Tagebuch: Im Land der Schwarzen Berge – Montenegro I

14 06 2012

Donnerstag, 14. Juni 2012

Der Artikel über die Vier-Tage-Reise nach Bornholm für den „Tagesspiegel“ war noch nicht geschrieben, da ging’s schon wieder auf eine neue Reise: ins Land der Schwarzen Berge, denn nichts anderes heißt „Montenegro“. Anlass der Reise war die Jahrestagung des Deutschen ReuiseVerbandes [DRV], die im November in Montenegro stattfindet. Stets bereist eine Journalistengruppe vorab das betreffende Land, lernt die touristischen Attraktionen kennen und besichtigt auch Kongresszentrum und Tagungshotels.

Die Tiara-Schlucht

Diesmal also Montenegro. Vor dem Jugoslawienkrieg – eine grobe Vereinfachung ist dieses Wort – war Montenegro so etwas wie ein Massenziel. Danach wurde das kleine Land zwischen Kroatien und Albanien vergessen – oder vielleicht verdrängt? In den kriegerischen Auseinandersetzungen im Zuge des Verfalls Jugoslawiens hat Montenegro mit Serbien eine vunrühmliche Rolle gespielt – in Kroatien gewütet und verwüstet, geplündert und noch viel mehr. Soldaten aus Montenegro haben mit ihren serbischen ‚Kameraden‘ von den Bergen rund um Dubrovnik aus die Menschen in dieser herrlichen Stadt abgeschossen wie Hasen. Die offizielle Statistik listet rund 180 Tote auf, nach meinen Recherchen waren es aber über 300. Nach dem Krieg – mir liegt fast das Wort ‚Bürgerkrieg‘ auf der Zunge – gehörte Montenegro noch lange zum Staatenbund mit Serbien, erst 2006 machte sich das kleine Land selbständig.

Budva

Noch ein Wort zum Krieg: So sehr auch junge Soldaten im benachbarten Kroatien wüteten, so großzügig zeigt sich das Land an anderer Stelle: Montenegro nahm 150.000 Fl+üchtlinge auf, immerhin ein Viertel der eigenen Bevölkerung! 15.000 haben in diesem Land für immer eine neue Heimat gefunden und sind immer noch da.

Zum Auftakt der Reise stand der deutsche Botschafter in Montenegro, Pius Fischer [Foto links], zu einem Gespräch zur Verfügung – ganz lässig in einem Café. Lässig auch seine Schilderung, wie er vor zehn Monaten erst in dieses Land versetzt wurde: „…wie mit dem Fallschirm angesetzt…“ Seine Schilderung des Landes war präzise:

Die Bevölkerung  ist nicht größer als die von Stuttgart. Das durchschnittliche Einkommen pro Kopf beträgt 500 Euro, aber der Unterschied zwischen arm und reich ist groß. Groß ist auch das Nord-Süd-Gefälle: Die Küstenregion ist reicher, natürlich durch den Tourismus. Auch mit deutscher Hilfe soll der Hinterland-Tourismus gestärkt werden.

Der Botschafter schwärmte geradezu von den Highlights, die sich Besuchern darbieten. Montenegro besitzt die tiefste Schlucht Europas [die Tiara-Schlucht], den größten See des Balkans [Skutari-See] und den größten Fjord des Mittelmeeres [die Bucht von Kotor].

Pius Fischer redete ungeschminkt [!] über die Politik der Landes [„Dukanovic ist ungekrönter König und noch heute Drahtzieher im Hintergrund“], über negative Begleiterscheinungen des Tourismus [„ein Problem sind die vielen russischen Touristen“] und über die Bestrebungen des Landes, in die EU aufgenommen zu werden [„…das wird wohl erst 2020“]. Und dann machte er den Menschen Montenegros ein Kompliment, wie es – gerade in heutiger Zeit – nicht größer sein könnte: „Alle ethischen Gruppen vertragen sich – noch nie kam es zu einer Explosion…“

Skutari-See

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