Tagebuch: Die ITB, die tut weh

7 03 2013

Donnerstag, 7. März 2013

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Der zweite Tag der ITB – meiner 41. – ist vorbei. Für uns vom Redaktionsbüro Schwartz war es schon der dritte. Denn nach der Eröffnungs-Pressekonferenz am Donnerstag gab es schon die ersten Pressekonferenzen, unser Büro in der Pressehalle 6.3 musste eingerichtet werden, es gab die erste Redaktionskonferenz des Teams, das tagtäglich Material für die „Tagesberichte“ zuliefert. Da gab es die erste Überraschung: Den täglichen Pressedienst gibt es nicht mehr, die Texte werden jetzt unter www.itb-berlin.de in den „Newsroom gestellt.

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Und so flitzten wir schon zwei Tage herum, fuhren mit dem Shuttle-Bus zum ICC, um Pressekonferenzen zu besuchen, eilten zurück, um zu schreiben, fuhren wieder mit dem Shuttle… Ein Hamsterrad ist nichts dagegen. Im Büro geht es zu wie in einem Taubenschlag. Freunde kommen vorbei, alte Bekannte, neue Kontakte. Reden, schreiben, reden. Dann wieder mit dem Shuttle…

3Das Büro ist wie immer wohnlich reingerichtet, Blumen, Süßigkeiten, Essen und Getränke. Auf einem Büroschrank  sind „Berlinchen“ ausgestellt [Foto links], wundervolle Berlin-Souvenirs von Susanne Dühmert – davon später mehr. Natürlich fehlt auch das übliche Büro-Equipment nicht. An der Wand hängen große Terminpläne.

Apropos Termine: Was wir an falsch verstandener Pressearbeit erleben, ist hanebüchen. Da liefert ein Land zur Pressekonferenz als Unterlage 62 Seiten Text. Wer soll das lesen? Und alles und jedes ist das Schönste und Größte. Sachsen-Anhalt erwähnt in der Überschrift zu einem Text vier Attraktionen, beschreibt im Text aber nur drei. Da sitzen bei den Ungarn fünf Leute auf dem Podium, und jeder redet und redet, bis einem der Kopf schwirrt. Auch bei den Bulgaren reden viele, sagen aber kaum Berichtenswertes. In der Presseunterlage sind nur Allgemeinplätze zu finden. Die Pressekonferenz der Türken beginnt mit 35-minütiger Verspätung.1

Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen. Man könnte als Journalist auf dieser Messe depressiv werden.

Haben PR-Berater nicht mehr den Mut, ihre Auftraggeber daran zu erinnern, dass es sich hier um die Weltmesse des Tourismus handelt, auf der ein wenig, ein klitzekleines bisschen Niveau angesagt ist? Schweigen sie lieber aus Angst, sonst den Etat des betreffenden Landes zu verlieren?

Es gibt auch gute Beispiele. Zum Beispiel die Vorstellung der Kreuzfahrten-Analyse des Deutschen ReiseVerbandes [DRV]: kurz und knapp und knackig, kaum ein Wort zu viel, unter strikter Vermeidung jeglichen Allgemeinplatzes. Dazu ein Pressepapier, in dem auf gut zwei Seiten – nicht auf 20 – jede nur erdenkliche Frage beantwortet wird. So sollte jede Presseveranstaltung sein.

Die 47. Auflage der weltweit größten Reisemesse ist restlos ausgebucht. Die 26 Hallen des Messegeländes unter dem Funkturm sind komplett belegt. Wie Dr. Christian Göke, Geschäftsführer der Messe Berlin, auf der Eröffnungs-Pressekonferenz betonte, hat es noch nie so viele doppelstöckige Stände gegeben wie in diesem Jahr. Um ihren enorm gewachsenen Platzbedarf zu befriedigen, bauen zahlreiche Aussteller in die Höhe. Allein Indonesien, diesjähriges Partnerland der ITB Berlin, ist mit 120 Ausstellern vertreten.

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Insgesamt präsentieren sich 10.068 ausstellende Unternehmen aus 180 Ländern auf 160.000 Quadratmetern. Als neues Land ist der seit Juni 2011 unabhängige Staat Südsudan auf der ITB Berlin vertreten. Schon im Vorfeld der Messe viel diskutiert wurde eine wesentliche Neuerung: Zum ersten Male kann das Privatpublikum am Wochenende bei den Ausstellern direkt Reisen buchen. „Das ist ein Experiment“, versicherte Christian Göke, „wir werden die Erfahrungen nach der ITB Berlin sorgfältig auswerten und dann entscheiden, wie es weiter geht.“ Auch wir vom Redaktionsbüro Schwartz sind gespannt.

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