Tagebuch: Rückblick, anders

20 12 2013

Freitag, 20. Dezember 2014

Jahresrückblicke hasse ich. Was wird da alles aufgebauscht, was wird alles heruntergespielt… Was Jauch & Co. da servieren, ist nur schwer erträglich. Natürlich ist das Ansichtssache. Früher, bei den Aachener Nachrichten, habe ich selbst ein paarmal einen Jahresrückblick machen dürfen, vielleicht bin ich daher geschädigt.

Wenn ich auf mein eigenes berufliches Jahr zurückblicke, sehe ich – Zeitungssterben. Oder genauer: Zeitschriften-Sterben. Sales Business, eine Fachzeitschrift für Vertriebsleute: eingestellt. GoGlobalBiz, eine Fachzeitschrift für Geschäftsreisende: eingestellt.

Für Sales Business habe ich im Laufe der Jahre so einige Reports geschrieben – über Flugangst beispielsweise oder Jet Lag, über andere Sitten in anderen Ländern oder verlorengegangenes Gepäck. Die Redakteurin, die mir die Aufträge gab und meine Beiträge betreute, kannte ich noch von touristik aktuell: Sie war da mal ein paar Jahre Chefredakteurin. Mitte des Jahres wurde ihre Zeitschrift vom Markt genommen. Finito della musica.

Aus für die Spielwiese

Härter traf mich die Einstellung der Zeitschrift GoGlobalBiz. Drei Jahre lang war sie eine Spielwiese für mich. Reisethemen habe ich dort untergebracht und auch kompliziertere Fachthemen. Einen Systemvergleich Flugzeug-Bahn-Bus beispielsweise, die Themen CarSharing, Mietwagen, Mietbüros. Und das Thema Tagen stand häufig auf meiner Auftragsliste: Tagen in Norwegen, Tagen in Belgrad, Tagen auf See. Elf Folgen schrieb ich zum Thema Tagen im Grünen. Dabei wurden jeweils vier Tagungshotels abseits jeder Großstadthektik vorgestellt – insgesamt immerhin 44 Häuser.

Und da gab es noch das Internet-Portal, für das schnell die eine oder andere Meldung geschrieben war. Die Einstellung von Print- und Online-Fassung traf auch Ralph Langrock, den Chefredakteur, sehr hart. Ihn kenne ich schon seit Urzeiten. Während seines Studiums an der FU hörte er vor einem Vierteljahrhundert, was ich zum Thema „Pressearbeit im Tourismus“ zu sagen hatte. Irgendwann wurde er nach dem Studium Mitarbeiter in meinem Redaktionsbüro. Er arbeitete halbtags, und da er so wenig verdiente, musste er die andere Hälfte Taxi fahren.

Eine Prise Klatsch

Einmal – jetzt kommt wieder eine Prise Klatsch – sollte er mal hundert oder zweihundert Umschläge frankieren. Da das viel Arbeit war, nahm er einen Schwamm, machte die damals noch nicht selbstklebenden Marken nass und klatschte sie auf die Umschläge. Sie lagen auf einem Tisch neben der Heizung – mit dem Erfolg, dass sich alle Marken über Nacht ab- und zu dünnen Papierröllchen aufrollten. Da ich drohte, Ralph zu erwürgen, wenn er mittags zur Arbeit erschiene, ging ihm eine Kollegin entgegen, um ihn vor dieser Furie von Horst zu warnen.

Wir hatten eine schöne Zeit. Das ist das doofe an Jahresrückblicken, dass man am Ende sentimental wird.

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