Tagebuch: Aus zum Jubiläum

15 01 2015

Donnerstag, 15. Januar 2015

Das Aus kam zum 25-jährigen Jubiläum: Der traditionsreiche Berliner Reiseveranstalter EuroMed musste Insolvenz anmelden. Als Grund nannte Geschäftsführer Franz Biesel [Foto] „die schwierige wirtschaftlichen Lage“ des Unternehmens. EuroMed schwächelte schon seit geraumer Zeit. Franz J. Biesel

Noch vor ein paar Jahren war der Veranstalter Marktführer für Kurreisen in den neuen Bundesländern. Der weitaus größte Teil der Reisen führte in osteuropäische Länder, ins tschechische Bäderdreieck, in die slowakischen Kurbäder, nach Slowenien und nach Ungarn. Aber in letzter Zeit entdeckten viele Mitbewerber den lukrativen Markt. Zahlreiche Busunternehmen bieten Kurreisen an, und auch die Großveranstalter stiegen in das Geschäft ein. Schließlich hatte der Veranstalter nur noch 15.000 Kunden im Jahr.

Euromed ließ kaum etwas unversucht, um jüngere Neukunden zu gewinnen und so das Ruder herumzureißen. Dem Katalog wurde ein moderneres Aussehen verpasst, ein neues Logo sollte Frische signalisieren, jüngere Mitarbeiter eine zeitgemäßere Ansprache des Reisepublikums garantieren. 001 Es half alles nichts: Biesel blieb es nicht erspart, bei Gericht ein Insolvenzverfahren zu beantragen. Das Gericht hat eine auf Insolvenzfälle spezialisierte Berliner Rechtsanwältin zum vorläufigen Insolvenzveranstalter bestellt. Erst nach Monaten wird sich entscheiden, ob ein Sanierungsverfahren Erfolg verspricht und das Programm des Kurreisespezialisten sogar fortgeführt werden kann, vielleicht mit einem schlankeren Angebot.

Alle Reisekunden, die derzeit mit EuroMed unterwegs sind, beenden ihre Reisen ordnungsgemäß und werden wie geplant zurückbefördert. Darum kümmert sich der Mitbewerber MediKur Reisen, der ebenfalls seinen Sitz in Berlin hat und vom Insolvenzversicherer mit dieser Aufgabe betraut worden ist. Jeder Pauschalreiseveranstalter ist verpflichtet, eine solche Versicherung gegen eine etwaige Insolvenz abzuschließen. Alle Urlauber erhalten mit ihren Reiseunterlagen einen sogenannten Sicherungsschein. Aber laut Stiftung Warentest ist „der Insolvenzversicherer trotz des Sicherungsscheins nicht verpflichtet, organisatorische Hilfe zu leisten“. Mit anderen Worten: „Im Zweifelsfall müssen Reisende den Rückflug selbst organisieren, haben hinterher aber einen Zahlungsanspruch und können im Nachhinein die Rückflug- und zusätzlichen Übernachtungskosten von der Insolvenzversicherung zurückverlangen.“

Den EuroMed-Kunden bleibt eine solche Tortur erspart. „Es wurde bisher auch keine Reise abgesagt“, versichert Rainer Löwenberg, Geschäftsführer von MediKur: Alle Buchungen, die bis zum 22. Dezember bei EuroMed eingegangen sind, werden von MediKur geprüft – und die Reisen nach Möglichkeit durchgeführt.

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