Tagebuch: Sehnsucht nach dem Dinosaurier

28 02 2015

Warum ich das Berliner ICC so vermisse

Samstag, 28. Februar 2015

Die folgende wehmutsvolle Erinnerung von mir an das Berliner Internationale Congress Centrum [ICC] ist in diesen Tagen in der Ausgabe I/2015 des – ausgezeichneten! – Magazins der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten [VDRJ] erschienen:

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Darin waren wir Reisejournalisten uns alle einig: Das Internationale Congress Centrum wird nie und nimmer im Mittelpunkt der ITB Berlin stehen. Wir werden es einfach nicht „annehmen“. Zu weit waren in unserer Vorstellung die Wege vom Messegelände zum ICC. Was hatte sich die Messe Berlin denn dabei gedacht? Wir haben auf der weltgroßen Tourismusmesse doch anderes zu tun, als uns auf einen permanenten Marathonlauf zu begeben. Und überhaupt: Wegen der benachbarten Autobahn würden wir unser eigenes Wort nicht verstehen. Nein, die Pressekonferenze und Vorträge sollten gefälligst wie bisher auf dem Messegelände, also mitten im Geschehen, stattfinden.

Kurz gesagt: Wir zerrissen uns die Mäuler. Das war auf der ITB 1979. Der Konmgresskoloss stand kurz vor der Eröffnung. 328 Meter lang, 80Meter breit, 40 Meter hoch, war er – in der Frühlingssonne silbern glänzend – war er für jeden, der zur ITB anreiste, nicht zu übersehen. Nicht mit uns, sagten wir – und lästerten weiter.

Foto ICC

Das Blatt wendete sich zur ITB 1980, als zum ersten Male die meisten Pressekonferenzen und Präsentationen im ICC stattfanden. Da roch es noch nach frisch verlegtem Teppichboden, da verwirrte uns noch die Wegeführung. Aber schon bald bewegten wir, Profis die wir waren, mit schlafwandlerischer Routine in dem Neubau des Architektenpaares Ralf Schüler und Ursula Schüler-Witte. Die Klugen unter uns hatten – wie sie nicht müde wurden, uns Kollegen zu versichern – doch gleich gesagt, dass ein solch stolzer Bau für uns stolze Branche doch genau das Richtige sei.

Jahrelang gehörten Führungen durch das ICC zu den begehrtesten Fachexkursionen in Berlin. Erst am Modell und dann vor Ort wurde den Besuchen erklärt, dass der gigantische Bau an vier Säulen schwingungsfrei aufgehängt ist, um nicht vom Verkehr beeinträchtigt zu werden. Auch die Rahmendaten konnten sich sehen lassen: Nur vier Jahre Bauzeit, 924 Millionen D-Mark Planung- und Baukosten. 80 Säle und Räume für 20 bis 9.100 Personen besaß (und besitzt ja auch noch!) das ICC. Schon bald wurde das ICC Berlin als eines der bedeutendsten und bestgebuchten Kongresshäuser der Welt gefeiert.

Und dann wendete sich das Blatt wieder einmal. Berichte wurden lanciert, nach denen das ICC unwirtschaftlich arbeitet, nur zehn Prozent der Verkehrsfläche vermietbar seien und vieles mehr. Mal mit Wehmut, öfter aber mit Wut verfolgte ich die Schließungsdebatten. Und dann, direkt nach der letzten ITB, war es soweit: Der Bau wurde dichtgemacht. Muss ich erwähnen, dass viele, allzu viele Kolleginnen und Kollegen, versicherten, ihnen sei das ICC „schon immer“ unsympathisch und unpraktisch erschienen?

Merkwürdig: Über den Neubau CityCube ist in unseren Kreisen nie diskutiert worden. Er ist jetzt einfach da, übrigens im Bau eine einzige Erfolgsgeschichte: In nur 22 Monaten wurde der Multifunktionsbau auf dem Platz der früheren Deutschlandhalle aus dem Boden gestampft. Dabei wurde der Kostenrahmen eingehalten. Nachhaltigkeit hat bei dem Bau eine große Rolle gespielt. Schön.

Seitdem wurde viel über das ICC spekuliert. Abreißen? Zum Hotel umbauen, zur Einkaufsmeile, zur Landesbibliothek? Jeder Plan wurde sofort wieder verworfen, um einer neuen Idee Platz zu machen, die wieder von einem anderen Plan ersetzt wurde… Kürzlich kam – unter anderem – wieder die Idee auf den Tisch, das ICC doch zu modernisieren und zum supermodernen Kongressbau auszubauen. Ich habe wieder Hoffnung.

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