Tagebuch: Jammer nicht!

29 09 2013

Sonntag, 29. September 2013

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khkjhkjuzkWährend ich das hier schreibe, läuft Musik von Mozart. Was für ein Gegensatz zu dem Lärm, der mir von der Marathon-Strecke noch im Ohr klingt: Krach von Trommeln und Trillerpfeifen, Anfeuerungsrufen und Applaus. Ich liebe die Stimmung, die entlang der 42 Kilometer herrscht und so manchen Läufer erst dazu bringt durchzuhalten. Neben mir standen – mir fremde – Mutter und Tochter mit Schildern, bestimmt für den Ehemann und Papa, der mitlief: „Jammer nicht! Glaub an dich!“  war da zu lesen. und: „Nicht schnaufen. Laufen. Lächeln, lächeln, lächeln!“

Als ich kurz nach zehn die paar Schritte von meiner Wohnung zum Südwestkorso ging – Kilometer 27 – kam schon die Spitzengruppe. Es waren lauter Afrikaner, darunter Wilson Kipsang, der schließlich Weltrekord lief. Auch die vier Plätze nach ihm nahmen Landsleute ein.

11111Und dann kam längere Zeit – niemand. Dann „tröpfelte es“. Einer der Läufer, ebenfalls ein Afrikaner, musste aufgeben, weil er nicht mehr laufen konnte. Es sah nach einem Muskelfaserriss aus. Der arme Mann musste eine Viertelstunde warten, ehe eine Frau kam, die etwas mit der Organisation des Laufs zu tun hatte; vorher waren Streckenautos und Motorradfahrer vorbeigerauscht, ohne auf das heftige Winken von Passanten zu achten, die für den Läufer Hilfe herbeiholen wollten. Es dauerte dann noch einmal 20 Minuten, ehe Hilfe in Form von zwei Johannitern auf dem Motorrad kam.

fdfErst dann bekam der Läufer die Folie, die ihm vor dem Unterkühlen bewahren sollte, erst dann wurde er ins Krankenhaus geschafft. Hätte er einen Herzinfarkt gehabt, wäre er auf der Straße gestorben – ohne Hilfe. So etwas darf man offensichtlich nicht irgendwo an der Strecke bekommen, sondern an ganz belebten, prominenten Plätzen, am Wilden Eber, am Wittenbergplatz, unterm Brandenburger Tor. So geht es nicht. Was ist das für eine Organisation…

Gut, dem Skater, der am Vortrag beim Skaterlauf einen Herzinfarkt erlitt, war einfach nicht mehr zu helfen: Der 71-jährige war tot. Den Skaterlauf habe ich mir gestern auch angesehen. Ich finde es immer beeindruckend, wie sich eine vielköpfige und vielbeinige Schlange mit rasanter Geschwindigkeit durch die Stadt bewegt.

aaaaa

Beim Lauf-Marathon trat so mancher mit Verkleidung an: als Mickymaus, Wikinger oder paarweise als Asterix und Obelix. Und einige Väter schoben einen Jogging-Kinderwagen vor sich her.

zzz

Andere telefonierten beim Laufen. „Bringen die nächstes Jahr ihren Laptop mit auf die Strecke?“ fragte entgeistert ein Reporter des rbb.

Angesichts des Attentats auf den Bostoner Marathon haben die Organisatoren zum 40. Berlin-Marathon im Start- und Zielbereich die Sicherheitsvorkehrungen verschärft: Absperrungen, Personenkontrollen. An Kilometer 27 war davon natürlich nichts zu merken.

Apropos Sicherheit: Ich erinnere mich noch genau an den Marathonlauf 2000, als der damalige Außenminister Joschka Fischer mitlief. Seine Bodyguards mussten sich ablösen, weil natürlich niemand 42 Kilometer lang fit und wachsam sein kann. Mit meinen Jungs stand ich am Streckenrand, und wir schrien aus Leibeskräften: „Joschka! Joschka! Joschka!“ Der brauchte 3:54:29 für die Strecke und kam als 8919. Läufer ins Ziel.

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