Tagebuch: Urlaub in der Hölle [?]

28 05 2014

Mittwoch, 28. Mai 2014

Mikka Bender habe ich kürzlich auf einer Pressereise durch Abu Dhabi kennen gelernt. Er ist ein angenehmer Reisebegleiter, charmant, intelligent, reiseerfahren. Und: spitzbübisch, wenn er so erzählt… Kurz: Mikka Bender ist ein netter Kerl.

xxxDeutschlands Reiseveranstalter finden das nun gar nicht. Das liegt daran, dass Kollege Bender eine geradezu spitzbübische Freude daran hat, ihnen auf die Füße zu treten, immer wieder, immer heftig, immer auf dieselbe Stelle. Und die heißt: Behandelt, liebe Reiseveranstalter, Eure Kunden besser und ehrlicher. Dreht ihnen keinen Schrott an. Und verkauft „All inklusive“ nicht, als wäre ein solcher Urlaub der Himmel auf Erden.

Der Mann weiß, wovon er spricht bzw. schreibt. Schon als Student war er rund um den Globus als Reise- und Expeditionsleiter unterwegs. Seit er 18 ist, so sagt er, überfalle ihn regelmäßig Fernweh: „Mit der einen oder anderen Urlaubsreise war ihm nicht beizukommen.“ Deshalb ist Reisen der Beruf des Kollegen. Und ein wenig auch das Ärgern von Reiseveranstaltern. Er entwickelte maßgeblich die Reisesendung „Voxtours“, wurde Redaktionsleiter des Magazins „Wolkenlos“ und ist heute Programmchef von Marco Polo TV.

Und er schreibt Bücher. Eines heißt: „Die All-inclusive-Lüge: Wie Pauschalurlauber getäuscht werden.“ Kein Wunder, dass den Veranstaltern so etwas nicht gefällt.

Ich lese gerade ein anderes Buch von Mikka: „Is Nebensaison, da wird nicht mehr geputzt“. Untertitel: Urlaub in der Hölle. [Oweia]. In dem Buch ist der nette Mikka Bender, wie schon gesagt, gar nicht nett. Kaum ein gutes Haar lässt er an Reiseveranstaltern, Reisebüros und Reiseleitern. Dies allerdings nur, wenn er „klassische Pauschalreisen“ beschreibt. Bei Trekkingtouren, Fernreisen, Abenteuerreisen kommen die Branche und ihre Kunden [etwas] besser weg.

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Humorvolle Sätze finden sich in dem Buch: „Am Silvesterabend servierten uns Sherpa-Frauen in unserer Unterkunft ein Galadinner aus Kartoffeln, Reis und Kartoffeln.“ Oder: „Steht im Katalog: ‚Das Hotel besitzt eine legere und ungezwungene Atmosphäre mit internationalem Publikum, es wurde im letzten Jahr neu renoviert‘, lautet das im Klartext: ‚Im Hotel steigen Proleten aus aller Herren Ländern ab, die sich rund um die Uhr hemmungslos betrinken. Die von Erbrochenem verschmutztem Hotelwände wurden im letzten Jahr frisch gestrichen‘.“ Starker Tobak.

Auch sanfte Töne kann der Reise-Rebell anschlagen. So schreibt er über ein Paar, das von Mitreisenden wegen der „ständigen Kuschelei“ belächelt und aufgezogen wird: „Dabei verband die beiden nur eine ziemlich große Liebe, und die zeigten sie auch.“

Das Buch [Rowohlt Taschenbuch Verlag, ISBN 978 3 499 627491, 8,99 Euro] verändert den Blick des Lesers auf die Reisebranche. Und das ist gut so, Mikka!

Rückblick oder vielleicht auch Ausblick: Im übrigen bin ich der Meinung, dass BER-Chef Mehdorn fliegen sollte!

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2 02 2015
Beatrix Petrikowski

Das Buch will weder von einer Reise abraten, noch will der Autor die Vorfreude auf einen Urlaub nehmen. Aber es kann nicht schaden, einige Dinge zu wissen und darüberhinaus ist es so amüsant geschrieben, dass auf alle Fälle viel Spaß bei der Lektüre aufkommt.

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