Tagebuch: Oh je, ADAC!

23 01 2014

Mittwoch, 22. Januar 2014

Fünf- oder sechsmal am Tag startet und landet der ADAC-Hubschrauber am Campus Benjamin Franklin der Charité – dem früheren Klinikum Steglitz – zum Rettungsflug. Ich war jetzt für eine Woche „Gast“ in diesem Krankenhaus – das erklärt auch die lange  blog-Pause – und habe die Flüge immer gehört. Am ersten Tag, da war noch nicht die Image-Katastropge über den ADAC hereingebrochen, habe ich mir Fragen gestellt, die sich viele stellen: Warum hat der ADAC so viele Unternehmen, die NICHTS mit dem Autofahren zu tun haben.

Aber, so dachte ich: Rettungshubschrauber retten ja meist verunglückte Autofahrer. Aber ist das nicht eine Aufgabe des Staates? Ich erinnere mich an eine Sitzung in den Räumen des früheren Senders Freies Berlin [SFB] in den 80-er Jahren, als über den möglichen Einsatz eines solchen Rettungshubschraubers  diskutiert wurde. Lohnt sich nicht, [West-]Berlin ist viel zu klein für so etwas, lautete das Urteil. Auch des ADAC. Musste sich aber offensichtlich doch lohnen, denn ein paar Jahre später begann der ADAC über Berlin zu kreisen.

Hochgeschätzte Tests

Wir Journalisten haben oft über den frühreren Berliner ADAC-Chef gelacht, der sich vor der Wende wie ein Fürst aufführte. Und was für unsinnige Forderungen der Berliner ADAC oft stellte! Aber das war so etwas wie Lokalkolorit…

In meiner Zeit bei der Stiftung Warentest waren die ADAC-Tests hoch geschätzt. Ich bin fest davon überzeugt, dass an ihnen auch heute nicht zu rütteln ist. Ein Test mit Testbeirat und vielen Sicherungen ist etwas anderes als eine Umfrage wie die zum „Gelben Engel“, die ja offensichtlich manipuliert worden ist. Vom Schuldigen, den ADAC-Sprecher und Chefredakteur der an Auflagen stärksten Zeitschrift Europas, der „motorwelt“, habe ich nie etwas gehalten. Der Grund ist einfach: Die Zeitschrift ist noch nicht einmal mittelmäßig, weder in der Themenwahl noch im Text. Eine kleinkarierte Mischung aus Lobbyarbeit und konservativem Weltbild, offensichtlich auch eng angelegt an der Anzteigenkundschaft.

Transparenz gefragt

Ok, der Mann hat alle Schuld auf sich genommen und ist gegangen. Oder geflogen. Wenn ich zu sagen hätte, müssten auch der Präsident und der Geschäftsführer den Hut nehmen, denn sie haben den Laden nicht im Griff. Aber auf mich hört ja keiner. Oder sollten die Verantwortlichen, die Bosse oben und die Abteilungsleiter, von den Machenschaften gewusst haben.

Transparenz ist angesagt. Der ADAC muss einen Teil seiner Macht abgeben. Sich von Firmen trennen, die nichts, aber nun gar nichts mit dem Straßenverkehr zu tun haben. Denn es wäre schade um die „guten“ Seiten des Automobilclubs, wenn dieser in der entbrannten Schlammschlacht insgesamt untergehen würde.

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