Tagebuch: Das andere Hotel

24 09 2012

Montag, 24. September 2012

„Nehmen die Treppe, das ist gesünder“, lesen Gäste des Berliner Hotels Casa Camper an den Aufzügen. Immerhin hat das vor drei Jahren eröffnete Haus acht Stockwerke. Vieles ist anders als in üblichen Hotels in dem Berliner Haus mit dem Namen der berühmten Schuhmarke. Dabei handelt es sich übrigens nicht um einen per Lizenzvertrag vergebenen Namen: Das Casa Camper befindet sich wie das Schwesterhotel in Barcelona im Besitz der aus Mallorca stammenden Eignerfamilie des Brands Camper. An die Schuhmarke erinnern im ganzen Haus nur die originellen, farbigen Hausschuhe. Die dürfen die Gäste allerdings nicht mit nachhause nehmen, können sie aber für stolze 50 Euro das Paar erwerben.

Was ist anders an der Casa Camper? Die Fassade wirkt tagsüber eintönig, aber nach Sonnenuntergang leuchten die großen Zahlen auf den Badezimmer-Vorhängen der 51 Zimmer und Suiten weit in die Nacht hinaus. Die Badezimmer liegen nicht wie so häufig im hinteren, dunkleren Teil des Zimmers, sondern direkt am Fenster. Die Betten dagegen sind in den immerhin 32 Quadratmeter großen Zimmern im dunkleren Teil versteckt. Dicke Teppiche fehlen, die Zimmer sind schlicht, aber geschmackvoll ausgestattet – „designerisch“, wie es Iris Sutter formuliert, Kommunikationschefin von Camper Deutschland. Sutter: „Wir haben Luxus neu definiert, das heißt bei uns: zur Ruhe kommen.“ In der Tat macht das nur einen Steinwurf von der Berliner Museumsinsel entfernte Hotel eher einen familiären als einen weltläufigen Eindruck.

Die Rezeption ist klein und schlicht, hier stehen keine großen Sitzecken, sondern ein paar einfache Plastic Chairs von Eames. Im Keller: eine kleine Sauna, ein paar Sportgeräte, ein kleiner Konferenzraum ohne Tageslicht. Dafür eine Überraschung im obersten Stockwerk: das Tentempié, Snackbar und Lounge in einem. Hier stehen den Gästen bei herrlichem Ausblick über Berlins Mitte zu jeder Tages- und Nachtzeit, also 24 Stunden, anstelle der sonst üblichen Minibars in den Zimmern Getränke, heiße oder kalte Snacks, Obst, ein frischer Salat und ähnliches zur Verfügung. Der Genuss ist im Hotelpreis eingeschlossen, nur Alkohol kostet extra. An den kommen allerdings nur Gäste über 18, die mit ihrem Zimmerschlüssel auch einen Zugang zu einem kleinen Bereich mit alkoholischen Getränken haben. Er heißt Honesty Bar – die Gäste sollen ehrlich notieren, was an Alkohol sie genießen.

Auch im Restaurant Dos Palillos im Erdgeschoss geht das Camper neue Wege: Den Raum dominiert eine riesige Theke, an der die Gäste nebeneinander sitzen und der Schar der Köche bei ihrem Tun zuschauen. Küchenchef ist Albert Aurich, der elf Jahre lang Küchenchef im berühmten Restaurant El Bulli an der Costa Brava war. Aber in Berlin serviert die Küche keine Molekularkost, sondern Tapas – keine spanischen, sondern asiatische.

Auch in der Vermarktung geht die Casa Camper eigene Wege: Es gibt keinerlei Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern. Gäste sind Leute aus dem Entertainment, die in Berlin zu tun haben, Familien und Geschäftsreisende, die Firmen in Berlin-Mitte besuchen. Sie kommen aus Deutschland, den USA, Kanada und Asien. Im Durchschnitt sind sie „eher jünger“ [Sutter], nämlich 35 bis 40 Jahre alt. Sie treffen auf ein junges, 32-köpfiges Team. Den Vogel schießt dabei die General Managerin Jasmin Mittag [Foto oben] ab: Sie ist erst 28 Jahre alt.

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