Tagebuch: Ex-Queen

1 02 2013

Freitag, 1. Februar 2013

Nun ist sie – seit gestern – 75 Jahre alt. Die Königin von Holland. Die Ex-Queen, sie hat ja abgedankt. An dem Tag, an dem sie den Thron bestieg, am 30. April 1980, war ich gerade bei einer Kollegin und Freundin in Den Haag. Einen Tag später startete ich von dort im Auftrag der Zeitschrift „Test“ [Stiftung Warentest] zu einer Kreuzfahrt mit der MS „Amerikanis“.

Königin Beatrrix

Der Jubel in Den Haag war nicht zu überhören und zu übersehen. Meine Kollegin, eine sehr kritische und hochintelligente Person, der ich nie Nationalismus unterstellen würde, lobte „ihre“ neue Königin über alles. Sie sei sehr beliebt bei den Niederländern – und das ist ja wohl so geblieben. Nun müssen sich die Niederländer nach Königin Wilhelmina, Königin Juliane und  Königin Beatrix an einen Mann gewöhnen, einen König. Wird schon gehen…

BeeldvanBeatrix_Obdeijn_0230 (427x640) (2)„Bild von Beatrix” heißt eine Ausstellung, die jetzt in  Apeldoorn eröffnet wurde. 2200 Niederländer, Amateure und Profis, hatten zu der Ausstellung Gemälde eingeschickt. Sie zeigt 68 der besten Werke, die von einer fachkundigen Jury ausgewählt wurden. Besucher der Ausstellung können ihre Stimme abgeben, welches Gemälde den Publikumspreis erhält. Neben den 68 eingeschickten Werken präsentiert die Ausstellung auch Beatrix-Porträts bekannter Künstler wie Andy Warhol oder Ans Markus.

BeeldvanBeatrix_Kraaijeveld_0884 (427x640) (427x640)

Ich stamme aus Aachen an der deutsch-belgisch-niederländischen Grenze – und bin ein echtes „Kind“ des Dreiländerecks: in Belgien geboren, mütterlicherseits verwandschaftliche Verflechtungen zu den Niederlanden, aufgewachsen in Deutschland. Von Kind auf interessierte mich alles, was im Nachbarland so vor sich ging. Eng waren die Beziehungen zwischen der Stiftung Warentest und der niederländischen Schwesterorganisation, dem „Consumentenbond“. Mit den Kollegen aus den Haag unternahm ich zahlreiche Testreisen. Mein engster Freund wurde ein Niederländer namens Erik. Wir waren gemeinsam in Griechenland, in Norwegen.

Mein letztes Foto von Eriik

Mein letztes Foto von Erik

Bis er eines Tages nicht mehr heimkam von einer Recherchenreise. Das Flugzeug, das ihn in die Türkei bringen sollte, prallte gegen einen Berg. Bis feststand, dass auch er unter den Toten war, verging ein ganzer Tag voller Warten, Hoffnung und Bangen.

Im Auftrag der Stiftung Warentest nahm ich an der Beerdigung des Kollegen teil, dessen Bild seitdem neben meinem Schreibtisch hängt. Es wurde eine unkonventionelle Feier: Beim „Leichenschmaus“ musste jede Kollegin und jeder Kollegin über Erik eine fröhliche, lustige Geschichte erzählen. Und jedem fiel eine lustige Geschichte ein. Wir haben gelacht und geweint und gelacht…

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