Tagebuch: panta rhei

11 11 2012

Sonntag, 11. November 2012 

Schon der alte Heraklit, der vorsokratische Philosoph, wusste das: „alles fließt“ – panta rhei. Oder in der Langfassung: „Niemand kann zweimal in denselben Fluss steigen, denn alles fließt und nichts bleibt…“ Das einzig Beständige ist die Veränderung.

Vor ein paar Wochen habe ich geschrieben, dass der Buchladen in der Trautenaustraße 12 schließen musste. Ich habe das sehr bedauert. Gestern ist an derselben Stelle – alles fließt – eine Chocolateria eröffnet worden. Ein Laden voller Versuchungen! Er passt gut ins [neue] Milieu der Gegend rund um die Güntzelstraße: Hier eröffnet ein Feinkostladen neben dem anderen.

Am Haus Trautenaustraße 12 ist ein Erinnerungsschild angebracht: Hier hat bis zur Machtergreifung der Nazis der Künstler George Grosz gelebt, der glühende Militärhasser, der Spötter und Verächter des spießbürgerlichen Establishments. 1933 emigrierte er in die USA. Die Nazis erklärten seine Zeichnungen und Genälde zur „entarteten Kunst“ und beschlagnahmten 285 Kunstwerke. 1938 wurde Grosz amerikanischer Staatsbürger. Wen wundert’s, dass er nach den Erlebnissen in seiner Heimat unter Depressionen litt und immer wieder sein Heil im Alkohol suchte. Er kehrte erst 1959 in seine Geburtsstadt Berlin zurück. Kurz darauf starb er durch einen Treppensturz. Die Nacht hatte er durchzecht. Alles fließt…

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