Tagebuch: Tito lebt! – Belgrad II

2 04 2015

Donnerstag, 2. April 2015

Als mir von touristik aktuell die Einladung auf den Tisch flatterte, im Auftrag der Fachzeitschrift am Grand Opening des Radisson Blu Old Mill Hotels in Belgrad teilzunehmen, dachte ich: Nun ja, warum nicht… Die Reise wurde wider alle Erwartung zu einem eindrucksvollen und auch durchaus herzerwärmenden Erlebnis. Dafür ist einigen Beteiligten zu danken: dem Generaldirektor des Hotels, Thomas Swieca, und seiner putzmunteren, fließend Deutsch sprechenden [was heißt sprechenden – sprudelnden!] Mitarbeiterin Sana, dazu Brita Segger, Chefin der PR-Agentur Society Relations, die für uns Journalistentrupp die Reise organisierte und auch liebevoll und sachkundig begleitete [ja, soviel Lob muss sein!] und der Eventagentur Vekol. Ein Programm vom Feinsten wurde uns serviert. Über einen Höhepunkt, dem Besuch im Königspalast und Empfang durch das Kronprinzen-Paar [Foto unten] habe ich schon berichtet. Nächstes Thema: Tito.

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Tito ist tot [klar]. Es lebe Tito. So scheinen viele Serben in Belgrad, der Hauptstadt, zu empfinden. Nun, Tito begegnet man in der Stadt nicht gerade auf Schritt und Tritt, aber doch überraschend häufig. Unter den Teppich gekehrt wird dabei meist, was für eine vielschichtige, wenn nicht gar gespaltene Persönlich Josip Bronz war, der sich erst später das Pseudonym Toto gab – oder den Spitznamen Tito, um es respektloser auszudrücken.

T3 Souvenir

Tito-Souvenir im Shop des Mausoleums

Marschall im Partisanenkrieg gegen die deutschen und italienischen Besatzer, nach dem Krieg Ministerpräsident und Staatspräsident Jugoslawiens auf Lebenszeit. Auch Diktator, wahrscheinlich auch Massenmörder. Zum und kurz nach dem Kriegsende gab es zahlreiche Massaker an den Gegnern und denen, die mit diesen kooperiert hatten. Politische Gegner wurden während Titos Regierungszeit in Ketten geworfen und auf eine Gefängnisinsel verschleppt. Es gibt Schätzungen, dass Titos Regime eine Million Menschenleben forderte.

Sein langer Arm reichte bis nach Deutschland, wo sein Geheimdienst wohl 29 Exilkroaten ermordete. Gerhart Baum, damals Innenminister, und Klaus Dohnanyi, seinerzeit Staatssekretär im Außenministerium, hielten dicht. Denn im Kalten Krieg war man darauf bedacht, Toto und sein Lager nicht zu verärgern.

T5 Fotos

T 1 Foto

Das war die andere Seite an Tito: Er war weltweit beliebt, weil er einer der führenden Köpfe der blockfreien Staaten war, gemeinsam mit Nasser, Nehru und Sukarno. Diese Einstellung führte sogar zum Bruch mit Stalin. So ist es nicht verwunderlich, dass er 1968 den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in Prag zur Beendigung des Prager Frühlings scharf verurteilte, was ihm weltweites Prestige einbrachte.

Eine weitere Facette im Bild Tito ist eine gewisse Liberalität im Umgang mit seinen Landsleuten, soweit sie ihm nicht widersprachen. Sie konnten ohne Visum hinaus in die Welt reisen. Ich erinnere mich, dass ich vor 51 Jahren mit meinem Bruder und meiner damaligen Freundin mit dem Hellas-Express von Deutschland via Belgrad nach Griechenland fuhr – und im Zug eine jugoslawische Studentin traf, die frank und frei über ihr Studium in Deutschland sprach und die Verhältnisse im Vielvölkerstaat Jugoslawien. Das hat mich sehr beeindruckt und meine Vorurteile – auch ich war ein westliches Kind des Kalten Krieges – dahinschmelzen lassen.

T4 Koffer

Titos Reisekoffer mit Gala-Uniform

Auch wirtschaftlich ging Jugoslawien andere Wege als andere kommunistische Diktaturen. Betriebe konnten sich ähnlich wie Firmen organisieren und hatten weitreichende Entscheidungsfreiheit. Bei meinen vielen Reisen durch Jugoslawien habe ich viel Elan in den [touristischen] Firmen und auch ziemlichen Wohlstand gesehen.

[Fortsetzung folgt: Titos Tod, sein Blauer Sonderzug, seine Frauen…]

T6 Statue

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