Tagebuch: Blickwechsel

17 08 2013

Samstag, 17. August 2013

GG4

In eine neue Runde ist der Streit um das Kulturforum gegangen. Oder um es positiver auszudrücken: Bewegung ist in die Diskussion geraten. Die Diskussion: soll neben der – architektonisch wundervollen – Neuen Nationalgalerie ein Neubau die Kunst des 20. Jahrhunderts aufnehmen und die – ebenfalls wundervolle – Gemäldegalerie An Ort und Stelle bleiben? Oder soll die Gemäldegalerie zur Museumsinsel umziehen und dann das Gebäude im Kulturforum die Kunst des 29. Jahrhunderts aufnehmen [für die das Gebäude gar nicht konzipiert ist]?

In diesem Zusammenhang wurde wieder in deutschen Feuilletons kräftig auf das Kulturforum eingedroschen. Von Ödnis und Brachfläche war da die Rede. Und die vielleicht wirklich nicht optimale Gestaltung des Platzes wird dafür verantwortlich gemacht, dass die Gemäldegalerie nicht so viele Besucher hat, wie sie verdient. Das Museum hat Weltrang, und die Architektur des Gebäudes ist dem angemessen.

Ich glaube, dass auch die Öffentlichkeitsarbeit der Staatlichen Museen an der Misere Schuld ist. Wann gibt es schon mal Pressemeldungen, PR-Aktionen und anderes, um die Berliner Gemäldegalerie in das Licht zu rücken, das sie verdient. Überhaupt – das mit dem Insrechtelichtrücken ist nicht so das Ding der PR-Leute der Staatlichen Museen. Ich bin mal gespannt, was sich die Leute [nicht] einfallen lassen, wenn die Neue Nationalgalerie 2015 für drei Jahre geschlossen wird, weil sie saniert werden muss.

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Ich kenne mich in der Münchener Museumsszene gut aus. Mindestens einmal im Monat bin ich in München, und jedes Mal besuche ich ein, zwei, drei Museen. Wie perfekt die Münchner ihre Museen verkaufen! Und was sie sich einfallen lassen, um Besucher in ihre Museen zu locken. Beispiel Pinakothek der Moderne. Der erst zehn Jahre alte Bau, der vier unabhängige Museen aufnimmt, muss bereits saniert werden. Die Arbeiten dauern sieben Monate und sind im September abgeschlossen. Was sind schon sieben Monate! Dennoch haben sich die Münchner etwas einfallen lassen.

DSCN0458Sie bauten in der Nähe eine 18 Meter hohe temporäre „Schaustelle“ aus Container- und Gerüstelementen entstehen. Im Innern der 40 Meter langen und 15 Meter breiten Konstruktion aus wiederverwertbaren Elementen befindet sich ein geschlossener White Cube mit einer bespielbaren Fläche von 300 bis 400 Quadratmetern. Darüber recken sich mehrere offene Etagen aus Gerüstelementen in den Münchner Himmel, gekrönt von einer Aussichtsterrasse.

Natürlich kann die offene Schaustelle keine Gemälde aufnehmen. Also schufen die Münchner flugs eine – temporäre – Ausstellung: Blickwechsel. Gemälde aus der Pinakothek der Moderne begegnen Gemälden der Neuen Pinakothek.

DSCN0462Die weltbekannten Münchner Meisterwerke der Klassischen Moderne von Beckmann bis Picasso treffen bei diesem Gastspiel auf die Wegbereiter und Pioniere der Moderne.

Fragen drängen sich auf und werden beantwortet: Wie traditionell ist die Moderne? Und wie revolutionär ist die Kunst des 19. Jahrhunderts? Die Begegnung zwingt zum Blickwechsel…

Und dass sich die Besucher gleich das ganze Museum ansehen, ist ein gewünschter Nebeneffekt. Ganz schön clever sind sie, die Münchener.

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