Tagebuch: Wasser-Fußabdrücke

7 02 2015

Wertvolles Wasser: Thomas Cook will die Verschwendung in Hotels eindämmen

Samstag, 7. Februar 2015

Wo es auch nur den geringsten Sinn macht, haben Klempner in drei Hotels auf der griechischen Ferieninsel Rhodos Wasseruhren angebracht: beim Wasserstrang, der zu den Duschen führt, beim Swimmingpool, bei der Gartenbewässerung, ja sogar in der Küche. Die Armada von Wasseruhren brachte Unglaubliches ans Tageslicht: Ein deutscher Urlauber verbraucht in seinen Ferien 350 Liter Wasser am Tag, in einzelnen Hotels sogar das Doppelte, also 700 Liter. Zuhause sind es im Schnitt nur 120 Liter.

DSCN3230 Dabei muss man berücksichtigen, dass auf Rhodos nicht nur der Wasserverbrauch gemessen wurde, der beim Duschen anfällt. Auch der Wasserbedarf zum Befüllen der Hotelpools, für die Reinigung von Hotelanlagen, zum Wäschewaschen, zur Bewässerung von Gartenanlagen und für die Herstellung von Mahlzeiten wird eingerechnet. Da kommt eine Menge zusam-men. Ohne Zweifel ist Wasser für die Tourismusbranche ein unverzichtbares Element. Vor allem in südlichen Ländern sind Ferien ohne Pool, ohne mehrfaches Duschen am Tag am Strand und nach dem Sonnenbad, ohne gepflegte Gartenanlagen selbst zur Hochsaison kaum noch vorstellbar.

Kein Wunder, dass in vielen beliebten Reiseländern schon längst Wasserknappheit herrscht. Wenn der Tourismus derart weiter wächst, ist regelrechte Wassernot in mancher Destination nicht mehr weit. Das ist eine Herausforderung, der sich die Reiseanbieter besonders in ihren Hotels stellen müssen. Denn dort fällt der größte Anteil am Wasserverbrauch an, der durch Touristen verursacht wird. Deshalb haben OECD und UNWTO die Tourismuswirtschaft nachdrücklich zur Reduzierung des Wasserverbrauchs aufgefordert.

IMG_0082 Swantje Lehners, Referentin für Nachhaltigkeit bei Thomas Cook

Swantje 2 Bei Thomas Cook hat man sich diesen Appell zu Herzen genommen und das Projekt „Wert-volles Wasser“ ins Leben gerufen, eine beispiellose Zusammenarbeit zwischen dem Großveranstalter und der Nachhaltigkeitsinitiative Futouris. Ziele des Vereins, der eine Vorreiterrolle im Tourismus hat, sind „die Förderung des Umweltschutzes, des Völkerverständigungsgedankens und der Entwicklungszusammenarbeit weltweit“. Besondere „Schwerpunkte bilden der Umwelt- und Klimaschutz, der Erhalt der biologischen Vielfalt und soziokulturelle Verantwortung“.

Drei der fünf Sentido-Hotels auf Rhodos haben beim Projekt „Wertvolles Wasser“ Pionierarbeit geleistet und 2013 an einer Pilotstudie zum Wassermanagement teilgenommen: die Anlagen Port Royal Villas & Spa in Kolymbia, Apollo Blue in Faliraki und Lindos Bay in Lindos. „Ob für Gästeduschen, Zimmerreinigung, Pool oder Gartenbewässerung – der Wasserverbrauch ist enorm“, klagt Stefan Gössling, Professor für Nachhaltigkeit im schwedischen Lund und Leiter des Projekts. Das gilt natürlich nicht nur für diese drei Hotels.

„Wir wollen den Wasserverbrauch in unseren eigenen Konzepthotels und wichtigen Partner-hotels nachhaltig reduzieren“, beschreibt Swantje Lehners, Referentin für Nachhaltigkeit bei Thomas Cook, das Projektziel. Die 29-jährige ist mit Leib und Seele bei der Sache. Seit 2012 ist sie im Nachhaltigkeitsmanagement des Großunternehmens tätig. Sie ist hochqualifiziert. Swante Lehners hat an der Hochschule Harz in Wernigereode und an der Anglia Ruskin Uni- versity in Cambridge International Tourism Studies studiert und einen deutsch-englischen Doppelabschluss (B.A.) erlangt – mit Auszeichnung. „Ich habe bereits während meines Studi-ums große Begeisterung für Nachhaltigkeit im Tourismus entwickelt“, sagt die Umweltschüt-zerin. So wählte sie entsprechende Vertiefungsrichtungen und schrieb ihre beiden Bachelorarbeiten – je eine für den deutschen und den englischen Abschluss – über nachhaltige Touris-tik-Themen: „Nachfrage nach nachhaltigem Tourismus unter deutschen Reisenden“ und „Nachhaltigkeitskommunikation der Thomas Cook AG“. Ihr Berufsziel stand da längst fest: „In einem großen Touristikkonzern daran mitzuarbeiten, die negativen Auswirkungen des Tourismus zu verringern und die positiven zu verstärken…“

IMG_0212 Zurück zum Pilotprojekt. Bei diesem wurden nicht nur in den Sentido-Hotels Wasserzähler an allen Verbrauchspunkten angebracht, sondern auch vom Klima- und Wasserforscher Stefan Gössling und Futouris-Mitarbeitern Gespräche mit den Hoteliers und ihren Mitarbeitern aus Technik und Hauskeeping zum Thema Wasserverbrauch geführt. Die Sentido-Hausherren zeigten sich aufgeschlossen, sonst hätten sie ja auch bei der Projektstudie nicht mitgemacht. Nikos Portokallas beispielsweise, Hotelmanager des durch seine moderne Architektur beein-druckenden Sentido Apollo Blue, ist mit Begeisterung bei der Sache: „Für mich war es eine Selbstverständlichkeit, hierbei mitzumachen.“ Schließlich weiß er, dass er mit der Reduzie-rung des Wasserverbrauchs viel Geld sparen kann. Auch Gespräche mit Urlaubern über ihre Gewohnheiten, im Urlaub Wasser verschwenderisch zu nutzen, sind für die Projekt-Mitarbeiter erfreulich verlaufen: „Jeder bejaht das Wassersparen in den Ferien“, hat Swantje Lehners erfahren.

Die Erkenntnisse aus der ersten Projektphase wurden nicht nur auf die zwei weiteren Sen-tido-Hotels auf Rhodos angewandt, sondern auf alle Konzepthotels von Thomas Cook auf der Insel, also auch auf die sieben Häuser der Marken Smartline, Sunwing und Sunprime. Dieje-nigen Konzepthotels, die bereit sind, vorgeschlagene Verbesserungen einzuführen, erhalten Wassermanagement-Trainings für ihr Personal und Materialien zur Sensibilisierung der Gäs-te.

Die gemessenen Daten wurden zu sogenannten „Water Footprints“ verarbeitet. Diese sind die Grundlage für ein Wassermanagement-Handbuch. Die Anleitung für Hoteloers zum Was-sersparen erscheint in diesem Frühjahr und wird „vorerst unseren Thomas Cook Konzeptho-tels zur Verfügung gestellt“ (Lehners). Aber Thomas Cook gibt sich nicht damit zufrieden, die eigenen Hotels zum Wassersparen zu erziehen. Nach Ende des Projekts wird es der gesam-ten Branche zugänglich gemacht, ohne dass ein Hotelier dafür zahlen muss. Swantje Lehners: „So erhoffen wir uns die größtmöglichen Effekte.“

Soviel Engagement verdient Belohnung. Auf der Tagung des Deutschen ReiseVerbandes (DRV) in Abu Dhabi konnte eine strahlende Swantje Lehners die EcoTrophea in Empfang nehmen, die höchste Umwelt-Auszeichnung der europäischen Reisebranche. Schon zum 28. Mal prämierte der DRV mit seiner internationalen Auszeichnung „besonders vorbildliche und nachhaltige Tourismusinitiativen aus aller Welt“, wie es in der Ausschreibung heißt. Diese findet weltweit immer ein großes Echo: Die sechsköpfige EcoTrophea-Jury hatte das Wasser-Projekt aus immerhin 26 Bewerbungen auswählen müssen.

In leicht abgewandelter Form ist dieser Text heute in der – bundesweit erscheinenden – Tageszeitung „Neues Deutschland“ erschienen.

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