Tagebuch: …alles Quatsch

5 06 2013

Donnerstag, 6. Juni 2013

1Als Heinz Berggruen noch lebte – er starb 92-jährig vor fünf Jahren -, konnten ihm Besucher des Museums in Berlin-Charlottenburg, das seinen Namen trägt, mit ein wenig Glück begegnen. Denn er hatte im oberen Stock des Museums eine Wohnung, die er ab und zu verließ, um seinen geliebten Bildern ‚guten Tag‘ zu sagen. Und dann stand er auch Besuchern Rede und Antwort und erzählte aus seinem langen, interessanten, wilden Leben.

Heinz Berggruen wuchs in Berlin-Wilmersdorf als Sohn eines Schreibwarenhändlers auf. Er studierte in Berlin Kunstgeschichte und Literatur. Als Jude emigrierte er 1936 in die USA. Dort war er als stellvertretender Leiter des San Franzisco Museum of Modern Art tätig und arbeitete für den mexikanischen Maler Diego Rivera, den Ehemann von Frieda Kahlo.

Sein erstes Kunstwerk, ein Aquarell von Paul Klee, kaufte er 1940. Als Sergeant der US-Armee kehrte Berggruen nach dem Krieg nach Deutschland zurück. 1947 begann in Paris seine traumhafte Karriere als Sammler von Werken der klassischen Moderne und Kunsthändler.

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Er besaß am Anfang kein Geld – aber ein hochentwickeltes Gespür für Qualität. Und er setzte von Anfang an auf einige wenige Künstler – Picasso, Klee, Matisse, Braque, Giacometti. Für Picassos Druckgrafik erhielt er die Exklusivrechte. Als er 1996 seine Sammlung Berlin leihweise zur Verfügung stellte, umfasste sie 100 Werke von Pablo Picasso, 60 von Paul Klee und 20 von Henri Matisse – die größte Sammlung dieses Malers in Deutschland. Für die riesige Sammlung wurde eigens einer der beiden klassizistischen Bauten umgestaltet, die Friedrich August Schüler in den 50-er Jahren des 19. Jahrhunderts im Auftrag von Friedrich Wilhelm IV. gegenüber dem Charlottenburger Schloss errichtete. 2000 verkaufte Berggruen sie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz für 253 Millionen Mark aus Mitteln des Landes Berlin und der Bundesrepublik. Damaliger Schätzwert: 1,5 Milliarden Mark.3

Vor kurzem ist das erweiterte Museum Berggruen wieder-eröffnet worden. Jetzt ist das am Spandauer Damm liegende benachbarte Kommandantenhaus einbezogen. Ein Gang aus Stahl und Glas – ein wenig gewagt Pergola genannt – verbindet beide Gebäude. Im alten Museumsteil hängen jetzt, lockerer als vorher, ausschließlich Picassos, im neuen hängt der große Rest.

Was ist nicht alles Dämliches über das erweiterte Museum geschrieben worden, auch in der Zeit und in der Süddeutschen. Das Intime sei verschwunden, der Verlust der Atmosphäre zeige sich vor allem im neuen Teil, die Pergola ließe die Stimmung auf den Tiefpunkt sinken. Außerdem seien die neuen Räume zu klein und die Decken zu niedrig. Die „Zeit“: Man fühlt sich wie in den Eingeweiden eines Kauf- oder Krankenhauses… Alles Quatsch. Das Museum hat gewonnen, nicht verloren.

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