Tagebuch: Spiel mit Legosteinen

21 05 2014

Mittwoch, 21. Mai 2014

IMG_0097 - KopieMit Absicht neigt sich der Turm des Wolkenkratzers Capital Gate in Abu Dhabi um unfassbare 18 Grad. Zum Vergleich: Der Schiefe Turm von Pisa hat einen Neigungswinkel von nur vier Grad. Oder die Türme am Meer in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate haben eine Verkleidung, die sich der Witterung anpasst, Wind zirkulieren lässt und sich je nach Tageszeit und Sonneneinstrahlung öffnet oder verschließt. Das bringt eine Energieeinsparung von 25 Prozent.

So ließe sich zu jedem der vielen Hochhäuser in Abu Dhabi eine Geschichte erzählen – und erst recht zu den über tausend Skyscraper in Dubai. Einige sind auch bemerkenswert ästhetisch. Und es müssen nicht immer Hochhäuser sein, die wegen ihrer Höhe ja kaum in Berlins City passen würde.

LouvreAuch andere  Bauten sollten sich Architekten, die in Berlin bauen, und Politiker und Investoren als Geldgeber und Entscheidungsträger in Abu Dhabi und Dubai ansehen, um ihre eingerostete Fantasie zu beflügeln. Nur ein Beispiel von vielen: Der Louvre-Neubau von Jean Nouvels in Abu Dhabi [kleines Bild]. Das ist Architektur!

Womit ich bei einem meiner Lieblingsthemen bin. Das sind die fantasielosen, hingeschusterten Neubauten in Berlin. Seit dem Potsdamer Platz ist da nicht mehr viel Positives geschehen. Wer die Baugenehmigung für das Waldorf Astoria neben der Gedächtniskirche erteilt hat, sollte nach meiner Ansicht in den Zwangsruhestand geschickt werden. Besonders trist sehen die Neubauten rings um den Hauptbahnhof aus, der ja selbst architektonisch ein großer Wurf ist.

Gerade ist dort ein neues Steigenberger-Hotel eröffnet worden – ein stilloser, einfallsloser Bau, wie ihn ein achtjähriger beim Spiel mit Legosteinen hinbekommen hätte. Auch sonst stimmt nicht alles mit diesem Hotel – nachzulesen in meinem Bericht, der diesen Montag in touristik aktuell erschienen ist. Hier ist der Text:

Steigenberger am Kanzleramt mit Intercity und HBF ABER OHNE BLAUSTICH!

Das neue Steigenberger, daneeben rechts das Intercity, dann der Hauptbahnhof, im Vordergrund die Spree

Dass die Lagebezeichnung „am“ in Hotelnamen nicht so ernst genommen werden darf, beweist einmal mehr das gerade eröffnete Steigenberger Hotel Am Kanzleramt: Das siebte Berliner Haus der Frankfurter Hotelgruppe liegt keineswegs am Kanzleramt, sondern direkt am Hauptbahnhof. Zwischen beiden Gebäuden erstreckt sich noch viel Gelände – und die Spree. Pikant: Das benachbarte neue Intercity-Hotel trägt im Gegensatz zum neuen Steigenberger den Namenszusatz „am Hauptbahnhof“. Vom Spa-Bereich im siebten und höchsten Stockwerk des neuen Steigenbergers haben die Gäste allerdings einen weiten Blick auf das Kanzleramt und die benachbarten Parlamentsbauten.

Vom Start weg ist der Neubau ein Erfolg. Das Steigenberger war erst einige Tage in Betrieb – die weiche Eröffnung war am 1. Mai, die offizielle ist für den 3. Juli geplant -, als es schon zum ersten Male ausgebucht war. Die Auslastung für Mai liegt bei 65 Prozent. Tosten K. Schulze, der General Manager, rechnet spätestens im zweiten vollen Betriebsjahr mit einer 75-prozentigen Belegung. Das Intercity nebenan hat schon in den ersten acht Betriebsmona-ten eine Belegung von 80 Prozent erreicht.

DSCN2927Das Steigenberger Hotel Am Kanzleramt besitzt 337 Zimmer und 24 Suiten, darunter eine Spa-Suite, einen 700 Quadratmeter großen Restaurantbereich im ersten Stock, ein Konferenz- und Tagungscenter mit zwölf Tagungsräumen, das sich über 850 Quadratmeter erstreckt, und einen 400 Quadratmeter großen Ball- und Multifunktionssaal im Erdgeschoss, in den auch Autos hineinfahren können. Im Erdgeschoss wird eine Fläche von 500 Quadratmetern an Geschäfte und eine deutsche Gastronomiekette vermieten. Diese soll „modern und dem Zeitgeist folgend“ (Schulze) aus allen 16 Bundesländern Speisen servieren – ein reizvol-les Angebot nicht zuletzt für die Abgeordneten im nahegelegenen Paul-Löbe-Haus. Sie können hier ihren Gästen aus dem Wahlkreis heimische Küche auftischen.

DSCN2934Unter der Woche setzt Schulze [kleines Foto rechts], bislang Chef des Steigenberger Hotels Berlin am Los-Angeles-Platz, auf Geschäftsreisende, darunter möglichst viele Tagungsgäste, am Wochenende auf Städtereisende. Schulze: „Wir haben schon doppelt so viele Tagungen eingekauft, wie für das Hotel im ersten Jahr in der Planung angesetzt wurden.“ Besonders stolz ist der Hotelmanager darauf, dass sein neues Haus für die nachhaltige und umweltfreundliche Ausrichtung eine Zertifizierung nach Standard der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) erhalten hat. Schließlich ist er als Corporate-Responsibility-Beauftragter für die Umsetzung des Nachhaltigkeitsprogramms der ganzen Hotelgruppe verantwortlich. Nach seiner Erfahrung schauen fünf Prozent der Gäste bewusst auf Umweltmanagement und Nachhaltigkeit: „Das reicht schon für uns für den erfolgreichen Verkauf der Tagungskapazitäten.“

Seine Hotelgruppe, so erklärt Puneet Chharwal, CEO der Steigenberger Hotels AG, wird das neue Haus über einen 20-jährigen Pachtvertrag betreiben. Dabei wird das Hotel keine DEHOGA-Klassifizierung besitzen. Dann wäre es wohl ein 5-Sterne-Hotel. Phunet wählt stattdessen den internationalen Fachbegriff upper upskin: „Darüber liegt nur noch Luxus.“

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