Tagebuch: Wunderland Lahemaa – Estland V

20 09 2012

 Donnerstag, 20. September 2012

Einen zauberhaften Abschluss fand die Pressereise nach Estland, über die ich schon viermal Tagebuch-Notizen gepostet habe. Von der Hauptstadt Tallinn fuhren wir eine Stunde mit unserem Kleinbus in den Lahemaa Nationalpark. Lahemaa heißt: Land der Buchten. Und Ostsee-Buchten gibt es viele in dem Nationalpark im Norden des Landes. Er wurde vor 40 Jahren als erster Nationalpark der damaligen Sowjetunion gegründet. Wie üblich gibt es drei Schutzzonen: Die eine darf – natürlich nur auf Wegen und Straßen – das ganze Jahr von Wanderern, Radfahrern und Autofahrern genutzt werden. Die zweite Zone wird zu bestimmten Zeiten gesperrt – vor allem, wenn im Frühjahr die Vögel brüten. Die dritte, die Kernzone, darf kein Mensch betreten. Hier bleibt die Natur sich selbst überlassen. Fisch-, Stein- und Seeadler bevölkern den Nationalpark, Schwarzstörche, Nerze, Luchse und Biber. Und angeblich 150 Elche. Wir haben keines der Tiere zu Gesicht bekommen.

Neben viel Natur sahen wir zauberhafte Holzhäuser, die mich an Skandinavien erinnerten, Ferienhäuser [Foto oben], die gemietet werden können, rustikale Restaurants und vieles mehr. Kaum etwas kann ich dokumentieren: Der Akku meiner Kamera verabschiedete sich ganz plötzlich.

Drei ehemalige Güter liegen im Nationalpark – Palmse, wo in einem der Gebäude die Nationalpark-Verwaltung untergebracht ist, Sagadi und Vihula. Wir haben in Vihula gewohnt. Das Gut ist heute eine Hotelanlage mit dem langen Namen Vihula Manor Country Club & Spa – ein Herrenhaus mit zwei Hauptgebäuden, 25 historische Gebäude, eine 50 Hektar große, wirklich zauberhafte Parklandschaft. Die Anlage ist vier Kilometer von der Küste entfernt.

Blick in die Geschichte [entnommen der Website des Hotels]: 1501 wurde zum ersten Mal über Vihula geschrieben. Damals gehörte das Anwesen dem dänischen Baron Hans von Lode, der aus einer der ältesten Adelsfamilien Estlands stammte. 30 Jahre später ging Vihula Manor in das Eigentum der Familie Weckebrod über, 1605 überließ Ewert Weckebrod das Anwesen seiner Tochter Brita, die Melchior von Helffreich geheiratet hatte. Die Familie von Helffreich, deren Vorfahren aus Württemberg stammten, blieb für über 200 Jahre Eigentümer des Herrenhauses.

Das Hauptgebäude heute

1703, während des großen Nordischen Krieges (1700-1721), wurde die Anlage niedergebrannt. Genaue Informationen darüber fehlen, wann mit dem Wiederaufbau begonnen wurde. Das älteste erhaltene Gebäude ist das alte Herrenhaus. Es wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebaut.

Anfang des 19. Jahrhunderts kamen die Eigentümer von Vihula in finanzielle Schwierigkeiten, und das Herrenhaus wurde 1809 zwangsversteigert. Alexander von Schubert, dessen Familie aus dem westpreußischen Elbing stammte, wurde neuer Eigentümer. Die Familie von Schubert legte den Grundstein für Vihulas heutiges Erscheinungsbild. Das Hauptgebäude wurde erst 1880 vollendet, die meisten anderen Gebäude stammen aus den Jahren 1820 bis 1840.

Während der Revolution im November 1917 verwüsteten die Roten Garden das Herrenhaus. Nach dem 1. Weltkrieg wurde Vihula Manor verstaatlicht und blieb bis zum 2. Weltkrieg in Staatsbesitz. Die Familie von Schubert wohnte noch bis 1939 dort und verließ dann das Land. Von 1941 bis 1944 besetzten der deutsche Geheimdienst und seine Spionageabwehr das Anwesen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde es Teil des landwirtschaftlichen Staatsbetriebes des Dorfes Ubja. Von 1951 und 1982 war im Haupthaus ein Altenwohnheim untergebracht. Seit dem 1991 ist Vihula Manor in Besitz der Aktiengesellschaft Vihula Mõis (Vihula Manor).

Idyllischer [hier passt das Wort!] Park

Das Herrenhaus und seine umliegenden Gebäude wurden von 2008 bis 2012 komplett renoviert und nach historischen Plänen restauriert. „Man legte großen Wert darauf, die Gebäude und die Natur soweit wie möglich zu schützen und zu erhalten und gleichzeitig eine moderne Funktionalität zu schaffen“, sagt Michael Stenner, der Hoteldirektor. Zur Anlage, die erst vor wenigen Wochen fertig gestellt wurde, gehören 65 Gästezimmer in verschiedenen Gebäuden, eine rustikale Taverne, das Restaurant „La Boheme“, eine Bar, das „Eco-Spa“, eine Sauna, ein Schwimmbad undundund…

Michael Stenner [rechts] ist Deutscher – und hat uns während des Pressebesuchs mit großem Zeitaufwand ausgesprochen gut betreut. Einladende der Reise waren: die estnische Hotel- und Restaurantvereinigung, das Büro der estnischen Wirtschaftsförderung in Hamburg, das Meriton Grand Conference & Spa Hotel in Tallinn mit dem General Manager Heinz Weisl an der Spitze, und Stenners Company. Ihm, also Michael Stenner, mache ich das wohl größte Kompliment, das ich in meinem Beruf zu vergeben habe: Noch nie in den 40 Berufsjahren habe ich eine so liebevolle Einladung mit einer so ins Detail gehenden Planung erhalten – die von der Realität noch weit übertroffen wurde!

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