Tagebuch: PR-Legende

9 01 2013

Mittwoch, 9. Januar 2013

Eine PR-Legende tritt ab. Anita Meier mit ihrer kleinen auf Tourismus spezialisierten PR-Agentur AMPR. So liest sich der Beginn ihrer heutigen Pressemeldung in eigener Sache: „Nach knapp 33 Jahren Touristic Consulting und Marketing gibt es bei Anita Meier PR in Frankfurt keine Pressestelle mehr für Länder, Regionen, Fluggesellschaften, Hotelketten und Veranstalter, kein Informationsbüro für Inseln, kein Team für die Tagesarbeit mit Kontakten, Presseinformationen, Clipping Service, dem täglichen Krisenmanagement und all dem, was eine wirklich gute PR-Agentur eben leisten muss.“

Anita 2

Ich habe die PR-Dame im Jahr, nein genau am Tag der Zypernkrise kennen gelernt, als die Türkei die Insel überfiel und zwei Drittel besetzte. Das war im Sommer 1974. Anita Meier arbeitete damals in der Pressestelle von Neckermann Reisen, jenem Veranstalter, der reibungslos alle Zypern Urlauber – auch die der Konkurrenz – evakuierte. Ich war im Auftrag der Zeitschrift „test“, deren Reiseredakteur ich damals war, zu Recherchen bei Neckermanns. Anita Meier und ich gingen mittags essen und fachsimpelten. Keine Spur von Anspannung oder Hektik, die reibungslose Evakuierung war eine Bravourleistung.

 Ein paar Jahre später machten wir uns selbständig: 1980 Anita Meier mit ihrer Agentur AMPR, ein Jahr später ich mit meinem Redaktionsbüro. Anita Meier: „Ich bin stolz auf das, was AMPR in drei Jahrzehnten bewegen konnte, stolz auf das Vertrauen, das die Kunden in mich und meine eher kleine Agentur gesetzt haben. Sie taten es von Anfang an, und nicht wenige blieben lange; zehn, 15 oder auch mehr als 20 Jahre (wie Singapur). Nicht selten trauten sie mir und meinem Team auch Unorthodoxes zu (wie die Schaffung des Mallorca Informationsbüros, als die Insel dringend ein anderes Image brauchte).“ Die agile PR-Fachfrau hatte es seinerzeit wirklich geschafft, die als „Putzfrauenidylle“ geschmähte Insel überall ins Gespräch zu bringen – positiv!

 Die letzte Reise mit Anita Meier führte uns nach Montenegro. So manche Abend – und auch Nachtstunde – haben wir trinkend, rauchend (Anita) und redend auf der Terrasse unseres Hotels verbracht. Wir haben uns gut verstanden, auch wenn wir uns nicht in der Frage einig waren, inwieweit die Soldaten aus Montenegro in den jugoslawischen Bürgerkrieg verwickelt waren. Anita Meier hält sie immer noch für die Guten, die trotz der [Bürger-]Kriegswirren sauber blieben. Ich wusste es besser und war über die Kriegsverbrechen der Montenegriner informiert.

Ich schreibe diesen blog mit einer Träne in Knopfloch. Aber Anita Meier hält Trost bereit: „Ich werde einzelne Kunden auch weiter beraten, Konzepte und Strategien entwickeln, Kontakte pflegen und Kontakte schaffen. Aber ich bin nun fern vom Büro-Alltag, mein Kopf ist frei. Ich denke, ich habe es mir verdient, jetzt nur noch das zu tun, was ich am besten kann.“

Sie schließt mit dem tollen Spruch: “I closed the shop, but not the doors”.

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