Tagebuch: Reisen unterm Regenbogen

12 01 2012

Donnerstag, 12. Januar 2012:

Alle Schwulen mögen Barbara Streisand.  Und alle Schwulen lieben Abba. Das waren die noch harmlosen Klischees, mit denen sich Dietmar Malcherek auseinander setzen musste. Der „Direktor Mittelmeer“ beim – stinkseriösen – Reiseveranstalter Dertour hatte sich in den Kopf gesetzt, ein Reiseangebot „für Schwule, Lesben und ihre Freunde“ zu kreieren. Da gab es noch einige Widerstände im eigenen Haus zu überwinden: „Wir mussten die Kollegen erst einmal abholen.“ Aber insgesamt lief alles glatt. Als „lustig“ bezeichnet das touristische Schwergewicht den Weg von der ersten Idee bis zur Vorlage des fertigen Gay Travel-Katalogs, „wir haben viel dabei gelacht“. Jetzt hat Malcharek den Katalog in Berlin – wo auch sonst! – vorgestellt und sich zur Präsentation spaßeshalber ein Abba T-Shirt übergestreift.

Spaß mit Abba-T-Shirt: Dietmar Malcherek. Rechts seine Kollegin Sonja Teasing

Aus meinem Bericht über die Veranstaltung für die Zeitschrift „touristik aktuell“:

Der Katalog ist gerade in einer Auflage von 100.000 Exemplaren an die 10.000 Vertragsreisebüros des Unternehmens in Deutschland, Österreich, der Slowakei und Tschechien ausgeliefert worden. 80 Reisebüros, die sich auf „Schwule, Lesben und ihre Freunde“, so der Untertitel des Kataloges, spezialisiert haben, wurde der Katalog in größerer Auflage zugestellt. Ein Bündel von Werbemaßnahmen wird die Markteinführung des jüngsten Dertour-Produkts begleiten: ein Dertour-Stand in der Gayhalle auf der ITB Berlin, Onlinemarketing, Werbung in Gay Print- und Onlinemedien und Social Media-Aktivitäten. Zudem aktualisiert der Veranstalter ständig einen Gay-Event-Kalender, der über gaytravel.info@dertour.de unter dem Betreff Gay-Events abgerufen werden kann.
 Malcherek als Teamleiter und seinen Mitstreitern, der Produktmanagerin Sonja Teasing und ihrem Kollegen Jens Reinhardt, ist mit dem neuen Produkt ein großer Wurf gelungen. 140 Hotels und Resorts sowie Erlebnisbausteine in 30 Ländern weltweit werden auf den 92 Katalogseiten dargestellt. Dabei wird das Angebot in drei Themenbereiche unterteilt: „City Street Life“, „Beach & Nature“ und „Adventure, Fun & More“. „Damit keine Missverständnisse aufkommen“ (Malcherek) signalisieren Piktogramme, für wen die Quartiere geeignet: Häuser mit „Gay Only“ sind ausschließlich schwulen und lesbischen Gästen vorbehalten. In Häusern, die Dertour mit dem Piktogramm „Gay Friendly“ versehen hat, sind schwule und lesbische Urlauber besonders willkommen. Hotels, die primär für Gays gedacht sind, in denen aber heterosexuelle Kunden ebenfalls gerne gesehen sind, erhalten das Piktogramm „Hetero Friendly“. Malcharek versichert, dass es sich bei der Etikettierung nicht nur um Lippenbekenntnisse handelt.  Die Reise-Arrangements aus dem Gay-Travel-Katalog können mit allen anderen Angeboten aus den Dertour-Programmen kombiniert werden.
Bewusst haben die Programm-Macher Länder nicht in den Katalog aufgenommen, die für die Zielgruppe politisch kritisch sind oder wo Schwule und Lesben gar verfolgt werden, z.B. Marokko. Auch ein Ziel wie Thailand fehlt im Katalog: Dertour hat peinlichst alles vermieden, was nach Sextourismus aussieht. So sind auch die Fotos im Gay Travel-Katalog recht brav. Malcharek: „Wir wollen, dass auch die Mama ihn in die Hand nehmen kann.“

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