Tagebuch: Wirtschaftswunder West-Berlin

16 11 2012

Freitag, 16. November 2012

Parallel zur Grützke-Ausstellung ist im Ephraim-Palais in Berlin eine zweite Ausstellung zu sehen: „Kalter Krieg und Wirtschaftswunder“, die West-Berlin – so der Untertitel – „in Farbfotografien von Hubert Maschke“ zeigt.

Hubert Masche [geboren 1915, gestorben 2005 mit 90 Jahren!] war Fotograf. Er arbeitete als Bildreporter und später als Standfotograf bei Filmproduktionsfirmen, ehe er 1957 in West-Berlin einen Postkartenverlag gründete. Von da an hielt er unermüdlich das Wiedererstehen der zerstörten West-Stadt fest, den Bauboom, die restaurierten Sehenswürdigkeiten, die Menschen in der Stadt und auch die neue Grenze, die Berlin teilte. Manches Motiv kommt den Betrachtern bekannt und doch merkwürdig fremd vor – z.B. das Foto vom neuen Berliner-Hilton, auf dem sich das Hotel als stolzer Solitär in einer Brache erhebt.

Die ausgestellten Fotos sind nicht für eine Präsentation in dieser Größe gemacht worden, wie Ulrike Griebner, Kuratorin der Stiftung Stadtmuseum, auf der Pressekonferenz zur Vorstellung der Ausstellung erklärte. Es sind Neuprints, die ausgestellt sind. Griebner: „Es sind auch keine spektakulären Aufnahmen, aber sie berühren den Betrachter.“ Mit der Ausstellung verfolgt das Stadtmuseum – unter anderem – ein hehres Ziel: Sie will eine Diskussion der Generationen anregen. Gesprächsstoff bietet die Ausstellung genug: Aufbau aus Schutt und Asche, alte und neue Wahrzeichen der Stadt, das Phänomen des Wirtschaftswunders, die Teilung…

Auch Handwerkszeug des Fotografen wird ausgestellt: Kameras, eine Schneidemaschine, mit der der Büttenrand der Postkarten geschnitten wurde, Layoutentwürfe für die Postkarten. Die Kinder des Fotografen Herbert Maschke, Morlind Tumler und Cornelius Masche, haben die ganze Werkschau der Stiftung Staddtmuseum vermacht. Was für ein Geschenk!

„Herbert Maschkes stimmungsvolle Bilder halten die großen und kleinen Träume der 1950er und 1960ere Jahre fest“, schreibt der Nicolai Verlag zum Buch, das er zur Ausstellung unter dem Titel „Wirtschaftswunder West-Berlin“ herausgegeben hat. Es enthält auf 130 Seiten viele, größtenteils unveröffentlichte Aufnahmen aus „einer Zeit, in der Berlin begann, wieder amüsant, schick und dynamisch zu werden“. Was mir an dem kleinen Band besonders gefällt, sind die ausführlichen Beschreibungen der Bildmotive – eine Fundgrube für jeden, der an Berlins moderner Geschichte interessiert ist. Kurz: ein tolles Weihnachtsgeschenk für 16,95 Euro.

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