Tagebuch: Kunst am Käuzchenweg

16 01 2016

Freitag, 16. Januar 2016

Die an Museen nicht gerade arme Stadt Berlin hat ein neues Museum. Im Kunsthaus Dahlem lässt sich das geniale Werk des Bildhauers Bernhard Heiliger entdecken.

Berlin hat seit letztem Herbst ein Museum mehr, und es ist nicht das schlechteste. Direkt neben dem berühmten Brücke-Museum liegt am Käuzchenweg 8 [was für ein schöner Name] das Kunsthaus Dahlem. Es steht auf einem großen, mit eindrucksvollen Kunstwerken bestückten Grundstück. Das Haus ist stattlich, bietet viel Platz und dient als Museum der Kunst der deutschen Nachkriegsmoderne in Ost und West. Im Fokus steht die Zeit von 1945 bis 61, politisch geprägt von den Stationen Kapitulation, Blockade, Bildung zweier deutscher Staaten, Mauerbau. Stilistisch stand am Anfang das Bemühen um Rehabilitierung der Moderne, die in der NS-Zeit verfemt war. In beiden Staaten entwickelte sich eine höchst unterschiedliche „offizielle“ Kunst, und in beiden brachten Künstler Höchstleistungen hervor. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf plastischer Kunst, aber auch Gemälde und Fotografien werden gezeigt.

yyyyyy

Träger des neuen Museums ist die Atelierhaus Dahlem eGmbH, Tochtergesellschaft der Bernhard-Heiliger-Stiftung. Der Bildhauer Bernhard Heiliger [1915 – 95] studierte unter anderem in Stettin beim Bauhausschüler Kurt Schwerdtfeger und von 1938 bis 41 an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste Berlin bei Arno Breker. Der war so etwas wie ein Staatstkünstler, hoffiert und Hitlers Günstling. Für ihn wurde von 1939 – 42 das Kunsthaus erbaut, in dem heute das Kunsthaus Dahlem untergebracht ist. Aber da die Bombardierung Berlins da schon zunahm, hat Breker das riesige Atelier nur selten benutzt. Er arbeitete in einem Rittergut, das Hitler ihm zum 40. Geburtstag geschenkt hatte.

DSCN3818

Nach dem Krieg beherbergte das Haus eine Propaganda- und Zensurabteilung der US-Amerikaner. 1949 zog Heiliger in den Ostflügel, in dem seit seinem Tod die Bernhard-Heiliger-Stiftung ihren Sitz hat. Seit 1964 brachten der DAAD und der Berliner Kultursenat im großen Atelier abwechselnd internationale Künstler unter.

DSCN3823

Man darf Bernhard Heiliger künstlerisch nicht Breker gleichsetzen [wobei Breker keineswegs unbegabt war], obwohl er durch Brekers Protektion im Krieg eine „Unabkömmlichstellung“ bekam und in einem der Ateliers Brekers arbeiten durfte. 1939 lernte er in Paris moderne Künstler Aristide Maillol, Auguste Rodin oder Hans Arp kennen. Seine frühen Werke erinnern an Henry Moore. Seine Werke aller Epochen beeindrucken mich sehr, allen voran Porträtköpfe bedeutender Zeitgenossen der 1950-er und 1960-er Jahre. Faszinierend ist auch die Vielfalt der verwendeten Materialien. Das neue Museum ist in jeder Hinsicht eine Offenbarung.

Advertisements

Aktionen

Information

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: