Tagebuch: Mädchen auf Plateausohlen

22 09 2012

Samstag, 22. September 2012

Noch ein paar Tage, dann wird sie geschlossen: die große Pergamonschau im Pergamon-Museum. Ein ganzes Jahr lang waren und sind ja noch 450 Ausstellungsstücke aus der antiken Stadt zu sehen, von denen viele noch nie gezeigt worden sind. Das Material ist so reichhaltig und die Ausstellung bringt museumsdidaktisch alles so auf den Punkt, dass ich sie mir viermal angesehen habe.

450 Exponate – viele wurden noch nie ausgestellt

Pergamon – da fällt jedem der berühmte Pergamonaltar auf der Berliner Museumsinsel ein. Die meisten werden nicht wissen, wo sie ihn „hintun“ sollen. Oder weniger flapsig ausgedrückt: Wie sie ihn zeitlich einordnen sollen. Also: erste Hälfte des zweiten Jahrhunderts vor Christus. Pergamon war eine antike griechische Stadt in Kleinasien, in der heutigen Türkei.  Ihre Blütezeit lang im dritten und zweiten Jahrhundert vor Christus. Aber „Stadt“ ist gar nicht der richtige Ausdruck: Pergamon war königliche Residenz und Stadtstaat zugleich, also eine Polis. Es gab zeitweise durchaus Spannungen zwischen königlicher und Zivilverwaltung, erst unter dem König Attalos III. sind König und Staatsvolk gleichberechtigt.

Was für ein Königreich, was für ein Volk! Die Residenz lag auf einem Berg und erstreckte sich von dort bis zur Unterstadt. Prächtige Paläste bot Pergamon, Tempel, Heiligtümer, auch der Pergamon-Altar stand hier. Es gab ein Theater, einen Marktplatz, Wohngebiete, eine Bank – und sogar ein Museum, das erste der Welt.

Die Figur einer tanzenden Frau [rechts] stand in einem Bankettraum der Königsresidenz. Kleidung und Haltung erinnern – ganz bewusst – an Koren, archaische griechische Mädchenfiguren. Aber die Darstellung ist – ebenfalls ganz bewusst – im damals modernen, hellenistischen Stil gehalten. Solche Erkenntnisse machen die Ausstellung so wertvoll!

Oder dieses Figürchen [oben], ein Mädchen im Brautstaat. Es war eine Grabbeigabe oder eine Votivfigur. Besonders auffallend an der Schönen sind ihre Schuhe mit Plateauabsatz [links].

Pergamon hat auch Kriege geführt. Aber die große, beeindruckende Leistung liegt daran, dass dieser Stadtstaat vor weit über 2000 Jahren uns und unserer Zeit weit voraus war. Die Pergamonschau hat mein Griechenland-Bild sehr verändert. Positiv, versteht sich.

Und nach der Sonderschau gehe ich jedesmal in den großen Saal mit dem Pergamon-Altar. Wow!

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