Tagebuch: Mauer-Schrubber

28 04 2014

Montag, 28. April 2014

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Das bekannteste Bild ist das, auf dem Breschnew und Honecker knutschen. Ein Bruderkuss. Darunter die Zeile: „Mein Gott. Hilf mir, diese tödliche Liebe zu überwinden.“ Gemalt hat das Dimitri Vrubel, ein Russe. Mit ihm standen 1990 117 andere Künstler aus 21 Ländern am Mauer-Teilstück zwischen Ostbahnhof und Warschauer Straße in Berlin-Friedrichsheim. Und sie malten und malten. Dabei entstanden 106 Bilder und die mit 1,3 Kilometer längste Open-Air-Galerie der Welt. Sie ist auch die am längsten gezeigte und die bei weitem berühmteste.

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asdfAber das lange Kunstwerk bröckelte. Witterung, beschränkte Mauerspechte, dreiste Touristen, die sich auf den Malflächen verewigten, setzten ihm zu. Mehrfach wurde das Bild-Band von den Künstlern selbst restauriert. 2009 wurde die längst zum Berliner Wahrzeichen aufgestiegene East Side Gallery zum 20-jährigen Jubiläums Mauerfall komplett saniert. 87 der Künstler haben dabei ihre Werke erneuert.

Die East Side Gallery steht unter Denkmalschutz. Darauf weisen über 100 Schilder hin. Und immer noch gibt es tumbe Touristen, die das Kritzeln nicht lassen können. Ab und zu muss das Geschmiere runter, damit man die Kunstwerke überhaupt noch sehen kann. Die Bilder sind zwar bei einer der aus Lottomitteln finanzierten Sanierungsaktionen mit einer Antigraffitischicht versehen worden, aber diese verhindert die Schmierereien nicht. Diese lassen sich nur mit Hochdruckreinigern leichter abwischen, ein teurer Spaß.

Also machen wir das selbst, dachten sich die Künstler und riefen Berliner und Berlin-Besucher am vergangenen Sonntag zum Großreinemachen auf. Das wurde eine lustige Putzaktion, an der sich auch Passanten beteiligten. Das babylonische Sprachengewirr war nicht zu überhören. Auch Künstler machten mit, darunter Dimitri Vrubel, der mit den knutschenden Staatslenkern. Allen wurden warmes Wasser, Schwämme und Spülmittel gestellt.

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Wenn sich Berlin – der Regierende, der in Personalunion auch Kultursenator ist, visitBerlin als weltweit tätige Berlin-Werber, die Berliner Wirtschaft und wer auch immer – nicht bald etwas einfallen lässt, sind die fotogenen Wandmalereien in ein paar Jahren verschwunden. Buchstäblich verrottet. Geld für Hochdruckreinigung, nächtliche Beleuchtung, Abstandhalter, Aufpasser – das schlagen due Künstler vor. Das wird alles nicht helfen. Während an einem Stück der East Side Gallery Freiwillige beim Reinemachen schufteten, kritzelten an einem anderen Stück Touristen ihre Namen auf die Mauer-Malerei.

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