Tagebuch: gerettet!

5 02 2015

Donnerstag, 5. Februar 2015

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Oweia. Haarscharf ist Berlin an einer neuen, weltweiten Blamage vorbeigeschrammt. Wochen-, ja monatelang stand der Karneval der Kulturen auf der Kippe. Zumindest der Umzug in diesem Jahr wäre beinahe nicht zustande gekommen. Dies – so paradox das klingt – wegen seiner Beliebtheit.

Am Anfang, 1996, gab es „nur“ den Umzug, längst ist ein mehrtägiges Straßenfest und ein Kinderkarneval hinzugekommen. 50.000 Besucher säumten die Straßen beim Umzug im Startjahr, eine bis eineinhalb Millionen – je nach Wetter – waren es in den letzten Jahren. 4.000 Mitwirkende beteiligten sich an dem Umzug.

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Das schuf ein Sicherheitsproblem. Bislang ist ja alles gut gegangen. Aber was wäre, wenn es einmal zu einem größeren Unfall oder einer Panik käme? Ein neues Sicherheitskonzept kostete viel Geld, was der Veranstalter des Umzugs, die „Werkstatt der Kulturen“, nicht hatte. Es kam zu einem elenden, peinlichen Hickhack zwischen Senat, Veranstalter und Teilnehmern. Der Senat setzte den Veranstalter vor die Tür, die Teilnehmer machten Druck: Mehr Geld forderten sie und vieles mehr.

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Wie jedermann bekannt ist, tut sich der Berliner Senat schwer mit notwendigen oder gar eiligen Entscheidungen. Erst als die Wolke über das große Pfingstereignis immer dunkler wurde, zauberte der Senat eine Lösung aus dem Hut: Es gibt für das prestigehaltige Ereignis nicht nur die übliche finanzielle Förderung, sondern zusätzlich 300.000 Euro für das neue Sicherheitskonzept. Und ein neuer Veranstalter wurde gefunden: die gemeinnützige Landesgesellschaft [!] Kulturprojekte Berlin. Sie hatte sich mit der Ballon-Lichtgrenze zum Mauerfall weltweit Aufmerksamkeit und Freunde verschafft.

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Bingo! Aber warum nicht gleich so? Das Gezerre um den Karneval der Kulturen war umso peinlicher, als jedem das Aus der Love Parade wieder einfiel, die mal mit 1,5 Millionen Besuchern weltweit bekannt und beliebt war, aber vor knapp zehn Jahren in Berlin in den märkischen Sand gesetzt wurde.
Nun findet er also wieder statt, der Karneval der Kulturen. Ich freue mich und werde dafür sorgen, dass ich diesmal zu Pfingsten nicht verreist bin. Denn ich will sie genießen, die bunten Gruppen aus Südamerika, Afrika, Asien, Europa. Merkwürdig: Türkische Gruppen machen kaum mit.

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