Tagebuch: Oles Geschichte

26 07 2013

Freitag, 26. Juli 2013

Dies ist die – geraffte – Geschichte von Ole Bull. Ole wer? Ole Bornemann Bull. Ich wusste auch nicht, wer das ist, bevor ich kürzlich an der Programmvorstellung von DER Touristik Frankfurt [Dertour, Meier’s Weltreisen, ADAC Reisen] in Norwegen teilnahm. Ole7Das interessante Rahmenprogramm führte uns zu Ole Bull. Also nicht direkt zu ihm, Ole Bull ist ja längst tot. Aber auf die kleine Insel Lysøen bei Bergen, wo er sich 1873 eine hölzerne Märchenvilla baute. Skandinavische, arabische, schweizer Stile mischen sich hier, den Turm krönt eine russische Zwiebelkuppel. Im Inneren: italienische Kamine, deutsche Glasmalereien, norwegische Holzschnitzereien.

Den Mittelpunkt des skurrilen Gebäudes bildet ein großer [Konzert-]Saal im atemberaubenden, aber geschmackvollen Stilmischmasch. Nichts ist in dem Haus verändert worden, nachdem Ole Bull hier 1880 an Krebs starb. Es ist, als habe er gerade erst das Haus verlassen. Im Sommer ist es für Besucher geöffnet, die Führungen haben überraschend hohes Niveau.

Ole5

Ole Bull ist so etwas wie ein norwegischer Nationalheld. Aber seine Geschichte muss einen Anfang haben. Seine Geburt. Die war am 5. Februar 1810 in Bergen. Die musikalische Begabung wurde ihm, wie es immer so schön heißt, in die Wiege gelegt. Schon mit neun Jahren wirkte der kleine Ole als Violinsolist in der Bergener Orchester-Vereinigung Harmonien. Seine Eltern wollten, dass er Theologe wurde, aber er bestand die Aufnahmeprüfung zum Studium nicht, gewiss kein Zufall.

Flugs gründete Ole ein Theaterorchester, und dann ging’s mit seiner Karriere bergauf. 1836 und 37, also in ganz jungen Jahren, gab Ole Bull fast 300 Konzerte in Irland und England. Ole6Mit 25 begeisterte er seine Zuhörer bei einem Solokonzert mit dem großen Orchester der Pariser Oper. 1840 spielte er gemeinsam mit Franz Liszt, zehn Jahre später gründete er das Norske Theater in Bergen.

Fünf Tourneen führten Ole Bull quer durch die USA. Er spielt auch eigene Kompositionen. Ole Bull soll mehr als 70 Werke komponiert haben, nur zehn davon sind heute bekannt. Aus Amerika brachte der Geiger und Komponist seine zweite, sehr junge Frau namens Sara Thorp [Foto rechts] mit auf seine kleine Insel.

Wie die folgende Begebenheit ins Bild passt, weiß ich selbst noch nicht. In Pennsylvania kaufte Bull 1852 ein 49.000 Hektar – 490 Quadratkilometer – großes Grundstück, auf dem er eine Kolonie gründete, um armen Bauern aus Norwegen eine neue Existenz zu bieten. Er etablierte vier Gemeinden mit den Namen “New Bergen“, „Oleana“, „New Norway“ und „Valhalla“ und begann so etwas wie eine hölzerne Burg zu bauen, die er „Nordjenskald” nannte, aber nie vollendete. Das Projekt scheiterte, weil die Siedler Probleme mit der Rodung der waldreichen Grundstücke hatten und auch der Boden nicht fruchtbar genug war. Die Norweger zogen weiter Richtung Westen.

Ole10Ole8Dieser wundersamen Geschichte lauschten wir in der Halle von Ole Bulls Haus. Sie wurde von einer jungen Norwegerin erzählt, die ein schönes, fast poetisches Englisch sprach.

Kaum war die Geschichte zuende, erklang hinter uns Engelsmusik. Ein großer, schwarzgekleideter Geiger kam langsamen Schrittes in die Halle und spielte auf Bulls alter, kostbarer Guarneri ein Werk von Ole Bull. Ich weiß nicht welches, aber die Auswahl ist ja nicht groß.

DSC_3166(1)

Ole Bull und seine junge Frau. Spass: Anika Nziki von der DER Touristik-Pressestelle und ich machen einen Scherz…

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