Tagebuch: Begegnungen – Belgrad III

23 12 2011

Freitag, 23. Dezember 2011

Wenn einer eine Reise tut…

José Froehling

…dann lernt er nette Leute kennen. Zumindest interessante. Das ist das Schönste an meinem Beruf: die vielen Begegnungen mit spannenden Menschen, wobei ich meine Neugierde nicht zügeln muss, sondern sie beruflich begründen kann. Die Menschen waren auch das Spannendste an meiner Reise nach Belgrad. Sie wurde geplant und vor Ort von Jose Manuel Froehling betreut. „Advisor“ steht auf seiner Visitenkarte, Berater. Der Begriff könnte auch mit Referent, Betreuer, Beistand übersetzt werden. Stimmt alles.

 José Froehling ist Deutscher mit – der Vorname verrät’s – spanischen Wurzeln. Seit zwei Jahren arbeitet er nach eigener Aussage „mitten im Team“ bei der Nationalen Tourismus Organisation Serbiens, sozusagen der DZT des Landes. Sein Beschäftigungsstatus ist etwas kompliziert: Er kommt von der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit [GUZ] und arbeitet in Belgrad im Rahmen deutscher Entwicklungs-Zusammenarbeit im Auftrag des Centrums für internationaler Migration [CIM], einem Zusammenschluss von GIZ und der Agentur für Arbeit. Bei NTO Serbien ist Froehling als Fachexperte für touristische Entwicklung, PR und Marketing für  den deutschsprachigen Raum angestellt und in dieser Funktion auch Ansprechpartner für Reiseveranstalter und Medien, dies in Kooperation mit einer in Berlin angesiedelten PR-Agentur. Alles klar?

 Gottseidank ist Froehling nicht so kompliziert wie sein Status. Der 31-jährige ist ein freundlicher, gescheiter Mann, dem ich viele Erkenntnisse über Belgrad und die Bewohner der Stadt verdanke. Wie so viele Touristiker hat er in Trier angewandte Geografie mit dem Schwerpunkt Tourismus studiert. Er ist gerne unter Menschen, reist mit Leidenschaft und liebt den Sport, seit neuestem das Tauchen.

Gordana Plamenac

Froehlings Chefin ist Gordana Plamenac, eine starke Frau, die im Gespräch über den Tourismus in Serbien nichts beschönigt. Sie glaubt fest daran, dass die Menschen aus ihrer Geschichte etwas lernen. Ich denke, als Serbe oder Serbin muss man auch daran glauben. So wie nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland viele daran geglaubt haben, um nicht verrückt zu werden. Sie will in Zukunft auf dem deutschen Markt die Gemeinsamkeiten mehr herausstellen – z.B. die Donau: „Die Deutschen wissen nicht, dass die Donau die Verbindung ist.“ Gordana Plamenac und ihr Unternehmen arbeiten eng mit der DZT zusammen. Die DZT-Chefin ist Präsidentin der European Travel Commission, sie die Vizepräsidentin.

Milos Milovanovic

Zu Plamecacs Stab gehört Milos Milovanovic [34], Boss des Serbia Convention Bureaus. Er ist stolz auf die jetzt vollendete, vierjährige Aufbauarbeit des Kongressbüros. Serbien, so sagt er, ist eine der preiswertesten Kongress-Destinationen auf dem Markt: „Wo sonst bekommen Sie ein Galadinner für 50 Euro pro Person?!“ Für zukunftsweisend hält er die App zum Tagungsmarkt Serbien, die er und seine drei Mitstreiter entwickelt haben und die keine Frage zu diesem Thema offen lässt.

 Mike Urbanowski ist auch Deutscher. Von Mainz kam er vor einem halben Jahr nach Belgrad, um dort als Verkaufs- und Marketingmanager des Hotels Hyatt zu werden. Gleichzeitig ist er Area Direktor of Sales & Marketing der Hotelgruppe für Südosteuropa. In der Lobby seines Hotels standen zahlreiche Tannenbäume. Diese können von Firmen zum Stückpreis von 400 Euro gekauft werden. Der Erlös dient einem guten Zweck: Hyatt Belgrad unterstützt ein Projekt, das notleidenden Kindern hilft.

Mike Urbanowskij

Mike Urbanowski mit Tannenbaum im Hyatt

Ralph van der Zijden

Last but not least: Auch Ralph van der Zijden lernte ich kennen. Ein netter Kerl, ein Holländer, der in Belgrad arbeitet und dort mit pfiffigen Ideen im Tourismus mitmischen will. Unter dem Markennamen iBikeBelgrade bietet er vierstündige Radtouren durch die Hauptstadt an. Im bevorstehenden neuen Jahr wird er in Holland 30 Räder kaufen, denn die derzeit geliehenen Räder findet er nicht optimal. Der Jungunternehmer beschäftigt neun lokale Guides. An mehreren Tagen in der Woche bietet er Kavana-Touren [Kavana – erinnern Sie sich? S. Tagebuch von gestern] zu „interessanten Plätzen an, die man sonst nicht sehen würde“. Und: „Es gibt eine Reihe versteckter Bars, die auch die Einheimischen nicht kennen.“ Voller Optimismus plant er für nächstes Jahr Touren mit dem Automodell Yougotours an, das heute schon antiquiert wirkt.

Ralph kommt mir vor wie ein Rennpferd, das mit den Füßen scharrt. Er war schon immer an dieser Region interessiert. Und er erinnert sich noch genau an seinen ersten Besuch in Belgrad: „Da habe ich mich verliebt in diese Stadt.“. Vieles sei so südlich hier, schwärmt er – „wie in Italien“.

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