Tagebuch: Eimerchen Salzwasser

30 08 2014

Samstag, 30. August 2014:

Wieder einmal kommt am kommenden Montag ein Special – also ein Themen-Schwerpunkt – in touristik Aktuell heraus, bei dem nich federführend war: Osteuropa. Das zweite Special zu dieser Region. Das erste kam im Februar heraus. Im April gab’s dann noch ein Griechenland-Special. Das sind meine Babys, mit die wichtigsten Arbeiten im Laufe eines Jahres.

Eines der Themen des neuen Specials ist Danzig. Vom Flair dieser Stadt, von der Lebendigkeit war ich sehr angetan. Und wenn Sie wissen wollen, warum Sie beim Stadtbummel ein Eimerchen Salzwasser dabei haben sollten, lesen Sie den Bericht:

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Ihrem Ruf, weltweit die besten Restaurateure zu sein, wurden die Polen in Danzig (polnisch: Gdansk) mehr als gerecht. Über 80 Prozent der Danziger Altstadthäuser waren am Ende des Krieges zerstört, erst vom Bombenhagel der Alliierten, dann durch die Russen, die plünderten, Brände legten und Häuser sprengten. Nicht in jedem Detail originalgetreu, in vielen Fällen eher „historisierend“, ist Danzig in jahrzehntelanger Aufbauarbeit zu neuer Pracht entstanden. Diese Pracht bewundern 1,5 Millionen Touristen jährlich, davon viele mit dem Kreuzfahrtschiff. Dass die Deutsche Nationalmannschaft während der Fußball-EM hier Quartier nahm, hat Danzig bei deutschen Touristen einen tüchtigen Popularitätsschub verschafft. Da ist es zu bedauern, dass die bequeme Anreise mit der Finnlines-Fähre, die auf dem Weg von Rostock nach Helsinki im Hafen von Gdynia (Gdingen) bei Danzig Station machte, zur Zeit nicht mehr angeboten wird.

460000 Menschen leben in Danzig; mit der Ostsee-Stadt Gdingen und Sopot (Zopott), dem beliebtesten Kur- und Badeort des Landes, sind es 760000. Der Hafen von Danzig ist der größte Polens. Durch die Aktivitäten der 1980 hier gegründeten Gewerkschaft Solidarnosc mit Lech Walensa an der Spitze erlangte er Weltruhm. An die Werftarbeiter, die 1970 bei ihrem Streik ums Leben kamen, erinnert ein 40 Meter hohes Denkmal am Eingangstor zur Werft.

D2Die meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt liegen nicht in der Altstadt, sondern in der benachbarten sogenannten Rechtstadt. Dieser historisch wichtigste Stadtteil hat seinem Namen vom Lübischen Recht, das von 1225 bis 1308 für diese Selbstverwaltung der deutschen Hansekaufleute galt. In der Langgasse, am Langen Markt und in der Frauengasse steht ein prächtiges Gebäude neben dem anderen. Hier flanieren tagaus, tagein Scharen von Touristen, es herrscht ein babylonisches Sprachengewirr. Das Grüne Tor, das Goldene Haus, das rote Uphagenhaus, sie alle dienen als dankbare Fotomotive. Wem die Frauengasse mit den bemerkenswerten terrassenartigen Vorbauten, den sogenannten Beischlägen, vertraut vorkommt, liegt richtig: Hier sind lange Sequenzen der Buddenbrock-Verfilmung von 2008 gedreht worden.

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Zwei Wahrzeichen der Stadt besitzt die Rechtstadt: das berühmte Krantor am Ufer des Flusses Mottlau, im 15. Jahrhundert aus Backstein und Holz errichtet, und die Marienkirche. Sie gilt als größte Backsteinkirche der Welt. Ihre Maße sind beeindruckend: Sie ist 105 Meter lang, im Querschiff 66 Meter breit, und sie fasst 25000 Personen. 150 Jahre ist ab 1343 an ihr gebaut worden.

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Das begehrteste Souvenir der Danzig-Besucher ist Bernsteinschmuck. Bernstein begegnet ihnen auf Schritt und Tritt, denn er wird in unzähligen Läden und auch an Straßenständen angeboten.

Reiseleiter warnen: Den Touristen wird viel „Bernstein“ aus täuschend echt präparierter Plastikmasse angeboten. Diese Imitate, so wird in einem der seriösen Geschäfte demonstriert, sind von echtem Bernstein praktisch nur zu unterscheiden, wenn man sie in starkes Salzwasser wirft. Bernstein schwimmt, Plaste & Elaste geht unter.

Doch welcher Urlauber führt beim Stadtbummel durch Danzig schon ein Eimerchen mit Salzwasser mit sich.

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