Tagebuch: Plädoyer für ein Emirat – Dubai II

11 05 2014

Sonntag, 11. Mai 2014

Blick

Blick auf die Skyline von Dubai – vom Hotel Sofitel The Palm aus

Dubai polarisiert. Mit Begeisterung reagieren die einen auf meine Ankündigung, dass ich wieder nach Dubai fliege. „Dubai ist sooooo Klasse“, schreibt mir eine Freundin in Facebook. Um Gotteswillen, was willst Du denn da, ist die Reaktion der anderen. Und prompt listen sie auf, was sie unter dem Stichwort „Dubai“ abgespeichert haben: Hochhäuser, Superreiche, Schickimicki. Undsoweiter…

Zum dritten Male bin ich hier. Ich behaupte nicht, Dubai wirklich zu kennen. Aber – ich habe [Wasser auf die Mühlen der Dubai-Gegner] dieses merkwürdige Gebilde Dubai irgendwie schätzen und gar lieben gelernt.

Gloria

Aufnahme aus dem 35. Stock des Hochhaus-Hotels Gloria

Es ist oberflächlich, das Emirat auf seine Hochhäuser zu reduzieren. Gewiss, 1020 sind es an der Zahl. Und nicht jeder Wolkenkratzer ist ein großer architektonischer Wurf. Aber einige, sogar viele sind aufregend schön. Die Architekten, die Berlin mit langweiligen Kastenbauten bepflastern, sollten sich diese mal anschauen. Und die Geldgeber und Politiker, die keine Ahnung davon haben, was Architektur heute sein kann. Ich denke an die Hotelbauten rund um den Hauptbahnhof. Und den entsetzlichen Neubau des Waldorf Astoria an der Gedächtniskirche.

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Foto während der Autofahrt. In der Mitte: Burj Khalifa, das höchste Haus der Welt. Die Höhe: unglaubliche 828 Meter

Schickimicki: Ja, es gibt viel Geld in Dubai. Allein 68.000 [!!!] US-amerikanische Millionäre wohnen in dem Emirat. Und ja, in der Stadt gibt es die schicksten Shopping Malls, die edelsten Läden. Aber Protz wird hier seltener zur Schau getragen als in Münchens Innenstadt. Mit Ausnahme gewisser Polizeiflitzer [s. kleines Bild].

PolizeiflitzerJa, es gibt Luxushotels zuhauf. Einige empfinde ich als „unmenschlich“, weil sie jeden Maßstab verloren haben. Da ist in der Tat Protz und – nicht ganz so schlimm – Kitsch zu sehen. Einige wie das Armani im Burj Khalifa, dem höchsten Haus der Welt, sind trotz des luxuriösen Anstrichs wundervoll. Vier Nächte habe ich im Sofitel The Palm verbracht. Das ist ein 5-Sterne-Haus, aber eines mit menschlichen Dimensionen. Der Service ist außerordentlich gut und freundlich wie in fast allen Häusern dieser Klasse.

Das ist übrigens eine große Leistung. Denn die Hotelmanager müssen häufig die Arbeit von Bediensteten aus 20, 30 oder gar 40 Nationen koordinieren. Aber das klappt! Kaum jemand in Dubai ist im Umgang mit Mitmenschenruppig. Selbst in der proppenvollen Metro legt jedermann Wert auf [britische] Höflichkeit. 80 Prozent der Einwohner des Emirats sind Gastarbeiter, dies in allen Positionen vom Straßenarbeiter bis zum Hoteldirektor.

Natürlich sehe ich die erschöpften Gesichter der Taxifahrer, die sieben Tage der Woche durcharbeiten. Natürlich entsetzen mich Unfälle wie der, der letzten Samstag passiert sind: 18 pakistanische Bauarbeiter starben, als ein mit 49 [!] Männern vollgepferchter Kleinbus auf einen parkenden Lastwagen auffuhr. Dass so etwas passiert, ist kein Zufall, sondern systemimmanent. Auch ist mir klar, dass die Rechtsprechung des Emirats zum Teil auf der Scharia beruht. Undundund…

jklIch erlaube mir, auch die positiven Seiten zu sehen. Die gute Organisation des Alltagslebens, die Tatsache, dass die Leute in Dubai den Tourismus im kleinen Finger haben, die Sicherheit rund um die Uhr. Auch das ist Dubai: Szene beim Frühstück. Ich hole mir Nachschlag, nehme dabei meine Umhängetasche mit. Sicher ist sicher, und in der Tasche ist alles, was Mann so braucht. Als ich nach zwei Minuten an meinen Platz zurückkomme, ist alles abgeräumt. „Ich dachte, Sie wären fertig,“ sagte die resolute, aber sehr freundliche Kellnerin, „wenn Sie wieder zum Buffet gehen, müssen Sie die Tasche hierlassen – dann weiß ich, dass Sie wiederkommen.“ Auf meinen skeptischen Blick hin versicherte sie mir: „Sie sind hier in einem der sichersten Länder der Welt.“

Von den Stränden habe ich noch nicht geredet, von der Wüste vor den Toren der Stadt, vom alten Dubai mit Souks, Booten und Wassertaxen [s. kleines Foto] auf dem Creek, dem Meeresarm des Persischen Golfs. Aber was nützen all die Argumente, wenn jemand seine Vorurteile weiter pflegen will?

nop

Im Schatten der Wolkenkratzer gedeiht noch das „alte Dubai“ inmitten moderner Häuser. Ein Obsthändler [oben], ein Souk mit modernem Touch, ideale Einkaufsquelle für Souvenirs [Mitte], ein alter Wachturm mit „Gesicht“ [unten]

lmn

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