Tagebuch: Sound in der Scheune

5 09 2015

Samstag, 5. September 2015

Malcolm St. Julian-Bown kam der Liebe wegen in den Fläming – und blieb, weil Landschaft und Leute ihm gefielen. Der Naturpark Hoher Fläming schien dem Briten der geeignete Ort, seinen Lebenstraum zu verwirklichen. Er schuf 90 Kilometer südwestlich von Berlin in Wiesenburg/Markeinen Ort, der Musiker, Künstler und Publikum anzieht. Als Experte für Videoaufnahmen von Live-Konzerten holt er mit „Mal‘s Scheune – Studio Wiesenburg“ Bands aus aller Welt in den Fläming. Wenn Wiesenburg am 12. und 13. September Gastgeber der Aktion „48 Stunden Fläming 2015“ und des Flämingmarkts ist und Busse zu Rundtouren in die Umgebung starten, ist auch Malcolm St. Julian-Bown mit seiner offenen Scheune, Live-Musik und Kamera dabei.

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Seine Augen blitzen. Malcolm St. Julian-Bown arbeitet mit Herz-Faktor, wie er es nennt. Mit jedem Bild, das er aufnimmt, will er eine Emotion ausdrücken. Das hat er in den Werbekampagnen gemacht, die er für namhafte Unternehmen in den Niederlanden produzierte. Mit gleichem Herzblut verfolgt er sein Konzept, wenn er mit Musikbands aller Genres, jungen wie etablierten arbeitet. Malcolm St. Julian-Bown gibt Bands die Chance, bei ihm auf der Studiobühne Live-Aufnahmen mit und ohne Publikum aufzunehmen. Die Musiker erhalten einen professionellen Videomitschnitt und Musikclips in Spitzenqualität. Beides ist heutzutage zur Vermarktung in der Musikszene unerlässlich. Die Aufnahmen fördert der eigens gegründete Kulturverein Mal’s Scheune e.V.. Die Musiker müssen nur die Reisekosten nach Wiesenburg tragen. Das Publikum, das nicht nur aus Wiesenburg, sondern auch aus Berlin, Potsdam, Leipzig und Umgebung kommt, zahlt einen Spendenbetrag, empfohlen werden sieben Euro. Bei Gästen beliebt sind das Chilli con Carne, das Lebensgefährtin Claudia Heinz zubereitet, oder Malcolms Coq au Vin. Zum Musik-Erlebnis servieren die beiden Essen und Getränke. Auch hier legt der Chef Wert auf Qualität: „Es gibt bei uns nur gute Weine.“

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Der Mann aus dem Süden Londons sitzt an seinem rollbaren Arbeitspult im Studio Wiesenburg und zeigt seine jüngsten Videofilme, die er auf der Videoplattform Youtube einstellt. Gerade hat er einen Imagefilm für den denkmalgeschützten Landschaftspark von Schloss Wiesenburg fertiggestellt – ein zweites Standbein für sein Studio Wiesenburg. Das ist ein mit allen technischen Raffinessen ausgerüstetes Videostudio mit Bühne in einer restaurierten Scheune im Ortskern. Sie heißt schlicht Mal‘s Scheune. Das Grundstück grenzt unmittelbar an den Schlosspark. Der von Curt Friedrich Ernst von Watzdorf gestaltete Park gilt als das bedeutendste Gartendenkmal zwischen Potsdam und dem Dessau-Wörlitzer Gartenreich. Mal‘s sonnengelb gestrichene Scheune muss sich in die Landschaft einfügen, auch der Blick vom Park steht unter Denkmalschutz. Der Park ist öffentlich, das auf alten Fundamenten gebaute Schloss im Neorenaissance-Stil, ursprünglich eine Burg, beherbergt heute Eigentumswohnungen.

Für Malcolm St. Julian-Bown, den Musiker mit Leidenschaft für E-Gitarren, Rockmusik und Videos, bedeutet seine Wahlheimat kreative Lebensqualität: „Ich fühle mich jeden Tag inspiriert durch die Ruhe und wunderschöne Umgebung.“ 2007 kaufte er mit dem Erbe der Eltern das Grundstück mit den maroden Gebäuden. Claudia Heinz sagt rückblickend: „Mein Idealismus hätte nicht ausgereicht, mir in der Startphase vorzustellen, wie es heute hier aussieht.“

Natürlich wurden die Baukosten höher als geplant. Als Malcolm St. Julian-Bown im Jahr 2012 mit Aufnahmen von Live-Konzerten begann, hatten die Nachbarn Sorge, dass er sie sieben Tage die Woche, 24 Stunden lang mit lauter Musik beschallt. Doch Mal‘s Scheune ist gut isoliert und besitzt eine Akustik, die einen Akustik-Ingenieur der Berliner Philharmonie bei einem Besuch begeisterte. Längst gehören die Nachbarn zum Stammpublikum.

Bei den Live-Konzerten sind fünf bis sechs Kameras im Einsatz, und Malcolm speist ihre Bilder mit acht Spuren Ton direkt in seinen Mac-Computer. Aus Prinzip arbeitet der Brite nicht mit Kopfhörern. Seine Kameraleute sind allesamt Musiker. „Die Leute hinter den Videokameras sind für mich Teil der Musik und der Bands“, lautet Malcolms künstlerischer Anspruch, „sie wissen genau, wer was wann spielt.“ Malcolm und seine Lebensgefährtin spielen selbst in unterschiedlichen Formationen. Für die Sängerin und Bass-Gitarristin steht fest: „Malcolm ist genau im richtigen Alter für Rock’n’Roll“.

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In Wiesenburg, dem zauberhaften Ort im Fläming, kennt den sympathischen Engländer jeder. Vor zwei Jahren erhielt der Kameramann, Produzent, Dokumentar- und Videofilmer vom brandenburgischen Sozialminister den Fläming-Initiativ-Preis. Ausgezeichnet wurde das Studio Wiesenburg-Konzept mit sozialem Engagement, weil es Musiker ebenso fördert wie den Wirtschaftsstandort. Im Hohen Fläming gibt es einen aktiven Schulterschluss der Menschen, die sich für die Region engagieren. Als Mitglieder aus Kommunen, Vereinen und Unternehmen oder als Privatpersonen entwickeln sie in der Aktionsgruppe Fläming-Havel e.V. Veranstaltungen wie „48 Stunden Fläming“ und den „Flämingmarkt“. Der findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt – in diesem Jahr zur Aktion „48 Stunden Fläming“ am 12. und 13. September eben in Wiesenburg.

Besucher können mit der Bahn anreisen und im 30-Minutentakt vom Bahnhof eine eineinhalbstündige geführte Flämingrundfahrt im Bus unternehmen. Wenn sie möchten, steigen sie unterwegs an mehreren Orten aus und fahren mit einem anderen Bus weiter. In Wiesenburg finden geführte Spaziergänge durch Schlosspark und Ortskern, ein buntes Markttreiben mit Kartoffelfest rund um das Schloss sowie ein Bühnenprogramm mit Musik, u.a. mit Malcolms und Claudias Hausband „Sherz & Shine & Mal“, Tanz und Gesang statt. An vielen Orten präsentieren sich Künstler, Kunsthandwerker und lebendiges Handwerk.

Die Stadt Wiesenburg, die sich selbst als „Perle des Flämings“ im Reisegebiet Fläming bezeichnet, heißt Akteure wie Malcolm St. Julian-Bown willkommen. Man stärkt sich gegenseitig. So profitieren Malcolm und das junge Unternehmen QWelle.de voneinander. Für den Lautsprecherentwickler in der Nachbarschaft ist Mal‘s Scheune Verkaufs- und Showroom. Der breite Sound seiner Rundumstrahler beschert die umfassende Tonqualität für Konzerterlebnisse und Live-Videoaufnahmen, egal, in welcher gemütlichen Ecke der Scheune das Publikum zuhört.
Mit den in diesem Jahr eröffneten Nachbarbetrieben, der Pension Landei und dem Kunst- und Kulturtreff Alte Schule, liegt die Zusammenarbeit auf der Hand. Die Pensionsinhaber haben im denkmalgeschützten Fachwerkhaus in der Idylle um den Schlosspark ein Refugium zum Wohlfühlen geschaffen. Gästen bieten sie ihre Zimmer auch als Ferienwohnung mit Selbstversorgung und Gartennutzung an. Café und Biergarten laden auch Wanderer, Radfahrer und Wochenend-Ausflügler zum Verweilen ein.

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Künftig werden unter den Gästen auch Musiker sein, die Malcolm St. Julian-Bown zu Band Holidays eingeladen hat. Das sind mehrtägige Workshops mit Videoaufnahmen, die teilweise in Livekonzerten enden. „Die Bands können ungestört proben, wann und wie oft sie wollen“, sagt Malcolm, der den Bandmitgliedern auf Wunsch Instrumente, Catering und Schlafmöglichkeiten zur Verfügung stellt – „oder sie nutzen nur unsere Küche“. Wenn sich die Musiker etwas gönnen wollen, wählen sie zum Übernachten die Pension Landei.

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