Tagebuch: Trakai – Vilnius III

27 07 2012

Freitag, 28. Juli 2012

Was für eine Burg! Wem es da nicht in den Fingern juckt, um die Kamera zu zücken und ungezählte Bilder zu machen… Und so fotografierte die Pressegruppe, die den Ausflug nach Trakai mitmachte – etwa ein Drittel der zur Programmvorstellung der Rewe-Bausteinveranstalter [Dertour, Meier’s Weltreisen, ADAC Reisen nach Vilnius angereisten Journalisten – wie die Weltmeister: die Wasserburg mit bunten Booten im Vordergrund, die Burg mit dem Brückensteg, der zu ihr hinüberführt, den Burghof, den Bergfried. Die Wasserburg von Trakai wird zu den meistfotografierten Gebäuden von Litauen gerechnet und ist ein, wenn nicht gar  d a s  Wahrzeichen des Landes.

So idyllisch die Wasserburg heute wirkt, mit deren Bau im 14. Jahrhundert begonnen wurde: Sie war ein militärisches Bollwerk, das sich vor allem in den Kämpfen gegen die Kreuzritter [die 1410 in der Schlacht von Tannenberg ein für alle Male ein Ende fanden]. Die Burg von Trakai ist die einzige erhaltene gotische Wasserburg Europa. Aber das „erhalten“ stimmt nicht ganz – sie wurde wiederaufgebaut, und zwar unter russischer Ägide und mit russischem Geld ab der 1950-er Jahre bis 1987. Wie so oft ist vieles zu glatt gelungen, aber ab und zu – zum Beispiel im Großen Saal, in dem der Großfürst von Litauen Hof hielt – hat man weise darauf verzichtet, fantasievolle Ergänzungen vorzunehmen, wenn keine Vorlagen überliefert waren.

Im Städtchen Trakai, 30 Kilometer von Vilnius entfernt, leben noch 65 der rund 250 Karäer, die es in Litauen gibt. Sie wurden in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts – auf einer Tafel vor dem Ethnografischen Museum von Trakai fälschlich „des 16. Jh.“ –  aus der Krim kommend, hier vom Großfürsten Vytautas angesiedelt. Es handelt sich um eine jüdische Religionsgemeinschaft mit Anklängen aus dem Islam. Ihre farbig angemalten Holzhäuser stehen beisammen in einem Viertel von Trakai und sind an ihren drei Fenstern, die zur Straße gerichtet sind, zu erkennen.

Auch ein Besuch im karäischen Restaurant Kybynlar stand auf dem Programm. „Kybynlar“ heißt „viele Kybyn“, eines der auch bei Litauern beliebten traditionellen Gerichte der Karäer. Das sind mit Hammel- oder Rindfleisch gefüllte Teigtaschen. Wir haben sie unter großem Gelächter selbst hergestellt und dann unsere eigenen Kunstwerke verspeist. Das war eine logistische Meisterleistung von Arturas Lavrinovicius, dem jungen Patron, und seinem Team. Und wie die Teigtaschen schmeckten! Zum Essen wurde auch ein goldbraunes, brandyähnliches Getränk gereicht, dessen Rezept nicht verraten wurde. Wurzeln und orientalische Gewürze sollen die Zutaten sein. Nein, es schmeckte nicht besonders gut…

Zum Kochen trugen wir Schutzkleidung, die uns das Aussehen von Chirurgen bei einer wichtigen Operation verlieh. Was für ein Gaudi.

Zum Schluss gab es noch einen kleinen Segeltörn auf de, Galves-See – was für ein herrlicher Ausflug. Glückselig kehrten wir heim nach Vilnius.

Advertisements

Aktionen

Information

2 responses

11 08 2014
abireise blog

abireise blog

Tagebuch: Trakai – Vilnius III | Schwar[t]z auf Weiss

Gefällt mir

25 10 2015
a h naujoks

Wir sind die Kreuzritter keine Islamischen Schweine

Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: