Tagebuch: pfiffige Regenschirme – Montenegro III

4 07 2012

Mittwoch, 4. Juli 2012

Kotor – eine der schönsten Städte im Mittelmeerraum. Aus meinen Notizen zum DuMont-Jugoslawien-Reiseführer, der wegen des Krieges nie erschienen ist, Stand 1990:

Kotor war immer der größte Konkurrent der Seefahrerstadt Perast. Die maritime Vergangenheit dieser Stadt dokumentiert das Montenegrinische Seefahrtsmuseum in der durch das Erdbeben fast völlig zerstörten und unter großen Anstrengungen in knapp zehnjähriger Bauzeit wieder erstandenen Altstadt von Kotor.  Anmerkung von heute: Kotor stand nur wenige Monate auf der Liste der Weltkulturerbes, als das schreckliche Erdbeben geschah… Weiter im „alten“ Text: Den Grundstein für das Museum legte die ab 1880 angelegte Sammlung der „Bokeljska Mornarical“, einer Seefahrtsgesellschaft der Bucht von Kotor mit über 1000-jähriger Tradition.

Zu den Ausstellungsstücken gehört u.a. die Uniform des Konteradmirals Marko Florio, der als Befehlshaber des österreichischen Kriegsschiffs „Erzherzog Friedrich“ in der Schlacht vor der Insel Vis gegen die Italiener im Jahre 1866 berühmt wurde. Auch der „Orden der Brüderlichkeit und Einheit mit dem silbernen Kranz“ ist ausgestellt, mit dem Staatschef Tito die Seemannsgilde 1972 ausgezeichnet hat, deren Ehrenadmiral er war. In dem Museum kann man sich mit der komplizierten Geschichte der montenegrinischen Küste vertraut machen, die in den einzelnen Orten einen höchst unterschiedlichen Verlauf genommen hat und sich über Jahrhunderte von der Geschichte Alt-Montenegros und der früheren Hauptstadt Cetinje erheblich unterscheidet.

Auch in neuerer Zeit haben Seefahrer aus Kotor versucht, in das Rad der Geschichte zu greifen, so beispielsweise beim Matrosenaufstand im Februar 1918 auf dem Panzerkreuzer St. Georg und allen anderen Schiffen der österreichischen Kriegsflotte, die in Kotor vor Anker gegangen war. Der Aufstand wurde niedergeschlagen; vier Matrosen, die als Rädelsführer galten, verurteilte man zum Tod durch Erhängen. Auch Schiffsteile des Zerstörers „Zagreb“ sind zu sehen, mit dem sich zwei jugoslawische Marineoffiziere im April 1941 bei Tivat versenkten, um zu verhindern, dass das Kriegsschiff in die Hände der italienischen Besatzer fiel.

Auf den Fotos der Stadt Kotor von heute [oben und links] sind Regenschirme zu sehen, große Regenschirme. Na und? Die Regenschirme sind keine normalen Regenschirme, sondern eine äußerst pfiffige Konstruktion. Sie sind nach oben geöffnet und fangen das Regenwasser auf. Das leiten sie weiter in Tanks, denn Wasser ist in Montenegro knapp.

So etwas habe bisher auf keiner meiner vielen Reisen gesehen.

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