Tagebuch: der Aufschrei

23 04 2013

Dienstag, 23. April 2013

Seit über zwei Jahrzehnten betreue ich das Griechenland-Special der Fachzeitschrift touristik aktuell. Es erscheint einmal im Jahr, diesmal am 22. April, also gestern. Betreuen – das heißt: aktuelle Strömungen erfassen, Themen aussuchen, Meldungen auswerten und schreiben, Bilder besorgen, verschiedene Aufmacher – also Hauptartikel einer Seite – schreiben, andere Aufmacher [mindestens einen] „einkaufen“ von einem oder einer freien Journalisten/Journalistin. Basis für den Schwerpunkt ist immer eine Veranstalterumfrage, bei der Spezialanbieter und Großveranstalter mit einem umfangreichen Fragenkatalog konfrontiert werden. Zusammengebaut werden die Schwerpunkt-Seiten – diesmal waren es vier – von einer Kollegin oder einem Kollegen bei touristik aktuell. Das ist noch einmal ein gesonderter kreativer Vorgang.

1Einer meiner Artikel war/ist Kreta gewidmet, der Insel, über die ich vier Reiseführer [zwei davon gemeinsam mit Sabine Neumann] geschrieben und einen kleinen NDR-Film gedreht habe. Hier der Text:

Ein Aufschrei ging durch die Branche, als das Münchener Institut für Planungskybernetik (IPK) sein Untersuchungsergebnis zur griechischen Insel Kreta vorstellte. Kreta, das hatte eine repräsentative Urlauberbefragung ergeben, würde künftig von der Kultur- zur Badedestination mutieren. Das war vor über 30 Jahren; die Untersuchung hatte die Stiftung Warentest für einen Kreta-Report in ihrer Verbraucherzeitschrift „test“ in Auftrag gegeben. Nie und nimmer, so war das einhellige Stimmungsbild der Branche, würden auf der Hauptinsel der minoischen Kultur die Badegäste den Ton angeben.

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Das Gegenteil ist eingetroffen. Seit Jahrzehnten führt Kreta die Topliste griechischer Reiseziele der großen Veranstalter an. Ob Thomas Cook/Neckermann Reisen oder FTI, TUI, Attika Reisen oder die Rewe-Gruppe: Kreta liegt als Volumenziel auf Platz eins. Lediglich bei Dertour und Alltours gehört die größte griechische Insel nicht zur Spitzengruppe.  Bei Alltours kann sich das schnell ändern: Der stärkste Ausbau im Griechenland-Programm des Veranstalters, der als erster ein Hellas-Comeback für diesen Sommer prophezeite, mit 16 neuen von insgesamt 61 Hotels betrifft Kreta.

2FTI hat auf Kreta – wie auf Korfu und Kos – die Zusammenarbeit mit der renommierten Hotelgruppe Aquis Hotels weiter ausgebaut. Als „Highlight auf Kreta“ bezeichnet Katja Kalle von FTI das Kiani Beach Resort, das über einen der 25 neuen Manolito Clubs mit angeschlossener Schwimmschule verfügt und exklusiv bei FTI buchbar ist. Die kenianische Giraffe Manolito ist das Maskottchen der Clubs mit einem Betreuungsangebot für Kinder zwischen drei und zwölf Jahren.

Mit dem Sentido Mikri Poli Crete, einem von fünf neuen Anlagen der Thomas Cook-eigenen Hotelmarke Sentido in Griechenland, wurde für Sommer 2013 laut der Senior Produktmanagerin Griechenland Daniela Koehler „ein ideales Familienhotel exklusiv für die Marken Neckermann Reisen und Thomas Cook ins Programm aufgenommen.“ Zum 40-jährigen Jubiläum siedelt sich Aldiana wieder mit einem neuen Club auf Kreta an. Er liegt relativ einsam in der Nähe des Fischerdorfes Mochlos an einer kleinen Bucht. Die 170 Hotelzimmer, Bungalows und Familienzimmer sowie alle öffentlichen Bereiche wurden für vier Millionen Euro modernisiert und renoviert. Was Aldiana nicht kommuniziert: Es ist just dieselbe Anlage, die Aldiana hier schon einmal von 1984 bis 1992 betrieben hat.

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Auch wenn Kreta ein typisches Massenziel geworden ist: Nur zum Baden ist die Insel zu schade. Dafür gibt es viel zu viele Attraktionen, mit denen die Reiseveranstalter ein gutes Ausflugsgeschäft machen. In der Vor- und Nachsaison sind zudem Heerscharen von Mietwagen zu diesen Sehenswürdigkeiten unterwegs: zu den Höhlen von Matala, dem Palmenstrand von Vai, den Weißen Bergen mit der berühmten Samaria-Schlucht und den Minoischen Palästen, allen voran der Palast von Knossos mit seiner umstrittenen Rekonstruktion.

Die nach diesem Palast zweitgrößte Sehenswürdigkeit aus minoischer Zeit – etwa 3300 bis 1.100 v. Chr. – ist seit sieben Jahren geschlossen: das weltberühmte Archäologische Museum. In einem provisorischen Gebäude hinter dem Museum werden wichtige Exponate gezeigts, das alte Museum hinkte museumsdikatisch und unter konservatorischen sowie Sicherheitsaspekten Jahrzehnte hinter dem hinterher, was man heute unter einem modernen Museum versteht. Zwei renovierte Säle sind letztes Jahr eröffnet worden, der Rest soll im Sommer dieses Jahres für die Öffentlichkeit freigegeben werden – wenn nicht die Wirtschaftskrise diesem Plan einen Strich durch die Rechnung macht.

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