Tagebuch: Rekorde – Dubai II

3 05 2012

Donnerstag, 3. Mai 2010

Ich bin nicht naiv. Wenn ich zum ersten Male in ein Land reise, das ich noch nicht kenne, lasse ich gerne alles auf mich zukommen – das Faszinierende, das Schöne, das Hässliche und Protzige, das Spannende. Vor allem aber die Menschen. Auch wenn mich politische Hintergründe und soziale Zu- und Mißstände sehr interessieren, erlaube ich mir mitunter, zu genießen oder gar zu schwärmen.

So sind meine Anmerkungen zu Dubai von vorgestern und die von heute und in den nächsten Tagen zu verstehen.

Für eine Stadt der Guinessbuch-Rekorde war der Arabian Travel Market (ATM) in Dubai, den ich jetzt besucht habe, geradezu bescheiden. Die Stadt besitzt mit dem 823 hohen Burj Khalifa das höchste Gebäude der Welt, im Hotel Atlantis das größte Aquarium und mit dem Rennbahn-Hotel The Meydan, das sich über 1600 Meter erstreckt, das längste Hotel auf dem Globus. Der ATM aber belegte nur sechs Hallen. Auf 21.000 Quadratmetern drängte sich alles, was im Nahen Osten und mit dem Neuen Osten touristische Geschäfte machen wollte. Aber immerhin 2400 Aussteller, 88 mehr als im Vorjahr, reisten aus 87 Ländern an. Über 22.000 Fachbesucher registrierten sich. „Eineinhalb Jahre nach dem Arabischen Frühling zeigt die Messe, welch wachsende Bedeutung der Tourismus in der Region hat“, sagt Mark Walsh von Reed Travel Exhibition, der veranstaltenden Messegesellschaft. Zum ersten Male in der 19-jährigen Geschichte der ATM trafen sich die Tourismusminister des Nahen Ostens, um über die touristische Entwicklung zu diskutieren.

Vier Tage ging es in den Hallen zu wie in einem Bienenstock. Der ATM funktioniert hervorragend als Kommunikationsplattform. „Wir haben noch nie so viele Kontakte gehabt wie dieses Jahr“, freute sich Michael Kappes [Foto links], Sales- und Marketingdirektor des Gloria Hotels in Dubai, der mit vier weiteren Kollegen ins ATM-Rennen ging. Die Region boomt. Die Vereinigten Arabischen Emirate [VAR] erwarten in diesem Jahr ein Wachstum von neun Prozent. Dubai, das sich von der Finanzkrise langsam erholt, registrierte im Vorjahr zehn Prozent mehr Hotel- und Kreuzfahrtbesucher, nämlich  9,3 Millionen. Abu Dhabi zählte 2011 2,1 Millionen Hotelgäste, 300000 mehr als im Jahr davon. „Die VAR profitieren vor allem im Winter von den schwächelnden Zielen Ägypten und Tunesien“, betont Dr. Daniel Esavandi [rechts], Senior Product Manager von JT Touristik, dem teilnehmerstärksten deutschen Anbieter für die Destination Dubai.
Einige Ziele haben hochfliegende Pläne. Kuweit will bis 2015 die Gästezahl auf eine Million verdoppeln. Oman mit derzeit 1,6 Millionen Besuchern hat vor, die Zahl bis 2020 auf 12 Millionen im Jahr pushen. Das kleine Emirat Sharjah informierte auf der ATM über ein ehrgeiziges Ecotourismus-Projekt für die Mangroven-Wälder in der Enklave Kalba.

Der Nahost-Tourismus ist keine Einbahnstraße. Europäische Destinationen wie Griechenland, Österreich und die Schweiz warben auf dem ATM massiv um Reisekunden aus den arabischen Ländern.

Berlin war diesmal auf der Messe mit einem Stand gemeinsam mit München und nicht mit der DZT vertreten. Für Ralf Ostendorf, Verkaufsleiter von visitBerlin [links], macht dieser Einsatz Sinn: „Die Araber reisen gern, wenn bei uns Betten zu haben sind – im Sommer.“ Dabei punktet Berlin „mit der großen Zahl von Fünf-Sterne-Hotels, der Sicherheit, den Golfplätzen in und rund um Berlin und mit dem vielen Grün“.

Rückblick: Regelmäßige Leser dieses blogs wissen, dass Griechenland eines meiner Dauerthemen ist. Im Gutem wie im Schlechten. Heute im Schlechten. Auf dem Arabian Travel Market gelang es mir an jedem Stand mühelos, ins Gespräch zu kommen. Nur an einem Stand blitzte ich ab. Sie ahnen es schon: am Griechenland-Stand. Der Chef – der Generalsekretär der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr EOT, den ich letztes Jahr in Athen in seinem Büro besucht hatte – bedeutete mir mit gnadenloser Arroganz, er habe keine Zeit. Er habe gerade eine Verabredung. Ich solle in ein paar Minuten wiederkommen. Und drehte mir ohne Lächeln, ohne Gruß wieder den Rücken zu. Als ich ein paar Minuten später wiederkam, war er verschwunden.

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