Tagebuch: Nerger & Kieker

28 08 2013

Mittwoch, 28. August 2013

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Sein Ruf war schon legendär, bevor er nach Berlin kam: Hanns Peter Nerger, Deutschland-Touristiker aus Leidenschaft, hatte schon als Vertreter der Deutschen Zentrale für Tourismus [DZT] in Skandinavien gewirkt, ehe er nach Lübeck ging und den Tourismus von Lübeck und Travemünde gehörig aufmischte.

Als er vor 2O Jahren nach Berlin berufen wurde, fuhren Sabine Neumann und ich nach Lübeck, um nicht nur ihn zu interviewen, sondern auch Hoteliers und Restaurantchefs. Die Grundstimmung war – Traurigkeit. Sie wussten, dass sie diesen Mann ziehen lassen mussten, aber gerne gab ihn wohl niemand an die Hauptstadt ab. Dort, in Berlin, wurde Nerger erster Geschäftsführer der neu gegründeten Berlin Tourismus Marketing GmbH [BTM].

DSCN0777Mit fünf Mitarbeitern – von denen einer kurze Zeit später tragisch am Schreibtisch starb – begann Nerger seine Arbeit. Heute hat visitBerlin, wie die BTM jetzt heißt, 180 Mitarbeiter. In Worten: einhundertachtzig. Mit drei Millionen Gästen im Jahr 1993 und schätzungsweise über elf Millionen Gästen bis Ende 2013 haben sich die Besucherzahlen seitdem fast vervierfacht. Die Übernachtungen stiegen von sieben Millionen im Jahr 1993 auf geschätzt 26 Millionen bis Ende des Jahres. 1993 gab es in Berlin 40 000 Hotelbetten, jetzt sind es 90 000. Berlin hat sich unter den Top 3 der beliebtesten Städtereiseziele in Europa etabliert.

Von Nerger soll der Satz stammen, als ihm Berliner Hoteliers dumm kamen: „Meine Herren, ich muss nicht arbeiten.“ Mit Sicherheit musste er das nicht aus wirtschaftlicher Not: Nergers Vater war Bruno H. Schubert, Ehrenbürger von Frankfurt am Main und Unternehmer, dem das Weltunternehmen Henniger-Brauerei gehörte.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnd als Nerger von Journalisten auf den Dreck in Berlin angesprochen wurde, konterte er: „Ich bin nicht bei der Müllabfuhr.“ War das arrogant? Arroganz wurde Nerger oft nachgesagt, wohl zu unrecht. Aber er war im wahrsten Sinne des Wortes ein feiner Kerl.

Der Tagesspiegel schrieb zu seiner Verabschiedung im November 2008: Schon mit seiner stattlichen Statur war Nerger eine Autorität, ohne autoritär zu sein – der Mann mit dem Einstecktuch im dunklen Zweireiher ist nicht das ruppige Berlin, sondern eher das, was die Leute hierherzieht: die Metropole der Theater und Museen, der Kultur und Bildung und der Kreativität.

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Stabwechsel: Nerger [rechts], Kieker

Nerger übernahm die Geschäftsführung in der Stiftung seines Vaters, der gemeinnützigen Bruno H. Schubert-Stiftung. Deren Zweck ist es, „der Förderung der Wissenschaften und deren praktischer Umsetzung in Erkenntnis und Abwehr von Bedrohungen für Natur, Tier und Umwelt zu dienen.“ Alle zwei Jahre vergibt sie den Bruno H. Schubert-Preis, mit dem „wissenschaftliche Leistungen und deren praktische Umsetzung auf dem Gebiet des Natur- und Umweltschutzes ausgezeichnet“ werden.

Leider ist Hanns Peter Nerger durch einen Streit nach dem Tod seines Vaters mit dessen Witwe in unrühmliche Schlagzeilen geraten. Doch das gehört hier nicht zum Thema.

Kurz bevor Burkhard Kieker sein Nachfolger wurde, hatte ich das Vergnügen, Kieker auf einer China-Reise zu begleiten. Der frühere Journalist war da noch Marketingchef der Berliner Flughafengesellschaft. Wir haben viel miteinander geredet, und Kieker hat viel über die Stationen seines durchaus bewegten Lebens erzählt. Seitdem ist er mir – ich habe das hier schon mehrfach „zugegeben“ – ans Herz gewachsen.

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Kieker und seine Mann- und Frauschaft sind auf Erfolgskurs. In jeder einzelnen Minute kommen 20 Gäste in die Stadt. Für dieses Jahr ist ein neuer Besucherrekord zu erwarten. Das lassen die aktuellen Zahlen der Halbjahresbilanz erwarten. „visitBerlin gilt weltweit als eine der erfolgreichsten Marketingorganisationen, die für eine Stadt wirbt“, sagt Michael Zehden, Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft, „für unser erfolgreiches Unternehmensmodell einer Public Private Partnership interessieren sich zunehmend auch die Kollegen anderer Städte.“

TA Hainan Airlines 026Kein Wunder: visitBerlin ist es gelungen, sämtliche Partner aus dem Bereich Hotellerie, Messe, Flughafen und Politik sowie alle relevanten Kultur-, Finanz- und Wirtschaftsinstitutionen zu vereinen, um gemeinsam für Berlin zu agieren. Die Mitarbeiter sind auf allen Kontinenten in 39 Ländern aktiv, um für Berlin als Tourismus- und Kongressmetropole zu werben. Auf über 300 Events weltweit präsentierte visitBerlin 2012 die deutsche Hauptstadt. Über 1.200 internationale Journalisten werden jährlich auf ihren Recherchereisen in Berlin betreut. Das Portal visitBerlin.de informiert Besucher in mittlerweile 13 Sprachen. In der Stadt betreibt visitBerlin fünf Tourist Infos, in denen 2012 über eine Million Gäste gezählt wurden.

Zum Jubiläum noch ein Blick zurück: Die Verhüllung des Reichstags durch das Künstlerehepaar Christo war das erste touristische Großereignis, das von der BTM begleitet und aktiv beworben wurde. Rund fünf Millionen Gäste zog der verhüllte Reichstag 1995 in die Hauptstadt. 1,2 Millionen Besucher sahen 2004 die Ausstellung „Das MoMA in Berlin“ und nahmen dafür Wartezeiten von bis zu neun Stunden in Kauf. 2006 gingen die Bilder der Fanmeile zur FIFA Fußballweltmeisterschaft um die Welt und zeigten Berlin als gastfreundliche und weltoffene Metropole. Zwei Millionen Besucher kamen 2009 nach Berlin, um den 20. Jahrestag des Mauerfalls zu feiern.

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