Tagebuch: Wohin des Weges, Wowi?

14 12 2013

Samstag, 14. Dezember 2013

Eines habe ich mir – und Ihnen und Euch – geschworen, als ich damit anfing, dieses blog-Tagebuch zu schreiben: Politik hat hier nichts zu suchen. Nicht, dass mich Politik nicht interessierte [ganz im Gegenteil!] – aber ich wollte nicht zu den ewig meckernden Bloggern gehören, die jeden Politik-Pubs kommentieren. So habe ich keine Kommentare dazu abgegeben, was ich von der Großen Koalition halte, was ich über Herrn Seehofer, den König von Bayern, denke oder warum ich Herrn Profallas Abgang nicht bedaure [bin ja kein Kabarettist – denen fehlt jetzt wieder ein Objekt ihrer Zuneigung].

Aber heute muss ich eine Ausnahme machen. Das hat mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin zu tun, Herrn Wowereit. Von Freund und Feind wird er ja zärtlich-spöttelnd Wowi genannt. Eigentlich mag ich den Typen, weil er das wandernde Berlin ist. Weltoffen und kleinbürgerlich, überdurchschnittlich intelligent und ein wenig verschlagen, schnoddrig bis zur Beleidigung und nahezu zärtlich allem gegenüber, was ihm gefällt. Ich mag seine Auftritte vor der Presse: Stets bestens vorbereitet und oft besser im Stoff als seine Mitstreiter. Ich mochte nie das einseitige Bild des aus dem Damenschuh trinkenden Feier-Fürsten, sondern liebte das [Vor-]Bild des mutigen Politikers, der sagte: „…und das ist gut so.“ Selbst das Flughafen-Debakel hätte ich ihm beinahe verziehen.

„Der Wowereit“ statt Wowi

Das ist jetzt vorbei. Ich entziehe dem Regierenden meine Sympathie. Aus Wowi wird „der Wowereit“. Und das nicht, weil er – lächerlich genug – gerade wieder zum Aufsichtsrats-Vorsitzenden des Pleite-Flughafens BER gewählt wurde. Sondern weil er als Berliner Kultursenator versagt hat. Gründlich, jämmerlich.

Ja, für alle Nicht-Berliner: Der Wowereit ist in der Tat nicht nur Regierender Bürgermeister und damit Ministerpräsident des Bundeslandes Berlin, sondern auch Kultursenator, also Kultusminister. Die Arbeit auf diesem Feld macht sein Staatssekretär André Schmitz, die [Fehl-]Entscheidungen trifft der Chef persönlich. Der größte aller Missgriffe ist die Entscheidung, der Compagnie von Sasha Waltz kein festes Haus zu verschaffen und keine Deckung der chronischen Finanz-Unterdeckung. Damit lässt der höchste Berliner Kulturpolitiker die unbestritten beste und berühmteste Tanztruppe der Welt ziehen – hinaus ins Ungewisse.

Kein Champagner aus dem Tanzschuh

Tanz, sehr geehrter Herr Wowereit, ist mehr als seliges Walzer-Wiegen in den Armen einer der Schönen der Nacht. Haben Sie je ein Tanz-Stück der Compagnie gesehen? „Körper“ vielleicht? Das ist eine andere ebene des Bewusstseins, nicht nur des Körper-Bewusstseins. Sie und Ihre SPD-Freunde [die ja längst nicht mehr alle zu Ihrer Gefolgschaft zählen] lassen eine Tanz-Meisterin in Stich, die in Berlin und in aller Welt Triumpfe feiert.

Aber vielleicht ist der Waltz-Tanz nicht so ergiebig für den Macht-Erhalt und den Wahl-Gewinn. Otto Normaldingsbums erschließt er sich nicht auf den ersten Blick, und wohl auch nicht jedem SPD-Funktionär. Sich mit Waltz fürs Foto in Position zu stellen, bringt nicht die große Presse. Und Champagner schlürft sich so schlecht aus einem Tanzschuh…

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