Tagebuch: das Nashorn

4 08 2014

Montag, 4. August 2014

IMG_0078

4732650Spenden konnte er eintreiben wie kein zweiter. Schon zu Lebzeiten war er eine Legende, zumindest in „Zookreisen“ weltweit. Dies aber nicht nur als Spendeneintreiber. Man sagte früher scherzhaft in [West-]Berliner Kreisen: Setz Dich bei einem Festessen niemals neben Klös, sonst bist Du ein Vermögen los.

Jetzt ist Heinz-Georg Klös im Alter von 88 Jahren gestorben. 1956 trat er die Nachfolge der – ebenfalls legendären – Berliner Zoodirektorin Katharina Heinroth an, mit 30 Jahren Deutschlands jüngster Zoodirektor. Den Zoo leitete er bis 1991 und bekam noch die heftigen Nachwende-Turbulenzen von Zoo und Tierpark mit. Leidenschaftlich wurde damals die Frage diskutiert: Was geschieht mit dem Tierpark? Schließen? Fusionieren? Getrennt weiterlaufen lassen? Es kam zur Fusion. 15 Jahre lang saß Klös noch im Aufsichtsrat von Zoo und Tierpark. Sein Sohn Heiner Klös ist Raubtier-Kurator im Zoo.

IMG_0105
Vater Klös‘ Lieblingstiere waren die Nashörner. „So bin ich auch“, scherzte er einmal mit mir: dickfällig und sensibel, in sich ruhend, aber rasend bei angesagtem Ärger. Da konnte der Zoodirektor poltern, dass er an Lautstärke die Elefanten übertraf. Und mitten in solch einem Wutausbruch, mitten im Rasen und Toben konnte er sich einem zuwenden und – lächeln. Heinz-Georg Klös war [auch] ein sehr charmanter Mann.

IMG_0036
Ich hatte ein paar Jahre intensiv mit ihm zu tun, und zwar bei meinen Aufnahmen zur SFB-Sendung „Freundschaft mit Tieren“. Erst als Assistent von Horst Schallon, dann als Assistent von und später Mitarbeiter auf Augenhöhe mit Hans-Werner Kock – dieser selbst eine Legende [„Macht’s gut, Nachbarn!“]. Es konnte passieren, dass Klös mitten im Interview ein Taschentuch aus der Hose zog und einen Knoten hineinmachte. Dann war ihm etwas Wichtiges eingefallen.
Das Verfahren war eingespielt. Diverse Aufnahmetermine wurden festgelegt. Zwei Tage vor dem nächsten Aufnahmetermin rief die Chefsekretärin des Zoodirektors an und gab das zu besprechende Tier durch. Sich dann auf das Zoointerview vorzubereiten war gar nicht so einfach, denn damals gab es noch kein Wikipedia. Um acht Uhr, bevor die Besucher eingelassen wurden, fuhr ich dann mit dem Auto in den Zoo bis vor dem Haus des Direktors. Meist war er selbst der Interviewpartner, seltener einer der Kuratoren. Noch ehe Klös aus dem Haus trat, kam auf dem Löwengelände gegenüber ein männlicher Löwe aus dem Inneren ins Freie und brüllte seine Morgenrunde.

IMG_0011
Zwei Episoden sind mir in guter Erinnerung. Einmal hieß das Thema: Elefanten. Kommen Sie doch raus mit mir ins Gehege, sagte der Pfleger, die tun ihnen ja nichts. Gesagt getan. Beim Interview grinste der Pfleger und grinste und grinste. Als ich hoch schaute, sah ich einen Riesenelefanten, der über mir Männchen machte.

Ein andermal kamen Klös und ich in ein Gehege und lauter Pfleger und Kuratoren standen herum – und blickten ganz gerührt auf ein klitzekleines Känguru, das zu ihren Füßen herumhüpfte. Es war – das drücke ich jetzt sehr unwissenschaftlich aus – der Mutter aus dem Beutel gefallen und nicht mehr akzeptiert worden. Man hatte dem Känguru-Mädchen, das „Lola“ gerufen wurde, eine Windel umgetan und versuchte, sie mit der Flasche aufzuziehen. Lola hatte wunderschöne Augen. Und die Augen von Heinz-Georg Klös waren feucht. Er liebte seine Tiere, jedes von ihnen.

Advertisements

Aktionen

Information

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: