Tagebuch: Polens Aufstieg in die Meisterklasse

26 02 2014

Mittwoch, 26. Februar 2014

Polen Warczeniak 1 „Wir sind in eine andere Klasse aufgestiegen“, sagt Jan Wawrzyniak, Chef des Polnischen Fremdenverkehrsamtes in Deutschland. Die EM, so betont er, „hat imagemäßig viel gebracht“. Jan Wawrzyniak ist ein überaus intelligenter, freundlicher und humorvoller Touristiker. Er wird meinem Schlagwort vom „Bauchtouristiker“ gerecht. Nicht dass ich den Bauchtouristikern Hirn abspreche, bewahre! Ich meine damit jene – aussterbende! – Gattung von Touristikern, die nicht stets in ihre Lehrbücher schauen, was sie denn in der Hochschule an Marketingmaßnahmen gelernt haben. Sondern die schnell und effektiv und erfolgreich sozusagen „aus dem Bauch heraus“ entscheiden [ohne das Gelernte auch nur einen Augenblick zu vergessen].

Wawrzyniak meint mit „andere Klasse“ die Meisterklasse. Daran lässt er keinen Zweifel. Dass Polen „jetzt auf breiterer Basis wahrgenommen wird als Reiseziel“, bekommen auch die Polen-Werber in ihrem Deutschlandbüro am Berliner Kurfürstendamm zu spüren: Der Postetat musste um mehr als 70 Prozent erhöht werden, über 20000 Sendungen verlassen pro Jahr das Büro. Da dieses auch für Besucher ausgelegt ist, nutzen 1000 Polen-Interessenten pro Jahr diese direkte Informationsmöglichkeit. „Es kommen immer mehr junge Leute mit dem Rucksack auf dem Rücken“, schmunzelt Wawrzyniak – ihr Weg führt dann direkt vom Ku’damm nach Polen.

Jetzt reisen auch die Jungen

Polens Aufstieg in die Meisterklasse brachte viel jüngeres Reisepublikum mit sich. „Der Heimattourismus macht nur noch fünf Prozent aus“, sagt Wawrzyniak. Die Deutschen machen ein Drittel der Polen-Touristen aus, „mehr als aus der gesamten EU“. 60 Prozent sind Autotouristen, und „bei den Busreisen liegt Polen beim RDA auf Platz drei“. 22 Prozent der deutschen Polen-Besucher buchen eine komplette Pauschalreise, vier Prozent Teile davon. Der große Rest bucht selbständig. Wawrzyniak: „Polen ist für die Deutschen kein fremdes Land mehr.“

Der Polen-Werber, seit sechseinhalb Jahren in Berlin auf dem Chefsessel, genießt den Erfolg, führt ihn aber bescheiden nicht auf seine Arbeit zurück: „Ich habe eine glückliche Zeit hier.“ Das Berliner Büro der Polnischen Organisation für Touristik (POT) ist das einzige in Deutschland. Europaweit unterhält POT elf weitere Büros, dazu je eines in New York und Tokio. Wawrzyniak: „Wir strecken auch unsere Fühler aus nach China und Indien.“

Messen sind für den POT-Chef in Deutschland ein wichtiges Marketinginstrument. „Wir besuchen jedes Jahr die CMT, auch Hamburg ist immer im Programm und natürlich die ITB“, erklärt er, „aber wir wechseln jedes Jahr zwischen Essen und Leipzig.“ Aber künftig will Polen auf diesen Messen weniger Regionen präsentieren als „ganz gezielt touristische Themen“.

Vier Themen sind es besonders, mit denen die polnischen Gastgeber deutsche Gäste ins Land holen wollen: Wellness, Städte- und Kulturreisen, Familienurlaub (Wawrzyniak: „also Strandurlaub“) und „aktive Erholung, also Urlaub auf dem Wasser und Radurlaub“.

 Schmelztiegel Warschau

Beim Städtetourismus ist Warschau führend. Der Schmelztiegel ist auch bei jungen Leuten gefragt, wie in Berlin existiert dort eine lebhafte Alternativszene. Acht Millionen Touristen werden pro Jahr in der Hauptstadt gezählt: „Jeder Pole muss mal da gewesen sein“, schmunzelt der Chef des Polnischen Fremdenverkehrsamtes. Auch Breslau steht hoch im Kurs – und bei deutschen Gästen Danzig, seitdem zur EM dort die deutsche Fußballmannschaft Quartier nahm.

Danzig 1

Danzig – mit dem berühmten Krantor [oben]

und: Touristen im Bernstein-Rausch [unten]

Danzig 4

Das wohl größte touristische Kapital Polens ist aber die Natur: die Masuren, die noch viel ruhigere Westpommersche Seenplatte und viele andere Regionen. „Ich höre immer wieder von den Gästen, was für eine wunderschöne Natur und faszinierende Städte wir haben“, zieht Jan Wawrzyniak Bilanz, „aber was am meisten in Erinnerung bleibt, ist unsere Gastfreundschaft und unsere Leichtigkeit des Lebens.“

Rückblick: Dieser Bericht ist in gekürzter Fassung – und ohne die Fotos – in der Osteuropa-Schwerpunktausgabe von TOURISTIK AKTUELL am 17. Februar erschienen.

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