Tagebuch: Kronprinzen – Belgrad I

29 03 2015

Sonntag, 29. März 2015

Die Fertigstellung eines Zypern-Schwerpunkts für touristik aktuell und zwei rasch aufeinander folgende Reisen nach Lissabon und Belgrad – drei Gründe für mein langes Schweigen in meinem blog. Nun gut, heute geht’s weiter.
Und zwar nach Belgrad.

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Der Königspalast

Die Besichtigung mindestens eines der zwei Königspaläste im Belgrader [Nobel-]Vorort Dedinje gehört zum „Pflichtprogramm“ eines jeden Belgrad-Touristen. Unter Umständen ist – wie bei unserer Reisegruppe – eine Begegnung mit dem Kronprinzen Alexander II. und Kronprinzessin Katharina möglich. Wow!

Vieles, was über das Paar und dessen Domizil erzählt und geschrieben wird, ist schlicht falsch. Ein paar korrigierende Anmerkungen [die auch wieder Fehler enthalten können, da ich kein Historiker bin]:

Das Königshaus: ist nicht besonders alt. 1882 führten die Serben in ihrem 1878 beim Berliner Kongress selbstständig gewordenen Staat die Monarchie ein. Das Königreich Serbien ging 1918 in das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen auf und wurde 1929 nach einem Putsch des Königs in Königreich Jugoslawien umbenannt. 1941 trat das diktatorisch regierte Königsreich dem Dreimächtepakt Deutschland-Japan-Italien bei. Die Invasion der Deutschen im selben Jahr war praktisch die Auflösung des Königreichs [obwohl bis 1945 in London eine Exilregierung bestand].

Die Schlösser: sind im Vergleich zu anderen Königsresidenzen in Europa Neubauten. Das Königsschloss aus weißem Marmor wurde erst zwischen 1921 und 1929 in neubyzantinischen Stil errichtet. Es hat ansprechende Proportionen und ist mit kostbaren Möbeln, Teppichen und Bildern ausgestattet. Das Weiße Schloss, auch Weißer Hof genannt, wurde von 1934 bis 1937 von Alexander I. als Residenz für seine drei Söhne errichtet.

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Oben und beide Bilder unten: Interieur des Königs-Palastes

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Das Weiße Schloss

Das Weiße Schloss wurde von Tito – und später von Präsident Slobodan Milošević, der in Den Haag als Kriegsverbrecher angeklagt wurde – als Residenz genutzt. An Toto erinnert eine Couchgarnitur, auf der Tito die Großen der Welt empfing. Im Souterrain des Königsschlosses, das von Tito auch genutzt wurde, ist ein Kino zu sehen, in dem Tito sich von seinem erhöhten Sitz auf eine Balustrade aus vor allem Wildwestfilme anschaute.

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Oben: Hier hielt Tito Hof. Unten: Titos Kino.

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Beide Schlösser wurden von Tito seinem Staat einverleibt. Wer der heutige Besitzer ist – Serbien oder das Königshaus – ist rechtlich noch ungeklärt. Auch wenn das Kronprinzen-Paar den Eindruck erweckt, beim Königsschloss handle es sich um die eigene Residenz, ist ihm nach der vom Staat erlaubten Rückkehr nur das kostenlose Wohnrecht im ersten Stock eingeräumt worden. Die restlichen Räume sind Museum. Das Paar darf keinen der Gegenstände veräußern.

Das Kronprinzen-Paar: Alexander II. wurde 1945 im Londoner Exil geboren. Aber eigentlich konnte nur König von Jugoslawien sein, wer auch auf jugoslawischem Territorium geboren wurde. Da kam dem pfiffigen Premier Churchill die Idee, das Zimmer 212 im Claridge-Hotel, das Geburtszimmer, zu jugoslawischem Territorium zu erklären. Angeblich wurde sogar unter das Geburtsbett jugoslawische Erde gekippt…

Die Taufe fand standesgemäß in der Westminster Abbey statt, Paten waren der damalige britische König Georg VI. und seine älteste Tochter, die heutige Königin Elisabeth II. Der königliche Nachwuchs machte Karriere in der britischen Armee, heiratete 1972 eine spanische Prinzessin, bekam mit ihr drei Söhne, wurde 1985 geschieden und heiratete noch im selben Jahr die Griechin Katharina Claire Batis, die heutige Kronprinzessin.

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Beide machen einen liebenswerten Eindruck, sind charmant, freuen sich besonders über Besuch aus Deutschland und haben verschiedene karitative Einrichtungen gegründet. Ihr Englisch ist perfekt, der Kronprinz spricht angeblich nur sehr schlecht Serbisch-Kroatisch. Natürlich tritt das Paar für eine Wiedereinführung der Monarchie ein, wozu es angeblich 40 Prozent der Serben hinter sich hat. Von einer konstitutionellen Monarchie verspricht sich Alexander politische Kontinuität.

Ja – König wovon denn? Das Reich ist geschrumpft. König der Serben also? Oder doch König von Jugoslawien? „Das gibt es nicht mehr“, sagt Alexander, „heute gibt es Europa“. Und fügt hinzu: „Gottseidank!“

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