Tagebuch: Bullshit & Träume

18 08 2015

Dienstag, 18. August 2015

„Oi, Papa, Du kennst Frauen!“ hat mir mal mein jüngster Sohn gesagt, als er noch klein war. Ich habe nicht in Erfahrung bringen können, ob das ein Ausdruck verstörter Ver- oder höchster Bewunderung war. Daran habe ich denken müssen, als ich Anaïs Bock kennen lernte. Das war auf Kreta, einer meiner beiden Schicksalsinseln. Was für eine Frau! 27 Jahre alt, selbstbewusst ohne die Kälte vieler Business-Frauen und – der altmodische Ausdruck sei mir verziehen – schön.

Anaïs spricht Deutsch, Spanisch und Englisch fließend, dazu Niederländisch nach eigenem Bekunden „ok“, Schulfranzösisch und Taxi-Arabisch aus ihrer Zeit in Ägypten. Ihre Studien: Bachelor of Business Administration in Hotel Management auf der Hotelschool Den Haag, dann eine Ausbildung zur Imageberaterin am London Image Institute und danach ein Master of Science in Organizational Behaviour an der Birkbeck University of London. Mit 23 wagte die heute 27-jährige den Schritt in die Selbständigkeit. Ihr Beruf: „Wenn ich mich benehmen muss sage ich ‚Brand Strategist‘, sonst gerne Marketing für Menschen, die Marketing nicht leiden können.“

Anaïs 2

In ihrer Firma Bullshit Elimination [sic!] hat Anaïs gerade einen Do-it-Yourself-Kurs mit dem Titel Dream Draw herausgebracht – „einen kreativen und spielerischen Prozess, um ein Business zu planen“. Und Anaïs wäre nicht Anaïs, wenn sie nicht hinzufügte: „…für Menschen, die Business-Pläne nicht leiden können.“

Das Interview, das ich mit Anaïs geführt habe, verrät weitere Details:

Horst: Das ist ja ein merkwürdiger Firmenname. Gibt es zu viel bullshit in der Berufswelt?

Anaïs: Und wie! Wir setzen unsere professionellen Masken auf, tun Dinge weil sie sich “auf dem Lebenslauf gut machen” und füllen unsere Sozialen Medien mit Momentaufnahmen der Perfektion, die unserer Wahrheit nicht gerecht werden.

Unsere Kommunikation über die Berufswelt, im Arbeitsalltag, sowie die offizielle Firmenkommunikation fühlen sich oft aufgesetzt, oberflächlich und profitorientiert an. Bullshit Elimination ist nicht der Aufruf zum öffentlichen Fluchen, und ich will keinen anstiften, seine ehrfurchtlose Meinung kund zu tun und damit Kunden zu vergraulen.

Der freche Name Bullshit Elimination dient einzig und allein dazu, das oberflächliche Marketing Blahblah, an das wir uns alle gewöhnt haben, zu durchbrechen, um echte Konversationen zu führen. Innerhalb unserer Unternehmen, über unsere Arbeit, sowie im direkten Kontakt mit Kunden. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass sich Authentizität und Professionalität kombinieren lassen und sich sogar gegenseitig aufwerten.

Horst: Auf dieser Basis ist Dream Draw entstanden. Seit wann hast Du Dich gedanklich damit beschäftigt?

Anaïs: Ich beschäftige mich seit Beginn meiner Selbständigkeit, also seit 4 Jahren damit, warum unsere Herangehensweise zum Entwickeln eines Projektes so verdammt kompliziert ist.

Anaïs 1

Meine Mutter pflegt zu sagen, „jede verrückte Idee fängt mit einer verrückten Idee an“, und ich muss ihr zustimmen. Jedes noch so riesige Unternehmen oder internationale Projekt war mal der Traum eines Einzelnen. Und irgendwie hat dieser Traum es geschafft, sich immer wieder aus dem Gedankensediment und den Ablenkungen des Alltags an die Oberfläche zu kämpfen, um irgendwann als Konzept ernst genommen zu werden…
Wenn wir jedoch an die Selbständigkeit denken, denken wir an Alles, außer an Träume. Es geht um Startkapital, Business-Pläne, Steuerberater und einen Haufen Bürokratie. Wir denken an Webseiten, Soziale Medien, ein schickes Logo und Visitenkarten. Alles handelt vom Tun und vom Auftreten.

Aber was passiert bevor wir loslegen?

Meiner Meinung nach, gibt es eine Kluft zu überwinden, zwischen Träumen und Tun. Denn wer seinen Traum sofort durch die Maschinerie der Logik und des Gründens schiebt, zerquetscht ihn nur unter Gedanken wie „wer wird denn für meine blöde Idee schon Geld ausgeben“, „damit kenne ich mich nicht aus“ oder „das können Andere viel besser als ich“.

Dream Draw begleitet Träume, bist sie „von alleine stehen“ und durch unsere Taten angeschoben werden können.

Mit Dream Draw setze ich mich konkret seit einem Jahr auseinander, denn ich wollte eine Antwort haben, auf die Frage „Ich habe einen Traum; wo fange ich bloß an?“

Horst: Richtet sich der Kurs nur an Frauen, die beruflich einen großen Schritt weiterkommen wollen?

Anaïs: Der Kurs richtet sich an Menschen die einen Traum haben und ihn endlich von der Spinnerei, Richtung Wirklichkeit anschieben wollen. Es geht darum, den Traum zuzulassen, die Resistenz, die den Traum zu zerquetschen droht zu sehen und aus dem Weg zu schaffen und schließlich darum, eine einfache Struktur aufzubauen, in der es darum geht: wie könnte mein Traum in Wirklichkeit aussehen? Das Tolle ist, dass dabei auf verschiedenen Niveaus gedacht wird und der kleine Hobby Traum genau so viel Respekt verdient, wie der große Superstar Traum.

Anaïs 4

Horst: Bringt Dream Draw auch privaten Nutzen?

Anaïs: Im Grunde ist Dream Draw ein kreativer und einfacher Prozess, der es uns erleichtert, etwas das in unserer Gesellschaft oft als Spinnerei abgetan wird, zuzulassen und zum Wachsen zu bringen.

Man lernt sich also kennen und setzt sich mit seinen Gedanken auseinander, die nicht immer positiv sind. Wer schon lange Träume im Keller verstaut hat, durchläuft eine förmliche emotionale Entrümpelung. Und Spaß machen soll das Ganze auch noch.

Horst: Haben auch Männer etwas von dem Kurs?

Anaïs: Selbstverständlich. Wir haben alle eine Ego-Stimme im Kopf, die über unsere kreativen Projekte lästert und ein Vorankommen verhindern will, Männer wie Frauen (und in der Testgruppe war auch ein glücklicher Mann dabei). Männer müssen lediglich mit lila Überschriften und Beispielen aus Märchen klarkommen.

Horst: Was ist das Ziel? „vorher – nachher“:

Anaïs: Vorher: Wirrwarr im Kopf, eine Idee, die einfach nicht weggehen will, aber sich auch nicht weiterentwickeln zu scheint. Ständig kommt der Alltag oder Selbstsabotage dazwischen; Gedanken wie „wenn ich mal Zeit und Geld übrig habe…“
Nachher: ein Traum, der sich greifbar anfühlt, eine konkrete Vorstellung wie man ihn mit kleinen (oder keinen) Mitteln in die Welt bringen kann. Den Mut, seine Träume zu respektieren und auszusprechen. Die Wahl, so weiterzumachen, wie man lustig ist.

Horst: Wieviel Zeit muss „man“/Frau investieren?

Anaïs: Der gesamte Kurs dauert vier Wochen und ist auf zwei Stunden die Woche ausgerichtet.

Horst: Der Kurs ist in Englisch. Wie gut sollte die Sprache beherrscht werden?

Anaïs: Der Kurs enthält keinen Business Jargon und hoffentlich keinen Bullshit. Wer Aschenputtel auf Englisch versteht, wird auch ohne Probleme Dream Draw genießen können.

http://dreamdraw.bullshitelimination.com

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