Hamburg-Harburg im letzten Jahr sind ihre Gemälde begeistert aufgenommen worden.

Auch Arne Ranslets Werke fanden auf den gleichen Ausstellungen großen Anklang. Sein „Tubabläser“, der jetzt auf dem Harburger Marktplatz steht, sein „Rocker“ und sein „Büokrat“ sind allerdings Bronzeplastiken. denn der Künstler hat sich seit 1980 diesem Werkstoff verschrieben. Er ist einer der wenigen Bildhauer, der seine Bronzen selbst gießt, daheim auf dem Bukkegård.

Der Tubabläser

Was hat Arne seitdem für wundersame Bronzefiguren geschaffen! Einen lebensgroßen Rocker beispielsweise, der – einen Hotdog in der Hand hält. Eine alte Frau mit Sonnenbrille – und Maschinenpistole im Anschlag. Eine andere Frau, die sich beim Einkaufen, noch die Tasche im Arm, erschöpft hinsetzt – und stirbt. Da wachsen ihr Engelsflügel. Die Stunden in Arnes Atelier zählen zu den schönsten meines Lebens.

Auch Tulla beim Malen zuzusehen, war ein Erlebnis. Gottseidank besitze ich ein schönes, in Nolde-Farben gemaltes Bild von ihr. Wie überhaupt meine Wohnung ein kleines ‚Ranslet-Museum‘ ist. Da hängt eine Keramikplatte von Arne, im Regal steht eine kleine Bronzefigur, sein Entwurf zu einemm Holokaust-Denkmal in Oslo. Ein bronzenes Hängebauschwein, klein, aber sehr hängebauchig, hat Sohn Paul mir geschenkt. Er lebt als Bildhauer auf Bornholm. Im Flur hängt ein bezauberndes, verzaubertes Landschaftsbild von Tochter Pia, einer Malerin, die in Israel lebt. Und überall stehen Glaskunstwerke meinet Bornholmer Freunde Pete Hunner und Maibritt Friis Jönsson, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Ich verdanke Arne viel. Er gab mir tausend Anregungen zu meinem Bornholm-Buch. Ihm verdanke ich meine Kenntnisse über dänische Malerei. Mittlerweile könnte ich darüber eine Vorlesung halten… Was haben wir in Kunstbüchern geblättert. Wir haben über Gott und die Welt geredet. Arne hast mich immer durch sein Wissen, seine Güte und seinen Humor angerührt. Leider habe ich Tulla und Arne seit fünf Jahren nicht mehr gesehen. Da feierten sie Goldene Hochzeit auf Bornholm.

Nun bist Du 80, Arne. Ich hoffe, dass Du noch lange in Gesundheit lebst. Und das wir uns bald wiedersehen.

Goldhochzeit: (von rechts) Arne, Tulla, Sabine Neumann

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