Tagebuch: das Gespensterschloss

22 03 2013

Freitag, 22. März 2013

Wir schaufeln uns derzeit das nächste Millionengrab. Dies völlig unabhängig vom Gelächter der Welt über die Berliner Schildbürger. Nach Staatsbibliothek, Oper Unter den Linden, BER ist jetzt das Stadtschloss an der Reihe. Es soll 2019 eröffnet werden, was nie und nimmer klappt. Es soll 590 Millionen Euro kosten, was nie und nimmer einzuhalten ist.

Daumen runterGerade jubeln Berliner Zeitungen, weil ein anonymer Spender Millionen zum historisierenden Bau der Kuppel auf dem Schloss gespendet hat. Das Ding von prächtiger Scheußlichkeit soll 18 Millionen Euro kosten. In Worten: achtzehn Millionen! In dieser Summe sind nicht die Mittel für die Laterne enthalten, die der Kuppel aufgesetzt werden soll, noch einmal sechs Millionen Euro. Haben wir in dieser Stadt wirklich keine anderen Sorgen? Die Alternative zur Spendenverwendung wäre allerdings kaum zu ertragen: „eine schmucklose Haube“ würde dem Schloss aufgesetzt, laut „Tagesspiegel“ eine „grausame Vorstellung für geschichtsbewusste Berliner“. [Sollte dieser Halbsatz vielleicht ironisch gemeint sein???]

Zwei Anmerkungen noch zum Gespensterschloss: Erstens war das Schloss nun wahrlich kein großer architektonischer Wurf, sondern ein ziemlich einfallsloser Pracht- und Protzbau, dem jegliche Eleganz fehlte. Zweitens ist der Vergleich mit der Dresdner Frauenkirche völlig fehl am Platz. Sie war und ist ein bauliches Juwel, ihr Wiederaufbau identitätsstiftend. Wer wollte behaupten, dass das Berliner Wir-Gefühl wächst, sobald das Ungetüm von Stadtschloss fertig gestellt ist?

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