Tagebuch: unerhört!

17 11 2013

Sonntag, 17. November 2013

[Da wir immer noch nicht auf den Grund des technischen Versagens gekommen sind, das uns am Posten von Fotos hindert, finden Sie/findet Ihr Bilder zum Thema unter https://www.facebook.com/horst.schwartz.71 .]

Im ICE von München nach Berlin. Salzburg und die Jahrestagung des Deutschen ReiseVerbandes liegen hinter mir. Ich überlege: Daumen rauf oder Daumen runter? Wie immer habe ich ein Bündel von Plus- und Minuserfahrungen im Gepäck.

Minus, dickes Minus: Mit Salzburg hatte die Tagung nichts, aber auch nichts zu tun. Das Programm mied die traumhaft schöne Altstadt wie ein Pestgebiet. Der Eröffnung fand in einen OutletCenter statt, dessen Läden geschlossen [!] waren. Wie man’s besser machen kann, haben Budapest und der DRV bewiesen, als die Tagung einmal in der ungarischen Hauptstadt stattfand: Da wurde in einer historischen Markthalle gefeiert, deren Buden und Läden geöffnet hatten.

Workshop ohne work

Nochmal Daumen runter: Was haben sich die Verantwortlichen beim „Zielgebietsworkshop“ zum Thema „Stille Nacht, Heilige Nacht“ gedacht? Da wurden mehrere Hundert Tagungsteilnehmer nebst Anhang nach Oberndorf gekarrt, standen sich stundenlang die Beine in den Bauch und erfuhren über den heutigen touristischen Wert des berühmtesten Weihnachtsliedes der Welt nichts, aber auch gar nichts. Wie viele Besucher zieht die Stille Nacht-Kapelle an? Was sagen amerikanische Touristen dazu? Gibt es Packages zum Thema für japanische Touristen. Wie steht es um Ausflüge deutscher Busunternehmer? Können sie fix und fertige Pakete buchen – und was ist darin enthalten? Gibt es in Oberndorf irgendetwas Authentisches, das an die Schöpfer des Weihnachtsliedes erinnert? Das nenne ich einen Workshop für Touristiker. Selbst Otto Schneider, der frühere DRV-Präsident und wahrscheinlich älteste Tagungs-Teilnehmer [mit blühend-blendendem Aussehen] schimpfte unisono mit den anderen Ausflüglern über diese amateurhafte Veranstaltung.

Rührend, gewiss, eine Art Krippenspiel zur Entstehung des Weihnachtsliedes mit kleinen, süßen und frechen Mädchen gab es, die furchtbar falsch sangen und mir beim Fotografieren die Zunge rausstreckten. Aber warum hat die Erzählerin schleppend mit einer Stimme gesprochen, als stünden wir alle rund um ein offenes Grab? Fazit: Der „Zielgebietsworkshop“ war gar keiner sondern ein banaler, dazu noch mieser Ausflug.

Gala in der Abflughalle

Da ich nicht als Mecker-Blogger abgestempelt werden will, schweige ich zur Abendveranstaltung, die zur Burg in Burghausen führte, zur übrigens längsten Burg der Welt. Nur so viel: Es war kalt, und das Essen war karg. Stehplätze gab’s umsonst, Sitzplätze gar nicht. Ach, und ist aufgefallen, dass Burghausen gar nicht im Salzburger Land und gar nicht in Österreich liegt…?

Uns allen schwante Schreckliches, als zum Abschluss der DRV-Tagung zum Galaabend in die Charter-Abflughalle des Salzburger Flughafens geladen wurden. Der Abend wurde – eine Überraschung! So muss Gala, würde ein großer Elektrohändler jetzt werbetexten. Im Mittelpunkt der gelungenen Gala standen die Salzburger Philharmoniker mit der Dirigentin Lizzy Fuchs am Pult. DER Touristik hatte das Konzert den Tagungsteilnehmer zum Geschenk gemacht.

Zu den Daumen-oben-Punkten zählt auch die Nachwuchsarbeit des DRV. Je 20 Nachwuchs-Touristiker und -touristikerinnen aus Deutschland und Österreich konnten sich bewerben; die Sieger wurden nach Salzburg eingeladen und erhielten nicht nur das gesamte Kongress-Paket, sondern genossen auch ein eigenes Seminarprogramm. Professor Armin Brysch von der Hochschule Kempten betreute die aufgeschlossene, lebhafte Truppe – für beide Seiten war es offensichtlich ein Hochgenuss.

Katz und knackig

Zwei Lichtblicke zogen sich wie zwei Rote Fäden durchs Programm. Das war einmal der auffallend gut gelaunte Präsident Jürgen Büchy, ein paar Kilo leichter und mit jetzt modernem grauen Drei- oderwasweißichwieviel Tage-Bart. Mag der Mann auch einigen Touristikern in der ersten Zeit als zu weich erschienen sein, zu moderat, vielleicht eine Spur zu konfliktscheu: Er hat seinen Tritt gefunden und ist ein Segen für den DRV! Seine Reden sind, wie ich es immer nenne, „laberfrei“ und frei von Selbstbeweihräucherung. So wurde er auch mit 99 Komma noch was wiedergewählt.

Und da war Martin Katz als Moderator. Er wolle seine Ansagen „kurz und knackig“ halten – so wie er selbst sei, versprach er. Und hielt Wort. Es war eine Wonne, dem Vollbluttouristiker [Ex-Pressechef von ITS, Ex-Pressesprecher Personenverkehr der DB, Ex-Geschäftsführer von Ameropa, Ist-Direktor Eigenanreise bei FTI] zuzuhören! Er musste so manchen mittelmäßigen Vortrag und Workshop ansagen, aber auch einige fulminante Reden – allen voran der umjubelte Vortrag von Dr. Auma Obama – Halbschwester des US-Präsidenten, Germanistin und Gründerin der Sauti Kuu-Stiftung [„Starke Stimmung für eine starke Jugend“]. Ihr Thema: Nachhaltigkeit verkommt zum Modethema – das müssen wir überdenken.

Solche Reden brauchen die DRV-Tagungen. Meine Idee: Eine Jahrestagung unter dem Titel „Unerhört!“ durchzuführen und nur Rednerinnen und Redner einzuladen, die etwas wirklich Neues zu sagen haben – neue Untersuchungsergebnisse, neue Impulse, Innovationen…

Apropos neu: Pfundweise habe ich Visitenkarten verteilt und gesammelt. Was habe ich für spannende Leute kennen gelernt! Das ist noch das Aufregendste an der Tagung: Jeder redet mit jedem, in den Kaffeepausen, beim Transfer, im Aufzug und abends an der Bar [oweia]. Von so vielen Geschäftsideen habe ich erfahren, von so vielen Geschichtchen und Geschichten. Die Zeit bis zur nächsten DRV-Tagung reicht nicht, um sie alle auszuwerten. Die findet in Abu Dhabi statt.

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