Tagebuch: so ein Schwachsinn!

15 11 2013

Freitag, 15. November 2013

Was macht ein Outlet-Center, das geschlossen ist, so interessant? Nichts, aber auch gar nichts. So hat es manchen Teilnehmer der Jahrestagung des Deutschen ReiseVerbandes [DRV] in Salzburg verwundert, dass der erste Abend der gut besuchten Tagung [700 Teilnehmer, Frauen und Freundinnen eingerechnet] ins McArthurGleb DesignerOutlet-Center Salzburg führte. Schwamm drüber. Für mich trotz aller Bemühungen der Organisatoren [Musik, Modenschau. Noch mehr Musik] eine vertane Chance, Salzburg und seine Schätze den Gästen näher zu bringen. Was hat das mit dem Generalthema der Tagung zu tun: Nachhaltigkeit?

Heiß diskutierten Journalisten und Pressesprecher an dem Abend in einer schallberuhigten Ecke ein Thema, das ein gut gelaunter, lockerer DRV-Präsident am Morgen in der Eröffnungspressekonferenz und seiner Grundsatzrede auf dem Kongress angeschnitten hatte. O-Ton aus einer Pressemitteilung der fleißigen DRV-Pressestelle:

„Trotz mehrfacher offensiver und öffentlicher Darstellung der drohenden Gefahr für viele mittelständische Betriebe und zehntausende von Arbeitsplätzen weicht die deutsche Finanzverwaltung bisher nicht von ihrer Haltung ab: Der Einkauf von Hotelübernachtungen deutscher Veranstalter soll mit Gewerbesteuer belastet werden – und zwar rückwirkend ab dem Jahr 2008!“ Dazu DRV-Präsident Jürgen Büchy: „Der Fiskus riskiert damit sehenden Auges die Existenz von vielen mittelständischen Betrieben – und somit Steuereinnahmen – und stellt die von über 30 Millionen deutschen Urlaubern jährlich gebuchte Veranstalterreise in Frage.“ Das heiße Thema ist auch von der Tourismusindustrie in die aktuell laufenden Koalitionsverhandlungen für die Regierungsbildung eingebracht worden.

Zehntausende Arbeitsplätze gefährdet

„Die Existenz gerade von mittelständischen Reiseveranstaltern und damit zehntausender Arbeitsplätze steht auf dem Spiel“, verdeutlicht Jürgen Büchy die Tragweite dieser neuen Auslegung des Gewerbesteuergesetzes durch die deutschen Finanzämter. Die Finanzverwaltung ist der Auffassung, dass auf Zahlungen von Reiseveranstaltern für den Einkauf der Unterbringungsleistung [Hotelübernachtungen] Gewerbesteuer entrichtet werden müsse. Durch eine Änderung des Gewerbesteuergesetzes im Jahr 2008 fällt u.a. auch unbewegliches Anlagevermögen unter die gewerbesteuerrechtliche Hinzurechnung. Dies betrifft inländische Betriebsgebäude, die gemietet, gepachtet oder geleast werden.
Die Gesetzesänderung wird von der Finanzverwaltung aber ergänzend so ausgelegt, dass auch die Zahlungen für die Hotelkontingente, die Reiseveranstalter bei Hoteliers weltweit einkaufen, um sie mit anderen Leistungen an ihre Kunden als Pauschalreisen zu verkaufen, bei der Berechnung ihrer Gewerbesteuerzahlung hinzugerechnet werden müssen. Betroffen ist auch das Event- und Paketreisegeschäft – also Großhändler, die aus touristischen Leistungen und Einzelbausteinen für Bus- und Gruppenreiseunternehmen Reise-Arrangements bündeln. Bei all diesen Unternehmen geht der Fiskus davon aus, dass der Hoteleinkauf [= Wareneinsatz, also Umlaufvermögen] als „fiktives Anlagevermögen“ im Inland zu qualifizieren sei.

„Position inakzeptabel“

Alles klar? „Diese Position ist aus steuerrechtlicher und wettbewerbspolitischer Sicht inakzeptabel“, protestiert DRV-Präsident Büchy. Nach seiner Auffassung bestehen verfassungsrechtliche Zweifel einer drohenden Übermaßbesteuerung von teils mehr als 100 Prozent. Den meist mittelständischen Unternehmen drohen millionenschwere Nachzahlungen pro Jahr, denn die Regelungen sollen rückwirkend bis 2008 gelten. Eine zusätzliche Wettbewerbsbenachteiligung der deutschen Reiseveranstalter entsteht nach Ansicht des DRV zudem dadurch, dass nationale Reisemittler – wie große Onlineportale – von dieser Regelung nicht betroffen sind.

Advertisements

Aktionen

Information

One response

25 11 2013
Gerd Kramer

Lieber Herr Schwartz, beim Lesen Ihre Berichte über die DRV-Tagungen stieß ich auch auf das, was Sie 2011 so nett über mich geschrieben haben. Vielen Dank dafür. Ja, man wird sehr schnell vergessen. Schon 2002 stieß das Buch über meine Berufserfahrungen „Schleswig -Holstein – Meer und mehr“ kaum noch auf Interesse.
Herzliche Grüße
Gerd Kramer

Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: