Tagebuch: der Reisekünstler

26 12 2015

Samstag, 26. Dezember 2015

Als Dimitris Shailis den Frühstücksraum des Hotels betrat, wusste ich sofort, dass er „mein“ Reiseleiter war. Vier Tage lang hat mich der 63-jährige auf Zypern betreut. Er hat mit mir das offizielle Programm abgewickelt und vieles mehr: Details erklärt, Tipps gegeben, den Unterschied zwischen Griechen und griechischen Zyprioten erläutert – und aus seinem Leben erzählt.

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Ein ausgefülltes Leben, um nicht zu sagen: ein wildes. Von 1974 bis 79 hat er in der DDR Hochbauingenieurwesen studiert. Eigentlich wollte er Kunst studieren, das aber passte dem Herrn Papa nicht, der Bauunternehmer war. Und damals war eine Zeit, in der der Vater in Griechenland, Pardon: auf Zypern noch unbestritten das Sagen hatte.

Ohne Zweifel ist Dimitris begabt. Seine Zeichnungen faszinieren. Ich kann mir gut vorstellen, was aus dem Mann geworden wäre, wenn er Bildende Kunst studiert hätte.

2004.11.29

2006.04.12

Immerhin ist ein vortrefflicher Reiseleiter aus ihm geworden. Dimitris: „Ich bin seit 1990 lizensierter, freiberuflicher Fremdenführer mit allgemeinem Fachwissen in allem, was Zypern anbetrifft.“ Seine Sprachen: Deutsch und Englisch. Sein Deutsch ist übrigens fast perfekt, zu komplizierten Zwischentönen fähig und – fast akzentfrei. 80 Prozent seiner Arbeit spielen sich heute auf den Naturlehrpfaden Zyperns an. „Mit der Zeit habe ich eine Vorliebe fürs Wandern entdeckt“, sagt er, „ ich war überrascht als ich feststellte, dass ich vorher nichts über die einmalige Geologie und der daraus folgenden zauberhaften Natur meiner Heimat wusste…“

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13 Jahre stand er bei Studiosus unter Vertrag, seit 2014 arbeitet er für die Alpinschule Innsbruck [ASI]. Und er arbeitet noch „für jede Menge andere deutsche Reiseveranstalter, große wie kleine“, macht Tagesausflüge und führt mehrtägig Gruppen, engagiert von lokalen, hier im Lande sesshaften Agenturen.

Es ist eine Wonne, mit Domitris zu reisen. Wir haben einige Gemeinsamkeiten entdeckt, nicht zuletzt die für Kaffeepausen. Er ist auch ein praktischer Mann: Als ich, ans Linksfahren noch nicht wieder gewöhnt, den linken Außenspiegel des Mietwagens abrasierte, hat er flugs eine Rolle Klebeband gekauft und den Spiegel notdürftig so fixiert, dass wir beim Fahren wieder etwas sehen konnten.

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Das deutsche Reisepublikum ist nach seiner Erfahrung „an allem interessiert: an Kunst, Geschichte, Archäologie, Natur, Essen und Trinken, Land und Leuten, Sitten und Bräuchen, landestypischer Musik, über die heutige politische Situation und vieles mehr“. Was für ein Kompliment!
Beste Reisezeit für kulturhungrige Deutsche seien Frühling und Herbst, und für viele auch Weihnachten-Silvester: „Deswegen kann ich mich nicht erinnern, wann ich zuletzt Ostern, Weihnachten und Silvester nicht unterwegs war…“

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Zum Schluss noch ein Kompliment, diesmal für die Insel Zypern: „Für mich ist Zypern ein goldig-grünliches Blatt im Mittelmeer, wie ein zypriotischer Dichter dichtete und Mikis Theodorakis komponierte. Zypern ist meine Seele… Und wenn ich eines Tages weg bin, ich weiß, meine Seele wird hier ewig wandern.“ Auf Griechisch heißt die Insel „Kypros“, das Wort ist weiblich – und nun kann laut Dimitris „jeder verstehen, warum ich in Zypern verliebt bin…“

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