Tagebuch: Tito überall

6 09 2014

Samstag, 6. September 2014

Titos berühmte weiße Uniform  Foto swAn Marschall Tito, dem jugoslawischen Staatspräsidenten vom 1945 bis 1980, kommt kaum ein Belgrad-Urlauber vorbei. Sein Konterfei schmückt Geldscheine und Schaufensterdekorationen. Dass er im Bewusstsein der Stadtbewohner noch immer lebendig ist, beweisen die spontanen Gespräche zwischen Belgrad-Besuchern und Belgrad-Bewohnern, die leicht zustande kommen und sich schnell um den Staatsmann drehen. Tito genoss als einer der Führer der blockfreien Staaten weltweite Anerkennung. Der Personenkult, der in Ex-Jugoslawien um ihn gemacht wird, erreicht in seinem Mausoleum im „Haus der Blumen“ im Belgrader Stadtteil Dedinje den Gipfel.

Das Mausoleum ist Teil des Nationalen Geschichtsmuseums Serbiens. Immer wieder werden ausländische Touristen von diesem Bild überrascht: Ältere Belgrader weinen an Titos schlichtem Grab. Und immer wieder entstehen auch mit deutschen Besuchern lebhafte politische Situationen ohne jede Feindseligkeit. Der fortbestehende Tito-Hype wird aus dem Geschichtsmuseum genährt, das unzählige Fotos von Tito im Gespräch mit den Großen der Welt zeigt, viele persönliche Gegenstände und Uniformen. Der Museumsshop ist nichts anderes als ein Laden mit Tito-Devotionalien.

Tito-Devotionalien im Shop des Tito-Mausoleums

Titos Luxuskarosse im Oldtimer-Museum, historische Fotos des Marshalls im Café YU, Titos Privatzug, der den Präsidenten und seine Entourage zwischen Belgrad und Bar chauffierte – Tito-Erinnerung gibt es überall im Stadtgebiet. Zwei Gebäude sollten Besucher auf keinen Fall auslassen: die königlichen Schlösser Altes Schloss und das Weiße Schloss, beide in den zwanziger- und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts erbaut. Auch hier weht ein Hauch von Tito. Im Alten Schloss ist Titos Kinosaal zu sehen, in dem der Präsident erhöht auf einer Empore in einem einsamen Sessel saß. Im Weißen Schloss, das zu Titos Zeiten repräsentativen Zwecken diente, kann die Couchgarnitur bewundert werden, auf denen hohe Besucher Platz nahmen, um mit Tito zu plaudern. Ewig Gestrige haben im Besucherbuch vermerkt: „Gestern Tito – heute Tito – morgen Tito“. Dazu erzählt der Fremdenführer Verschwörungstheorien, nach denen Tito tatsächlich noch lebt und nicht nur in der Erinnerung der Belgrader.
Dieser Bericht ist in leicht abgewandelter Form am Montag, 1. September, im Osteuropa-Special von touristik aktuell erschienen.

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